Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Siebente Homilie [Kap. III, Vers 8-21]

2.

Ganz dasselbe, um was er am Anfange betete, erfleht er auch jetzt. Was sagte er gleich im Eingange? "Daß der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch geben wolle den Geist der Weisheit und Offenbarung, um ihn zu erkennen, erleuchte die Augen eures Herzens, daß ihr einsehet, welches sei die Hoffnung seiner Berufung und welches der Reichtum der Herrlichkeit seiner Erbschaft in den Heiligen und welches die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben"1 . Dasselbe sagt er auch jetzt: "Daß ihr mit allen Heiligen zu ermessen vermöget, welches die Breite und die Länge, die Höhe und Tiefe sei"; d. h. daß ihr das Geheimnis, welches Gott zu unserem Heile veranstaltete, vollkommen verstehet. Denn das nennt er die Länge und die Breite, die Höhe und Tiefe, nämlich zu erkennen, wie groß, wie allumfassend die Liebe Gottes ist. Er beschreibt sie als Mensch in körperlicher Weise, betrachtet sie von oben, von unten und von der Seite. Ich habe wohl, sag er, davon gesprochen; aber es verständlich zu machen, das vermögen meine Worte nicht, sondern nur der Heilige Geist. - "Mit dessen Kraft gestärkt zu werden", sagt er, gegen die Versuchungen, damit ihr nicht wanket. Wir können also nicht anders gestärkt werden als durch den Geist, in Hinblick auf die Versuchungen und die Entschlüsse. -

Wie aber Christus in den Herzen wohnt, darüber höre das Wort Christi selbst: "Ich und der Vater werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen"2 . Er wohnt aber nicht unterschiedslos in jedem Herzen, sondern nur in den gläubigen, den in seiner Liebe festgewurzelten, den nicht wankenden. - "Damit ihr vermöget", sagt er. Es bedarf also großer Kraft. Wozu wir sie benötigen, erklärt er durch den Zusatz: "zu ermessen mit allen Heiligen, welches die Tiefe und Höhe sei, um zu erkennen die alle Erkenntnis übersteigende Liebe Christi, damit wir erfüllt werden mit der ganzen Fülle Gottes." Er will sagen: Wenn auch die Liebe Christi alle menschliche Erkenntnis überragt, so werdet ihr sie dennoch erkennen, wenn ihr Christus in euch wohnen habt. Aber nicht bloß diese eine Erkenntnis werdet ihr durch ihn erlangen, nein, ihr werdet erfüllt werden3 für die ganze Fülle Gottes. Unter "Fülle Gottes" versteht er entweder das Erkennen, wie Gott im Vater und Sohne und Heiligen Geiste anzubeten sei, oder er fordert uns auf, so zu streben, daß wir mit jeglicher Tugend erfüllt werden, deren die Gottheit voll ist.

V.20: "Dem aber, der überschwenglich mehr tun kann, als wir erbitten oder ersinnen können nach der in uns wirksamen Kraft ...."

Treffend sagt er: "nach der Kraft"; denn Kraft braucht es, das aufzunehmen, was wir nie auch nur hoffen konnten. Daß aber Gott mehr getan hat, als wir bitten oder verstehen, erhellt aus des Apostels eigenen Worten. Ich bete zwar, sagt er, er aber wird auch ohne mein Gebet Größeres wirken, als ich erbitte, und nicht einfachhin Größeres oder mehr, sondern "überschwenglich mehr". Damit deutet er die Größe des Geschenkes an. Und woraus erhellt dies ganz klar? Aus der "in ins wirksamen Kraft", sagt er. Denn nie hätten wir um dieses gebeten, nie es auch nur erwartet.

V.21: "Ihm sei Ehre", fährt er fort, "in der Kirche in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Treffend läßt er seine Darlegung in Gebet und Lobpreisung ausklingen; denn Lob und Preis gebührt dem. der uns so Großes bewährt. Daher ist auch dies ein Teil Bewunderung, wenn wir Gott lobpreisen wegen der uns erwiesenen Gnaden durch Jesus Christus. - Treffend sagt er: "Ihm sei Ehre in der Kirche"; denn diese allein dauert, er weiß es, für immer. Und weil sie immerfort besteht, will er, daß Gott auch bis zum Ende der Zeiten von uns gepriesen werde. Das zeigt er an durch die Worte: "durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit".

Über die Bedeutung des Wortes "Vaterschaften"4 muß ich noch sprechen. Hienieden sind Vaterschaften die gezeugten Geschlechter5 . Wie aber steht es im Himmel, dort, wo niemand zeugt und niemand gezeugt wird6 ? Entweder er versteht dort unter Vaterschaften die Ordnungen der seligen Geister wie sich das Wort auch in der Schrift gebraucht findet: "Es fiel7 auf die Vaterschaft Metri"89 ; oder er gebraucht den Ausdruck, weil die Väter nach Gott benannt sind. Der Apostel erfleht aber nicht alles von Gott allein, sondern verlangt auch von den Gläubigen den Glauben und die Liebe; und zwar nicht die Liebe schlechthin, sondern eine tiefwurzelnde und festgegründete Liebe, die sich durch keinen Sturm erschüttern, überhaupt durch nichts beugen läßt. - Die Drangsale, sagt er, gereichen zur Ehre; gilt das schon von den meinigen, so noch weit mehr von den eurigen.

1: Eph 1,17-19
2: Joh 14,23
3: mit Erkenntnis
4: αἱ πατιαί
5: τὰ γένη
6: οὐδεὶς ἐξ οὐδενὸς γέγονεν
7: das Los
8: ἀμματαρεί
9: Das Zitat stammt aus 1 Sam 10,21, wo die LXX πατριὰ Αμματαρι lesen

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. Erste Homilie [Kap. ...
. Zweite Homilie [Kap. ...
. Dritte Homilie [Kap. ...
. Vierte Homilie [Kap. ...
. Fünfte Homilie [Kap. ...
. Sechste Homilie [Kap. ...
. Siebente Homilie [Kap. ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. Achte Homilie [Kap. ...
. Neunte Homilie [Kap. ...
. Zehnte Homilie [Kap. ...
. Elfte Homilie [Kap. ...
. Zwölfte Homilie [Kap. ...
. Dreizehnte Homilie ...
. Vierzehnte Homilie ...
. Fünfzehnte Homilie ...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger