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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Dreizehnte Homilie [Kap. IV, Vers 17-24]

4.

Tut wenigstens das, was nicht beschwerlich fällt! Beherrschet eure Hand und eure ausschweifenden Augen! Welche Mühsal, ich bitte dich, welche Schwierigkeit kann das bereiten? Übet Gerechtigkeit, tut niemandem Unrecht, nicht der Arme, nicht der Reiche, nicht der Kaufmann, nicht der Taglöhner! Denn auch zu den Armen kann die Ungerechtigkeit den Weg finden. Oder sehet ihr nicht, wieviel Streit diese anzetteln und wie sie alles umzustürzen suchen? Lebe in der Ehe, habe Kinder! Paulus hat auch für solche Vorschriften gegeben, für solche geschrieben. Groß ist jener Kampf und hoch der Berg, und sein Gipfel ragt bis an den Himmel. Du kannst das Große nicht erreichen? Nun, so halte dich wenigstens an das Geringere und strebe die tiefere Stufe an! Du kannst dein Vermögen nicht verschenken? So reiße wenigstens nicht fremdes Gut an dich und tue kein Unrecht! Du kannst nicht fasten? So ergib dich wenigstens nicht der Schwelgerei! Du kannst nicht auf einem Streulager schlafen? So schaffe dir wenigstens keine silberverzierten Betten an, sondern bediene dich eines Bettes, das für die Ruhe und nicht zum Prunke gemacht ist! Schaffe dir auch keine elfenbeinernen Betten an! Schränke dich ein! Warum füllst du das Lastschiff mit tausenderlei Waren an? Wenn du einfach lebst, brauchst du nichts zu fürchten, weder Neid noch Räuber noch heimliche Nachstellungen. Denn du bist nicht so sehr reich an Geld wie an Sorgen, du hast nicht so sehr Überfluß an Vermögen wie an Ängsten und Gefahren. "Die da reich werden wollen", sagt der Apostel, "ziehen sich Versuchungen und schädliche Begierden zu" [vgl.1 Tim 6,9]. Solche setzen diejenigen aufs Spiel, welche viel besitzen wollen.

Ich sage nicht: Bediene die Kranken! Aber heiße wenigstens deinen Sklaven dies tun! Siehst du, daß es nicht schwer fällt? Wie sollte es auch, da zarte Mädchen uns darin weit überholen? Schämen wir uns doch, ich bitte, daß sie, denen wir in weltlichen Kriegen und Wettkämpfen nirgends den Vorrang lassen, in den geistigen Kämpfen mehr Siege davontragen als wir und vor uns den Preis erringen; daß sie, Adlern gleich, einen hohen Flug nehmen, während wir wie Dohlen immer in der Tiefe um den Fleischdampf und den Rauch herumstreichen. Denn es ist in Wahrheit der Dohlen und lüsterner Hunde Art, nur an die Tafelbereiter und Köche zu denken. Vernimm von den Frauen der Vorzeit! Es waren große und wunderbare Frauengestalten, eine Sara, eine Rebekka, eine Rachel, eine Debora, eine Anna; auch zu Christi Zeiten lebten solche. Doch nirgend überholten sie die Männer, sondern nahmen stets den zweiten Platz ein. Jetzt aber findet das Gegenteil statt; die Frauen laufen uns den Vorrang ab und stellen uns in Schatten. Wie verächtlich! Welche Schande! Wir nehmen die Stelle des Hauptes ein und werden vom Leibe besiegt. Wir sind gesetzt, um ihnen voranzugehen; nicht um schlechthin voranzugehen, sondern um auch in der Tugend voranzugehen. Der Führer muß seine Führerschaft besonders dadurch betätigen, daß er [die Untergebenen] an Tüchtigkeit übertrifft; läßt er sich darin übertreffen, so hört er auf, Führer zu sein. - Habt ihr gesehen, wie großartig die Wirkung der Ankunft Christi war? Wie sie den Flug gelöst hat? Denn beim weiblichen Geschlechte ist die Zahl derjenigen größer, die ein jungfräuliches Leben führen, die Keuschheit bewahren und im Witwenstand verbleiben; ein Weib wird nicht leicht ein unsittliches Wort aussprechen. Warum also, sage mit, führst du schändliche Reden? Rede mir nicht von verworfenen Dirnen!

Eine Schwachheit hat das weibliche Geschlecht: es liebt nämlich allzusehr den Schmuck. Aber auch hierin tut ihr Männer es den Frauen noch zuvor, indem ihr auf sie, wie auf euren eigenen Schmuck stolz seid. Ich glaube die Frau brüstet sich nicht so sehr mit ihrem Goldschmuck, als der Mann mit dem seiner Frau; sie bildet sich nicht soviel auf ihren goldenen Gürtel ein, als er darauf, daß seine Frau in Gold prangt. Also auch daran seid ihr Schuld, indem ihr den verborgenen Funken zur lodernden Flamme anfacht. Übrigens ist die Sünde auf Seiten des Weibes nicht so groß als auf seiten des Mannes. Du bist gesetzt, sie zu leiten; in allen Dingen beanspruchst du den Vorrang. Nun, so zeige auch in diesem Punkte an dir selbst, daß du auf jenen Prunk keinen Wert legst! Der Frau steht es besser an, sich zu schmücken, als dem Manne. Wenn nun du selbst nicht darauf verzichtest, wie sollte sie darauf verzichten? Die Frauen haben ein gewisses Maß von Eitelkeit; doch dieser Fehler ist ihnen mit den Männern gemein. Sie sind etwas jähzornig; auch das teilen die Männer mit ihnen. Ihre Tugenden dagegen teilen die Männer nicht: nämlich die Ehrbarkeit, den Eifer, die Gewissenhaftigkeit, die Liebe zu Christus.

Weshalb nun, könnte man fragen, hat sie der Apostel vom Lehrstuhle ausgeschlossen? Auch dies ist ein Beweis dafür, daß zwischen ihnen und den Männern ein bedeutender Abstand ist und daß die damaligen Frauen wirklich groß waren. Als ein Paulus lehrte, ein Petrus und jene heiligen Männer, sage mir, war es da Not, daß ein Weib sich zu diesem Geschäfte drängte? Jetzt dagegen hat die Schlechtigkeit bei uns so sehr überhand genommen, daß man die Frage aufwerfen darf, warum die Frauen nicht lehren. So sehr sind wir zu weiblicher Schwäche herabgesunken.

Dieses will ich nicht gesagt haben, um die Frauen stolz zu machen, sondern um uns selbst zu beschämen und nachdrücklich zu ermahnen, daß wir die uns gebührende Herrschaft wieder an uns bringen, nicht durch die Überlegenheit [an körperlicher Kraft], sondern durch Fürsorge, Schutz und Tugend. So bleibt ja auch der Körper in seiner gehörigen Ordnung, wenn er vom Haupte gut geleitet wird. Möchten doch alle, die Frauen wie die Männer, nach Gottes Wohlgefallen leben, damit wir alle an jenem schrecklichen Tage gewürdigt werden, die Menschenfreundlichkeit des Herrn zu erfahren und die verheißenen Güter zu erlangen in Christus Jesus unserm Herrn, mit welchem der Vater gleichwie dem Heiligen Geiste Herrlichkeit, Macht und Ehre sei, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit! Amen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger