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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Vierzehnte Homilie [Kap. IV, Vers 25-30]

2.

Daraus entstehen ungezählte Übel. Gleichwie ein Bau, solange die Steine festgefügt und ohne Lücke sind, unverwüstlich dasteht, sobald aber eine Öffnung nur nadelgroß sich hindurchzieht oder ein Riß nur haarbreit sich bildet, dies dem Ganzen Zerstörung und Untergang droht: so verhält es sich auch mit dem Teufel. Solange wir fest zusammengefügt und innig miteinander verbunden sind, findet er durchaus keinen Zutritt; hat er aber unsere Verbindung nur ein klein wenig gelockert, so dringt er herein gleich einem reißenden Gießbach. Es bedarf für ihn überall nur des Anfanges; darin besteht die größte Schwierigkeit. Hat er diese einmal überwunden, so bricht er sich immer weiter Bahn. Dann macht er das Ohr für Verleumdungen zugänglich, und denen, die Lügenhaftes sagen, wird lieber geglaubt; denn die Feindschaft sitzt zu Gericht, nicht die Wahrheit spricht das Urteil. Und wie der Freundschaft selbst das wahrhaft Böse als Lüge erscheint, so der Feindschaft selbst die Lüge als wahr. Man denkt und richtet ganz anders, weil man nicht unparteiisch hört, sondern stark befangen von Vorurteil und Voreingenommenheit. Gleichwie nämlich auf der Waage ein zugelegte Bleigewicht den Ausschlag gibt, so auch hier das Gewicht der Feindschaft, da es noch schwerer ist als Blei. Deshalb, ich bitte euch, laßt uns alles aufbieten, um vor Sonnenuntergang die Feindschaften zu ersticken! Denn wenn du sie nicht am ersten und zweiten Tag bewältigst, dehnst du sie oft ein ganzes Jahr aus, und die Feindschaft vergrößert sich von selbst ohne jegliches Zutun. Indem sie die Worte anders auslegt, als sie gemeint sind, und jeder Miene, kurz allem eine falsche Deutung gibt, erzeugt sie Gereiztheit und Erbitterung und versetzt in einen Zustand, der schlimmer ist als Raserei, da sie selbst den Namen des Feindes nicht auszusprechen oder nur zu hören vermag, ohne in laute Schmähungen auszubrechen.

Wie können wir nun den Unmut besänftigen? Wie die auflodernde Flamme ersticken? Wenn wir unsere eigenen Sünden bedenken und die Größe unserer Schuld vor Gott; wenn wir bedenken, daß die Rache, die wir am Feinde üben wollen, auf uns selbst zurückfällt; wenn wir bedenken, daß wir damit nur den Teufel erfreuen, daß wir die Macht unseres Feindes, unseres wirklichen Feindes, durch das, was wir einem Glied von uns Unrecht tun, vermehren. Willst du rachsüchtig und feindselig sein? So sei feindselig, aber gegen den Teufel, nicht gegen ein Glied von dir! Gott hat uns nicht deshalb mit dem ungestümen Mut bewaffnet, damit wir das Schwert in unseren eigenen Leib stoßen, sondern damit wir es ganz in die Brust des Teufels tauchen. Dahinein bohre es bis an den Griff, ja den Griff noch dazu, wenn du willst, und zieh' es nimmer heraus, sondern greife lieber noch zu einem zweiten! Dieses aber wird geschehen, wenn wir uns selber schonen, wenn wir friedfertig gegeneinander gesinnt bleiben. Weg mit der Sucht nach Geld und Gut! Weg mit dem Trachten nach Ruhm und Beifall! Teurer als alles ist mit ein Glied des eigenen Leibes! So wollen wir zu uns selbst sprechen; nicht aber wollen wir gegen unser eigene Natur sündigen, um Geld zu gewinnen, um Ruhm zu erlangen!

V.28: "Wer gestohlen hat, der stehe nicht mehr",

heißt es. Siehst du, welches die Glieder des alten Menschen sind? Lüge, Rachsucht, Diebstahl. Warum sagt er nicht: Wer gestohlen hat, werde gestraft, gequält, gefoltert, sondern: "der stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr ab mit ehrlicher Hände Arbeit, damit er imstande sei, dem Notleidenden mitzuteilen".

Wo sind die sogenannten Reinen [Novatianer gemeint], die von jeglichem Schmutze starrend, sich selbst also zu nennen erdreisten? ; am kann nämlich. ja, man kann sich der Schuld entledigen, nicht nur dadurch, daß man von der Sünde absteht, sondern auch dadurch, daß man etwas Gutes tut. Seht ihr, wie man die Sünde wieder gutmachen soll? Sie haben gestohlen, das ist die Sünde. Sie haben nicht gestohlen; das ist nicht das Wiedergutmachen der Sünde. Sondern wie? Sie haben sich abgemüht und anderen mitgeteilt; so haben sie die Sünde wieder gutgemacht. Er verlangt von uns nicht schlechthin bloß, daß wir arbeiten, sondern daß wir arbeiten bis zur Ermüdung, um anderen mitteilen zu können. Denn auch der Diebstahl ist Arbeit, aber eine nichtswürdige.

V.29: "Kein schlechtes Wort gehe aus eurem Munde hervor ..."

Was ist ein schlechtes Wort? Jenes, das er sonst auch ein müßiges nennt: üble Nachrede, Zoten, Possenreißerei, albernes Geschwätz. Siehst du, wie er die Wurzeln des Zornes abschneidet, die Lüge, den Diebstahl, das unpassende Reden? Den Zusatz: "der stehle nicht mehr" macht er nicht so fast, um jenen zu vergeben, als vielmehr, um die Geschädigten zur Milde zu stimmen und zu ermahnen, sie möchten es sich genügen lassen, wenn sie künftig nicht mehr in derselben Weise zu leiden hätten. Trefflich ist aber auch die Belehrung, die er bezüglich der Reden erteilt. Denn wir sind nicht nur für unsere Handlungen, sondern auch für unsere Reden verantwortlich.

" ...sondern nur, was jeweils gut ist", sagt er, "zu entsprechender Erbauung, damit es Segen bringe den Hörenden." Das heißt, was den Nächsten erbaut, das allein rede, unnützerweise aber nichts.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger