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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Zwölfte Homilie [Kap. IV, Vers 17-18]

3.

Wie steht es aber mit dem Wasser? höre ich fragen; ist auch das nicht Gott? - Dieser Einwurf läuft in Wahrheit abermals auf ein lächerliches Wortgefecht hinaus. Ist das nicht Gott, wollen sie sagen, was wir zu so vielen Dingen brauchen? Gleiches gilt auch wieder von der Erde . Fürwahr: "Die Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, verfinstert im Verstande." An unserer Stelle aber hat der Apostel damit den Lebenswandel im Auge. Die Heiden treiben Unzucht und Ehebruch. Ganz natürlich; wer sich solche Bilder von der Gottheit macht, darf sich folgerichtig alles wagen. Wenn sie den Blicken der Leute zu entgehen vermögen, ist niemand, der ihnen wehrt. Was wird die Lehre von der Auferstehung über sie vermögen, da sie in derselben nur eine Fabel erblicken? Oder die Lehre von den Höllenstrafen? Auch diese gelten ihnen als Fabeln. Betrachte die teuflische Denkweise! Wird ihnen von der Unzucht der Götter erzählt, so halten sie das nicht für Fabeln, sondern glauben daran; ist aber von der Strafe [durch die Götter] die Rede, so sagen sie: Es sind eben Dichter; diese fabeln alles mögliche daher, um den Zustand eines glücklichen Lebens allseits zu untergraben. - Aber die Philosophen, wirft man ein, haben doch ein Resultat gewonnen, das unter allen Umständen Achtung einflößt und vor jenen Lehren entschieden den Vorzug verdient. - Wie? Sollten damit jene gemeint sein, die die Theorie vom blind waltenden Verhängnis aufstellen und behaupten, das Weltall sei nicht das Werk planvoller Weisheit, und es gebe keine Vorsehung, sondern alles habe sich aus Atomen zusammengesetzt? Oder jene, die einen körperlichen Gott annehmen? Oder welche eigentlich, ich bitte dich? Etwa jene, die aus den Menschenseelen Hundeseelen machen und den Leuten einreden, man sei schon einmal ein Hund, ein Löwe, ein Fisch gewesen? Wie lange höret ihr nicht auf, albernes Zeug zu schwätzen, "verfinstert im Verstande"? Als wären sie wirklich in Dunkel gehüllt, so ist all ihr Reden und Handeln, sowohl in bezug auf die Glaubenslehre als auf den Lebenswandel.

Wer von Finsternis umgeben ist, unterscheidet nichts von dem, was vor ihm liegt, sondern sieht oft einen Strick für eine leibhaftige Schlange an; bleibt er an einem Zaune hängen. so glaubt er, ein Mensch oder gar der Teufel halte ihn fest, und ist voller Angst und Bestürzung. Solches fürchten sie. "Sie fürchten sich", sagt die Schrift, "wo kein Grund zur Furcht ist"[Ps 52,6]. Was sie dagegen mit Recht fürchten sollten, das fürchten sie nicht. Wie die kleinen Kinder auf den Armen der Amme die Hände unvorsichtig nach dem Feuer und keck nach dem Lichte ausstrecken, dagegen sich vor einem vermummten Manne fürchten: so fürchten auch diese Heiden, als wären sie in der Tat ewig kleine Kinder - wie denn auch einer der Ihrigen sagt: "Die Griechen bleiben ewig Kinder", - solche Dinge, die nicht sündhaft sind, wie z. B. Schmutz am Körper, eine Leiche, ein Totenbett, gewisse Unglückstage, und was dergleichen mehr ist, während sie über wirkliche Sünden, Päderastie, Ehebruch, Unzucht kaum ein Wort verlieren. Du kannst beobachten, wie einer wohl nach der Berührung eines toten Körpers sich durch ein Bad reinigt, nicht aber nach der Verrichtung toter Werke; wie er mit allem Eifer auf Gelderwerb bedacht ist, dagegen wähnt, mit einem einzigen Hahne sei alles ausgeglichen. So sehr sind sie "verfinstert im Verstande". Ihre Seele ist angefüllt mit vielerlei Schreckbildern. So kann man z. B. hören: "Wie ich zum Hause hinausging, begegnete mir zuerst der und der." Da muß auf jeden Fall alles mögliche Unheil eintreffen. - "Jetzt hat mir der verfluchte Sklave beim Anziehen der Schuhe zuerst den linken gereicht." Das bedeutet Unglücksfälle und Streitigkeiten der schlimmsten Art. -

"Ich bin beim Ausgehen mit dem linken Fuß zuerst über die Schwelle geschritten." Auch das ist ein Zeichen von Unglück; und zwar sind es Übel, die das Haus betreffen. - "Kaum war ich ausgegangen, da zuckt mir das rechte Auge in die Höhe." Das läßt auf Tränen schließen. - Und die Frauen wieder halten es für eine Vorbedeutung, wenn das Geschirr klappernd an den Webstuhl stößt, wenn sie mit dem Kamme den Einschlag festschlagen. Auch wenn sie den Einschlagfaden mit dem Kamm herabschlagen und dabei etwas heftig zu Werke gehen, so daß das obere Geschirr infolge des starken Anschlages klappernd an den Webstuhl stößt, machen sie daraus eine Vorbedeutung: und so aus unzähligen anderen Lächerlichkeiten. Schreit ein Esel, kräht ein Hahn, niest jemand, kurz, ereignet sich was immer, so wittern sie, wie von tausend Fesseln gebunden oder, um einen früheren Ausdruck zu gebrauchen, wie in Finsternis befangen, alles mögliche Unheil dahinter und fühlen sich viel abhängiger als tausend Sklaven.

Machen wir es nicht auch so! Laßt uns vielmehr als Menschen, die im Lichte leben, deren Wandel im Himmel ist und die mit der Erde nichts gemein haben, alle diese Dinge verlachen und nur eines für furchtbar halten, die Sünde und die Beleidigung Gottes! Sind wir davon frei, so wollen wir alles übrige verlachen samt dem, der solches aufgebracht hat, dem Teufel. Danken wir Gott für diese Gnade!" Bemühen wir uns, daß wir nie selbst in derartige Sklaverei geraten; und wenn einer von unseren Lieben darin gefangen ist, so zerreißen wir seine Fesseln, befreien wir ihn aus dieser schlimmen und lächerlichen Haft, ermöglichen wir ihm den Lauf zum Himmel, richten wir seine beschwerten Fittiche zum Fluge nach oben und lehren wir ihn das Streben nach wahrer Weisheit in Wandel und Glauben! Danken wir Gott für alles; bitten wir ihn, daß wir der verliehenen Gabe nicht unwürdig erscheinen mögen! Bemühen wir uns zugleich mit diesen, auch das Unsrige beizutragen, damit wir nicht bloß mit Worten, sondern auch durch die Tat lehren. Auf diese Weise werden wir die unendlichen Güter erlangen können, deren wir alle teilhaftig werden mögen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, mit welchem dem Vater sowie dem Heiligen Geiste Herrlichkeit, Macht und Ehre dei, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit" Amen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger