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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Zwölfte Homilie [Kap. IV, Vers 17-18]

2.

Siehst du, daß alles "Eitelkeit der Eitelkeiten" ist? Deshalb sagt der Apostel: "in der Eitelkeit ihres Sinnes". Oder ist ihr Gottesdienst nicht gleicherweise eitel? Holz und Steine! Gott ließ uns die Sonne leuchten statt einer Lampe. Wer betet seine Lampe an? Die Sonne spendet Licht, aber wann sie es nicht vermag, vermag es die Lampe. Warum betest du da nicht die Lampe an? Ja doch, sagt der Heide, ich bete das Feuer an. O der Lächerlichkeit! Welche Schmach! Und dazu eine neue. Warum löschst du den Gegenstand deiner Gottesverehrung aus? Warum vernichtest du, warum zerstörst du deinen Gott? Warum läßt du dein Haus nicht von ihm erfüllt werden? Wenn das Feuer Gott ist, so laß deinen Körper von ihm verzehren! Lege deinen Gott nicht bloß unter den Boden des Topfes und des Kessels, sondern bringe ihn in die Vorratsräume und unter die seidenen Kleider! Du aber bringst ihn nicht nur nicht hinein, sondern, wenn er durch jemandes Versehen hineinkommt, so jagst du ihn von überall her, hinaus, rufst alle zusammen, als wäre ein wildes Tier eingebrochen, klagst und jammerst und nennst die Gegenwart deines Gottes ein ungeheueres Unglück. -

Ich habe einen Gott und tue alles, um ihn in mein Inneres einzuschließen, und halte es für meine größte Glückseligkeit, nicht etwa bloß, wenn er mein Haus heimsucht, sondern wenn ich ihn in mein Herz aufnehmen kann. Nimm auch du das Feuer in dein Herz auf! Das ist lächerlich und töricht. Das Feuer ist gut zum Gebrauche, nicht zur Anbetung, gut nur, zu dienen, behilflich zu sein, zu fronen, nicht über mich zu herrschen. Das Feuer ist um meinetwillen da, nicht um, seinetwillen. Wenn du das Feuer als Gott verehrst, warum bleibst du selbst auf dem Ruhebett liegen und befiehlst dem Koche, vor deinem Gott zu stehen? Übernimm doch selbst das Geschäft eines Koches, werde ein Bäcker oder, wenn du willst, ein Schmied! Es kann ja nichts Ehrenvolleres geben als diese Handwerke, da dein Gott sie [persönlich] überwacht. Wie kannst du ein Gewerbe verachten, mit dem dein Gott so viel zu tun hat? Warum überträgst du es den Sklaven, hältst es aber unter deiner eigenen Würde? - Das Feuer ist gut, weil es von einem guten Schöpfer stammt, aber es ist nicht Gott. Ein Werk Gottes, nicht Gott muß es genannt werden. Siehst du nicht die Unordnung, die ihm eignet? Wie es, wenn es ein Haus ergriffen hat, keinen Stillstand kennt, vielmehr alle anstoßenden Gebäude, die es erreichen kann, zerstört, falls nicht Werkleute und andere Hände seine Wut dämpfen? Wie es keinen Unterschied macht zwischen Freund und Feind, sondern alle in gleicher Weise behandelt? Das also ist euer Gott, und ihr schämt euch nicht? Wahrlich mit Recht sagt der Apostel: "In der Eitelkeit ihres Sinnes."

Aber die Sonne ist Gott, behauptet der Heide. Sage mir doch, woher und warum? Weil sie viel Licht ausstrahlt? Aber siehst du nicht, daß sie von den Wolken besiegt wird, den Naturgesetzen unterworfen ist, sich verfinstert, vom Monde verhüllt wird? Obwohl die Wolke schwächer ist als die Sonne, gewinnt sie dennoch vielfach [über sie] die Oberhand; und das ist eine Einrichtung der göttlichen Weisheit. - Die Gottheit muß sich selbst vollkommen genügen, die Sonne aber bedarf vieler Dinge; das ist dem, Wesen Gottes fremd. Sie bedarf nämlich der Luft, um hell zu scheinen, und zwar dünner Luft; denn die stark verdichtete Luft läßt die Sonnenstrahlen nicht durchdringen. Sie bedarf auch des Wassers und anderer Hemmungsmittel, um nicht alles zu verbrennen. Erzeugten nicht Quellen, Seen, Flüsse und Meere durch Verdunstung einen gewissen Grad von Feuchtigkeit, so ginge rettungslos alles in Feuer auf. - Siehst du nun, hält man mir entgegen, daß sie wirklich eine Gottheit ist? Wie verrückt! Wie lächerlich! Weil sie schaden kann, nennt man sie eine Gottheit! Gerade deshalb ist sie nicht Gott, weil sie zu ihren schädlichen Wirkungen nichts bedarf, zu ihren nützlichen Wirkungen aber viele andere Dinge nötig hat. Denn es liegt der Gottheit ferne, zu schaden, vielmehr eignet ihr, zu nützen. Wenn nun bei der Sonne das Umgekehrte stattfindet, wie kann sie da Gott sein? Siehst du nicht, daß die Gifte keines Dinges bedürfen, um zu schaden, dagegen vieler, um zu nützen? - Um deinetwillen also ist die Sonne so beschaffen: schön und ohnmächtig zugleich. Schön, damit du zur Kenntnis des Herrn gelangest; ohnmächtig, damit du sie nicht für den Herrn selbst haltest. -

Aber sie bewirkt doch das Wachstum der Pflanzen und Saaten, sagst du. Wie also? Wäre nicht aus diesem Grunde auch der Dünger ein göttliches Wesen? Denn auch er befördert das Wachstum jener. Wären es aus diesem Grunde nicht auch die Hippe und die Hände des Landmannes? Zeige mir, daß die Sonne für sich allein das Wachstum bewirkt, ohne daß sie der Erde, des Wassers, der Arbeit des Landmannes bedarf! Man streue den Samen aus, und sie bringe lediglich durch ihre Strahlen die Ähren hervor! Wenn dieses aber nicht von ihr allein, sondern auch vom Regen abhängt, weshalb sollte nicht auch das Wasser Gott sein? Doch davon wollen wir noch nicht sprechen. Weshalb sollte nicht auch die Erde Gott sein? Weshalb nicht auch der Dünger und das Grabscheit? Sollen wir also, sage mir, das alles anbeten? Wie läppisch! Nun aber könnte eine Ähre weit eher ohne Sonne wachsen, als ohne Erde und Wasser; dasselbe gilt von den Pflanzen und allem anderen. Wenn die Erde nicht wäre, käme nie etwas davon zum Vorschein. Wenn man, wie es die Kinder und Frauen [ja] tun, in einen Blumentopf etwas Erde gäbe, ihn mit Dünger auffüllte und dann unter das Dach stellte, so werden sich die Pflanzen, zwar schwächlich, aber dennoch entwickeln. Erde und Dünger tragen also mehr zum Wachstum bei [als die Sonne], und also müßte man sie eher anbeten als diese. Die Sonne bedarf des Himmels, bedarf der Luft, bedarf des Wassers, um nicht schädlich zu wirken, gleichsam als ebenso vieler Zügel, welche ihrer unbändigen Kraft Einhalt tun und sie nicht, wie ein wildes Roß, ihre Strahlen überallhin senden lassen. -

Und sage mit einmal, wo ist sie denn während der Nacht? Wohin ist dein Gott da verreist? Dem Wesen Gottes ist räumliche Eingeschlossenheit und Begrenzung fremd; diese Eigenschaft kommt in Wirklichkeit nur Körpern zu. - Aber es ist doch eine gewisse Kraft in ihr, wendet man ein, und sie bewegt sich. Sage mir, soll am Ende diese Kraft Gott sein? Warum ist sie dann selbst wieder bedürftig und vermag nicht das Feuer zu dämpfen? Ich komme also immer wieder zu derselben Schlußfolgerung. - Was ist jene Kraft? Ist sie selbst Lichtquelle, oder leuchtet sie nur vermittelst der Sonne, ohne ihrem Wesen nach irgendwie daran teilzuhaben? Dann wäre also die Sonne größer als sie. Wann finden wir einen Ausgang aus diesem Labyrinth?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger