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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )

Sechste Homilie [Kap. II, Vers 17-III, Vers 7]

1.

Vers 17: "Und er kam und verkündete Friede euch, den Fernen und den Nahen. V.18: Durch ihn haben wir die Hinzuführung beide in einem Geiste zu dem Vater. V.19: Darum seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, V.20: aufgebaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten, während Christus selbst der Eckstein ist, V.21: in welchem der ganze Bau zusammengefügt ist und heranwächst zu einem Tempel, heilig dem Herrn, V.22: auf welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohlstätte Gottes im Geiste."

Nicht durch eine Mittelsperson, sagt der Apostel, hat er dies gesandt, nicht durch einen anderen es uns kundgetan, sondern er selbst in eigener Person. Nicht einen Engel, nicht einen Erzengel hat er geschickt; denn diese gewaltigen Schäden zu heilen, das, was geschehen war, zu verkünden, lag in keines anderen Macht, sondern erheischte seine eigene Ankunft. Der Herr nahm die Stellung eines Untergebenen, fast möchte ich sagen, eines Dieners auf sich und kam und "verkündete Frieden euch, den Fernen und den Nahen". - Unter den Nahen, nämlich im Vergleich mit uns, versteht er die Juden; [unter den Fernen aber meint er die aus dem Heidentume, weil sie dem Bunde fremd waren.] - "Denn durch ihn haben wir die Hinzuführung beide in einem Geiste zu dem Vater." Er spricht von dem Frieden mit Gott; denn mit ihm hat uns Christus versöhnt. Sagt er ja selbst: "Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch"1 ; und wiederum: "Seid getrost, ich habe die Welt überwunden"2 ; und "Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, werdet ihr erhalten"3 ; und abermals: "Denn der Vater liebt euch"4 . Das sind Beweise des Friedens so für jene, so für diese. Inwiefern? "Weil wir durch ihn beide in einem Geiste die Hinzuführung erlangt haben"; nicht ihr weniger, jene mehr, sondern beide durch die gleiche Gnade. Denn er hat den göttlichen Zorn durch seinen Tod aufgehoben, uns aber liebenswert gemacht dem Vater durch den Geist. - Beachte wiederum "in" in der Bedeutung von "durch"!

Durch sich selbst und den Geist hat er uns zu ihm hingeführt. - "Darum seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern Mitbürger der Heiligen." Siehst du, daß wir nicht in die Bürgerschaft der Juden schlechthin, sondern in die jener heiligen und großen Männer, eines Abraham, Moses, Elias aufgenommen worden sind, als zu ihr gehörig erscheinen? Denn wer solches behauptet, sagt der Apostel, bekundet klar, daß er das Vaterland sucht. - "Nicht mehr Fremdlinge und Beisassen." Diejenigen nämlich, welche des Himmels nicht teilhaftig werden, sind Beisassen; denn "der Sohn", heißt es, "bleibt in Ewigkeit"5 . - "Und Hausgenossen Gottes", fügt er bei. Was jene vom Anfang an durch so große Anstrengungen erhielten, das ist euch durch Gottes Gnade geworden. - "Aufgebaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten". Sieh da die Hoffnung der Berufung! Beachte, wie er alles durcheinandermengt, die Heiden, die Juden, die Apostel, die Propheten, Christus! Die Art der Vereinigung veranschaulicht er das eine Mal unter dem Bilde eines Körpers, jetzt aber unter dem eines Baues. "Aufgebaut", sagt er, "auf dem Grunde der Apostel und Propheten"; d. h. die Apostel und die Propheten bilden das Fundament des Baues. An erster Stelle setzt er die Apostel, obschon sie der Zeit nach die letzten sind; er will damit offenbar dieses anzeigen, nämlich: [auch] jene sind Fundament, ein Bau das Ganze und eine Wurzel. Beachte, daß die Heiden zur Grundlage die Patriarchen haben! Hier drückt er den Gedanken mehr kräftiger aus, als wenn er von Einpfropfung6 spricht; dort mehr faßlicher. - Sodann fügt er hinzu: <"während Jesus Christus der Eckstein ist", um anzuzeigen>, daß Christus es ist, der das Ganze zusammenhält. Denn der Eckstein hält Mauern und Fundament zusammen. -

"In welchem der ganze Bau." Beachte, wie Christus die Verbindung bewerkstelligte! Bald bezeichnet er ihn als den, der von oben her den ganzen Körper inne hat und zusammenhält, bald als den, der von unten her den Bau trägt und dessen Ursprung ist. Mit den Worten aber: "Er erschuf sie in sich zu einem neuen Menschen"7 , gab er zu verstehen, daß Christus durch sich selbst die beiden Wände vereinigte, und dann, daß in ihm die Neuschaffung erfolgte. Paulus nennt ihn auch "den Erstgeborenen der ganzen Schöpfung"8 , d. h. er trägt alles. - "In welchem der ganze Bau zusammengefügt [ist]. Ob du an das Dach denkst oder an die Wände oder an etwas anderes: das Ganze trägt er, Anderswo nennt ihn der Apostel den Grund. Er sagt: "Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, welchem der ganze Bau zusammengefügt" ist, sagt er. Hier macht er auf die Genauigkeit des Baues9 aufmerksam und zeigt, daß man auf keine andere Weise darin Platz finden kann als durch ein sorgfältig geregeltes Leben. - "...[und] heranwächst". fährt er fort, "zu einem Tempel, heilig dem Herrn, auf welchem", sagt er, "auch ihr miterbaut werdet [zu einer Wohnung Gottes im Geiste]." Er gebraucht die Ausdrücke "zu einem heiligen Tempel", "zu einer Wohnung Gottes im Geiste" des öfteren. Welches ist also der Zweck dieses Baues? Daß Gott in demselben wohne. Denn jeder von euch bildet [für sich] einen Tempel und alle zusammengenommen, und er wohnt darin wie im Leibe Christi und wie in einem geistigen Tempel. Deshalb sagt er nicht "Zutritt"10 , sondern "Hinzuführung"11 ; denn wir sind nicht aus eigenem Antriebe hinzugetreten, sondern von Christus hingeführt worden. Sagt er ja selbst: "Niemand kommt zum Vater außer durch mich"; und wiederum: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"12 . - ["Uhr werdet miterbaut werden zu einem heiligen Tempel."]

1: Joh 14,27
2: ebd 16,33
3: ebd 16,23 f.
4: ebd 16,27
5: Joh 8,35
6: vgl. Röm 11,17 ff
7: Eph 2,15
8: Kol 1,15
9: τὸ ἀκριβές
10: πρόσοδος
11: προσαγωγή
12: Joh 14,6

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger