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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Elfte Homilie [Kap. IV, Vers 4-16]

5.

Dies sei für diejenigen gesagt, die ohne Besinnen sich solchen anschließen, welche Spaltungen in der Kirche hervorrufen. Denn haben jene Leute eine der kirchlichen entgegengesetzte Glaubenslehre, so dürfen sie schon aus diesem Grunde keine Gemeinschaft mit ihnen machen; stimmen sie aber darin mit ihr überein, dann um so weniger. Ja, warum denn? - Weil sie dann an der Herrschsucht kranken. Wißt ihr nicht, welche Strafe Kore, Dathan und Abiron getroffen hat? Nur sie allein? Nicht auch ihren Anhang?1 . Was willst du einwenden? Es ist derselbe Glaube, auch jene sind Rechtgläubige? Warum halten sie also nicht mit uns? " Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe." Steht ihre Sache gut, dann ist es um uns schlecht bestellt; steht aber unsere Sache gut, dann ist es um sie schlecht bestellt. "Kinder" nennt sie der Apostel, "hin- und herwogend und umhergetrieben von jedem Winde." - Glaubt ihr denn, ich bitte euch, es genüge, daß sie sich rechtgläubig nennen, wenn die rechtmäßige Wahl der Vorsteher hintertrieben und unmöglich gemacht wird? Und was nützt alles andere, wenn diese nicht gewissenhaft vor sich geht? Auch für diese muß man kämpfen, gerade so wie für den Glauben. Denn ist es einem jeden erlaubt, seine Hände zu füllen, wie die Alten sich ausdrücken, und Priester zu werden, dann mögen sich alle hinzudängen: vergebens ist dann dieser Altar errichtet, vergebens die Versammlung der ganzen Gemeinde, vergebens die Schar der Priester; dann laßt uns all das aufheben und beseitigen! Gott bewahre, erwiderst du. -

Ihr tut das in Wirklichkeit; wie wollt ihr sagen: Gott bewahre? Wie magst du sprechen: Gott bewahre, da es doch tatsächlich geschieht? Ich muß reden und Zeugnis ablegen, nicht mit Rücksicht auf meine Person, sondern auf euer Heil. Wenn einer dagegen gleichgültig sein will, möge er selbst zusehen; wenn er sich nicht darum kümmert, wir unsererseits kümmern uns darum. "Ich habe gepflanzt", heißt es, "Apollo hat begossen, Gott aber gab das Gedeihen"2 . Wie vermögen wir den Spott der Heiden zu ertragen? Wenn sie schon wegen der Sekten uns Vorwürfe machen, was werden sie erst darüber sagen? Wenn die die nämlichen Glaubenslehren, die nämlichen Geheimnisse haben, warum drängt sich ein fremder Vorsteher in eine fremde Kirche ein? Seht ihr, sagen sie, daß bei den Christen alles voll Eitelkeit ist? Lediglich Herrschsucht findet man bei ihnen und bittere Unwahrheit. Nimm ihnen, heißt es, die urteilslose Menge, schneide das Krankhafte weg, [nämlich] die Verführung des blinden Haufens, so bleibt nichts mehr von ihnen übrig! - Soll ich euch sagen, wie sie sich über unsere Stadt äußern? Wie sie uns wegen unserer gedankenlosen Gutmütigkeit herabsetzen? - Jeder, wer nur will, sagen sie, kann da Anhänger finden, und es wird ihm nie daran fehlen. -

Welcher Hohn! Welche Schande! Doch noch neuer Hohn, neue Schande gesellt sich dazu. Wenn jemand bei uns der schändlichsten Vergehen überführt wird und dafür entsprechende Buße üben soll, so gibt sich allenthalben große Angst und Besorgnis kund, er möchte abfallen und zu den Gegnern übertreten. Mag doch ein solcher tausendmal abfallen und sich ihnen anschließen! Ja noch mehr: wäre es auch ohne Sünde -, wenn er austreten will, mag er austreten! Es tut mir leid, ich beklage es und beweine es, mein Herz erbebt, als würde mir ein Glied vom eigenen Leibe getrennt: gleichwohl wird kein Schmerz, und wäre er noch so groß, mich dazu bringen, daß ich aus Furcht davor etwas Pflichtwidriges tue. - Wir maßen uns keine Herrschaft über euren Glauben an, Geliebte, oder erteilen in dieser Hinsicht gebieterische Befehle. Das Lehramt ist es, wozu wir bestellt sind, nicht die Regierungsgewalt noch die selbständige Autorität. Wir bekleiden nur den Rang eines mahnenden Ratgebers. Der Ratgeber sagt seine Meinung, ohne auf den Zuhörer einen Zwang auszuüben; er stellt es diesem anheim, sich für oder gegen das Gesagte zu entscheiden. Nur dafür trägt er die Verantwortung, wenn er nicht nach bestem Wissen und Gewissen spricht. Wir betonen dies deshalb so nachdrücklich, damit ihr nicht an jenem Tage sagen könnt: Niemand hat uns etwas gesagt, niemand uns darüber aufgeklärt, wir wußten es nicht besser, wir hielten es für keine Sünde. Deshalb erkläre und bezeuge ich: Spaltungen in der Kirche hervorrufen ist keine geringere Sünde als in Häresie verfallen. -

Sage mir, wenn der Untertan eines Königs zwar nicht zu einem fremden König abfiele und sich ihm anschlösse, aber seinem eigenen König den Purpurmantel mit frechem Griffe von oben bis unten vollständig zerrisse und in tausend Stücke zerfetzte, verdiente er wohl weniger Strafe als die Überläufer? Und wenn er gar noch den König selbst bei der Kehle packte und mordete und seinen Leib Glied für Glied zerstückelte, welche Strafe wäre schwer genug, ein solches Verbrechen zu sühnen? Wenn aber jener, welcher seinem königlichen Mitknechte solches antun wollte, ein Verbrechen beging, das jedes Strafmaß übersteigt: welche Höllenpein wird nicht erst der verdienen, der Christus tötet und gliedweise zerstückelt? Etwa nur die, welche angedroht ist? Ich glaube nicht, sondern eine viel ärgere.

Sagt das nur, all ihr Frauen, die ihr hier anwesend seid - ist ja dieser Fehler zumeist den Frauen eigen -, erzählt dies Beilspiel nur euren abwesenden Freundinnen und schreckt sie damit ab! Wenn eine uns zu kränken und sich dadurch an uns zu rächen vermeint, so möge sie überzeugt sein, daß sie sich umsonst bemüht. Wenn du an uns Rache nehmen willst, so will ich dir zeigen, auf welche Art du es ohne Schaden für dich tun kannst; oder doch wenigstens mit geringerem Schaden, da man sich unmöglich ohne Schaden rächen kann: Ohrfeige uns auf offener Straße, bespucke uns, schlage uns!

1: vgl. Num 16
2: 1 Kor 3,6

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger