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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Sechste Homilie [Kap. II, Vers 17-III, Vers 7]

4.

Höre nur, was er zu den Philippern sagt: "Denn euch ist die Gnade verliehen, nicht nur an Christus zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden"Phil 1,29 . Ferner zu den Thessalonikern: "Denn ihr seid Nachahmer der Gemeinden Gottes geworden, die in Judäa sind"1 Thess 2,14 . Im Brief an die Hebräer schreibt er: "Und den Raub eurer Güter habt ihr mit Freuden ertragen"Hebr 10.34 . Und den Kolossern gibt er das Zeugnis: "Ihr seid ja gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott"Kol 3,3 . Ebendenselben bezeugt er, daß sie viele Gefahren bestanden hätten. Im Briefe an die Galater aber sagt er: "So vieles habt ihr umsonst erduldet; wenn jedoch umsonst"Gal 3,4 . Du siehst, wie alle sich bemühten, gute Werke zu vollbringen. Deshalb war auch die Gnade damals wirksam, deshalb lebten sie auch in Tugendwerken. Höre auch, was er den Korinthern schreibt, denen er so vieles vorzuwerfen hat! Bezeugt er nicht auch ihnen: "sondern euren Eifer, sondern [eure] Sehnsucht?"2 Kor 7,11 . Und wie viel weiß er ferner davon zu erzählen, was sie dem Titus taten? Das kann man heutzutage nicht einmal mehr an den Lehrern finden; daher jetzt der allgemeine Verfall. Schuld daran trägt die Erkaltung der Liebe, die Straflosigkeit der Fehlenden - höre nämlich, was er im Briefe an Timotheus sagt: "Die Fehlenden weise in Gegenwart aller zurecht!"1 Tim 5,20 . -, das Kranksein der Vorsteher; denn ist das Haupt nicht gesund, wie soll dann der übrige Körper kräftig bleiben? -

Sieh nur, welche Verkehrtheit heutzutage! Jene Leute, welche einen tugendhaften Lebenswandel führen und so freimütig wie möglich reden dürften, haben die Höhen der Berge in Besitz genommen und sich in die Einsamkeit begeben, von ihrer Umgebung wie von etwas Feindlichem und Fremdartigem, nicht wie von dem eigenen Körper sich losreißend [die Anachoreten und Mönche!] Dagegen sind grundverdorbene, von zahllosen Lastern strotzende Menschen in die kirchlichen Gemeinden eingedrungen; die Ämter sind käuflich geworden. Daraus entstehen ungezählte Mißstände; und niemand ist da, der zurechtwiese, niemand, der rügte; vielmehr hat die Unordnung sozusagen Methode und System angenommen. Es hat einer gefehlt und ist angeklagt worden. Er bemüht sich nicht, eine Unschuld darzutun, sondern gleichschuldige Genossen aufzufinden. Was soll ich anfangen, da uns doch mit der Hölle gedroht ist? Ja, glaubet mir, hätte Gott nicht im Jenseits für uns die Züchtigung aufbewahrt, ihr würdet tagtäglich schrecklichere Ereignisse sehen, als sie einst über das jüdische Volk hereingebrochen sind. - Wieso? - Möge mir niemand zürnen; ich werde keine Namen nennen. -

Wenn jemand in die Kirche käme und euch, die ihr jetzt hier anwesend seid und zu unserer Gemeinde gehört, vortreten ließe und eine [strenge] Musterung anstellte; oder vielmehr nicht jetzt, sondern wenn einer am Osterfeste alle, die nach genommenem Bade hinzutreten zu den heiligen Geheimnissen, nachdem dies geschehen ist, einer genauen Prüfung unterzöge, ausgerüstet mit der Geistesgabe, alles genau zu wissen, was sie getan: es würden sich viele Sünden finden, schwerer als die der Juden. Er fände Leute, die aus dem Fluge der Vögel weissagen, sich mit Zaubermitteln Vorzeichen und Beschwörungen befassen, Unzucht und Ehebruch treiben, Trunkenbolde und Lästermäuler. Von Habsüchtigen will ich gar nicht reden, ich könnte sonst einige der hier Anwesenden damit treffen, - Wie aber erst, wenn einer alle Kirchengänger auf der ganzen Welt erforschen würde, fände er da nicht Versündigungen jeglicher Art? Und wie stünde es mit den Vorgesetzten? Fände er nicht solche, die nur nach Geld trachten, Vorgesetzte, die Ämter kaufen, die neidisch, verleumderisch, ehrgeizig, Schlemmer und Sklaven des Reichtums sind? Da nun die Gottlosigkeit so groß ist, muß man sich da nicht auf die ärgste Strafe gefaßt machen? Und damit ihr erkennet, welches Maß von Strafe jene verdienen, welche sich dieser Sünden schuldig machen, denket an das, was im Alten Bunde geschah! Ein einziger Krieger stahl gebanntes Gut, und alle kamen um. Ihr kennt doch die Geschichte? Ich meine den [Sohn des] Charmi, Achan; vgl. Jos 7 der von dem Gebannten stahl. Damals sagte der Prophet: "Ihr Land ist voll von Zeichendeuterei wie das der Philister"vgl. Is 2,6 . Jetzt aber sind allerorten zahllose Sünden im Schwange, und niemand fürchtet sich.

So wollen wir uns wenigstens hinfort fürchten! Gott weiß auch die Gerechten mit den Gottlosen zu strafen, wie es dem Daniel und den drei Jünglingen, wie es Tausenden anderer ergangen ist, wie es noch jetzt in Kriegszeiten geschieht. Die Gerechten werden nämlich dadurch von allen Sünden, die etwa noch auf ihnen lasten, befreit, die Gottlosen aber nicht. Aus all diesen Gründen laßt uns achthaben auf uns selbst! Seht ihr nicht die Kriege? Hört ihr nicht von Unglücksfällen? Wollt ihr euch dadurch nicht bessern lassen? Ganze Völker und Staaten sind versunken und untergegangen; so viele Tausende dienen den Barbaren als Sklaven. Wenn wir nicht durch die Hölle zur Besinnung kommen, so wenigstens dadurch. Oder sind das nur leere Drohungen und nicht feststehende Tatsachen? Schwer sind jene bestraft worden; aber noch schwerer werden wir bestraft werden, wenn wir durch das traurige Schicksal jener nicht zur Besinnung kommen. Diese Sprache ist unangenehm, das weiß ich selbst, aber heilsam, wenn wir sie beachten. Sie enthält nichts Schmeichelhaftes, soll es auch nie und nimmer, dafür aber das, was die Seele dauernd zu demütigen und besonnen zu machen vermag. Denn das ist die Quelle der zukünftigen Güter, deren wir alle teilhaftig werden mögen durch die Gnade und Mensachenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, mit welchem dem Vater sowie dem Hl. Geiste Herrlichkeit, Macht und Ehre sei, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit! Amen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger