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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Sechste Homilie [Kap. II, Vers 17-III, Vers 7]

3.

Was ist das: "Miterben und Mitteilnehmer der Verheißung und Miteinverleibte?" Das ist das Große, das "ein Leib sein", die innige Verbindung. Denn daß sie berufen werden sollten, wußten die Heiden, daß sie aber dazu berufen werden sollten, nimmermehr. Dies also nennt der Apostel das Geheimnis der Verheißung. Die Israeliten waren der göttlichen Verheißung teilhaftig, mitteilhaftig aber waren auch die Heiden "in Christus Jesus durch das Evangelium", d. h. dadurch, daß die Sendung auch an sie erging und sie den Glauben annahmen; nicht schon an und für sich, sondern "durch das Evangelium". Doch dies ist [verhältnismäßig] nichts Großes, ja eigentlich etwas Unbedeutendes. Ein Anderes, Größeres enthüllt er uns, daß nämlich nicht nur kein Mensch, nein, auch kein Engel, kein Erzengel, keine sonstige geschöpfliche Kraft darum wußte; denn es war ein Geheimnis und wurde niemandem geoffenbart. - "Woraus ihr meine Einsicht erkennen könnt. "Mit diesen Worten spielt er vielleicht auf das an, was er in der Apostelgeschichte zu ihnen gesprochen1 , nämlich auf seine Einsicht, daß auch die Heiden berufen seien. Er bezeichnet als seine Einsicht in das Geheimnis das, was er früher ausgesprochen hat, daß Christus sie in sich erschaffen werde zu einem neuen Menschen. Durch Offenbarung nämlich hatte er, wie auch Petrus. gelernt, daß man die Heiden nicht verabscheuen dürfe. Und dieses sagt er zu seiner Verteidigung.

V.7: "Dessen Diener ich geworden bin gemäß der Gnadengabe Gottes, die mir gegeben ist durch die Wirkung seiner Kraft."

Vorhin sagte er: Ich bin ein Gefesselter; aber wiederum schreibt er alles dem Herrn zu mit den Worten: "gemäß der Gabe seiner Gnade." Kraft eines Geschenkes ist ihm der Vorzug dieser Ehre geworden. Aber das Geschenk würde nicht hingereicht haben, wenn Gott nicht auch [wirksame] Kraft hineingelegt hätte. - Es gehört in der Tat große Kraft dazu, und menschlicher Eifer [allein] reichte nicht hin. Drei Dinge nämlich brachte Paulus zu seinem Predigeramte mit: glühenden und unerschrockenen Mut, eine Seele, bereit, alles zu ertragen, unantastbaren Lebenswandel und Einsicht mit Weisheit. Denn wenn er nicht die Kraft des Geistes empfangen hätte, so hätten Wagemut und unantastbarer Lebenswandel nicht hingereicht. Betrachte zuerst diesen, vielmehr höre, was er [darüber] schreibt: "Damit unser Amt nicht getadelt werde"2 ; und wiederum: "Denn unsere Ermahnung kommt nicht aus Irrtum, noch aus Unlauterkeit, noch mit Schmeichelworten, noch mit gewinnsüchtigem Vorwand"3 . Siehst du die Untadeligkeit? Und wiederum: "Seid auf das Gute bedacht nicht nur vor Gott, sondern auch vor den Menschen!"4 . - Sodann seinen Wagemut: Täglich sterbe ich, [ich beteure es] bei eurem Ruhme, den ich habe in Christus Jesus"5 ; und wiederum: "Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Drangsal? Oder Angst? Oder Verfolgung?"6 . Weiters: "In großer Geduld, in Drangsalen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen"7 . - Sodann seine Amts[ver]waltung: "Für die Juden bin ich gleichsam Jude geworden; für die, welche ohne Gesetz sind, als wäre ich ohne Gesetz; für die, welche unter dem Gesetze sind, als wäre ich unter dem Gesetze"8 . Er läßt sich scheren und tut tausend [andere] Dinge. -

Was aber die Hauptsache von allem ist: in der Kraft des Heiligen Geistes. "Denn ich werde mich nicht erkühnen", spricht er, "etwas von dem zu sagen, was nicht Christus gewirkt hat durch mich"9 ; und wiederum: "Denn was ist es, worin ihr verkürzt worden wäret gegen die übrigen Gemeinden?"10 . Und abermals: "Denn in nichts stand ich den ausgezeichnetsten Aposteln nach, obgleich ich ein Nichts bin"11 . - Ohne diese Eigenschaften wäre es unmöglich gewesen. ...Also nicht durch seine Wunder wurden die Leute gläubig; denn nicht die Wunder brachten das zustande, und nicht auf sie glaubte er, stolz sein zu dürfen, sondern auf seine anderen Vorzüge. Es brauchte auch der Untadeligkeit, der [geschickten] Amtsverwaltung, des Wagemutes, der Lehrtüchtigkeit. Durch diese Eigenschaften richtete er das meiste aus. Waren diese vorhanden, so bedurfte es keiner Wunder. Wir sehen wenigstens, daß er schon vor den Wundern unendlich vieles in dieser Beziehung gewirkt hat.

Nun aber möchten wir, obschon wir keine dieser Eigenschaften besitzen, über alles Gewalt haben. Und doch wird, sobald man die eine von der anderen trennt, das übrige unnütz. Denn was nützt der Wagemut, wenn das Leben tadelswert ist? "Wenn das Licht, das in dir ist, Finsternis ist", heißt es, "wie groß wird dann die Finsternis sein?"12 . Oder was nützt ein untadeliges Leben, wenn man träge und schläfrig ist? Denn "wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt", sagt der Herr, "und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert"13 ; und: "Wer sein Leben nicht gibt für die Schafe"14 . Oder was nützt es, beide Eigenschaften zu besitzen, wenn man nicht geschickt ist in der Amtsverwaltung, um einen jeden Rede und Antwort stehen zu können?15 . Wenn es auch nicht in unserer Macht steht, Wunder zu wirken, diese beiden Eigenschaften können wir erwerben. - Aber obgleich Paulus so vieles von seinem Eigenen beitrug, schrieb er doch das Ganze der Gnade Gottes zu. Darin zeigt er sich als dankbaren Diener. Ja, wir hätten von seinen Leistungen überhaupt nie erfahren, wenn er nicht durch die Umstände in die Notwendigkeit versetzt worden wäre, davon zu sprechen. -

Sind wir auch nur wert, an Paulus zu denken? Obgleich er den Beistand der Gnade hatte, ließ er es nicht dabei bewenden, sondern unterzog sich zahllosen Gefahren. Wir dagegen, die wir jener Zuversicht entbehren, - sage mir, woher können wir erwarten, die uns Anvertrauten zu bewahren oder die noch nicht Übergetretenen zu gewinnen, wir, die nur auf Üppigkeit bedacht sind und stets nur Bequemlichkeit suchen, die eine Gefahr auch nicht im Traume bestehen können oder, besser gesagt, nicht bestehen wollen, die von der Weisheit eines Paulus himmelweit entfernt sind? Deshalb auch der große Abstand zwischen den unserer Obhut anvertrauten Gläubigen und den damaligen; denn damals waren die Schüler besser als jetzt die Lehrer, da sie, mitten unter Völkern und Herrschern zerstreut, alle Welt und alle Menschen zu Feinden, sich nicht im mindesten verführen und abbringen ließen.

1: ? Apg 2,39
2: 2 Kor 6,3
3: 1 Thess 2,3.5
4: Röm 12,17
5: 1 Kor 15,31
6: Röm 8,35
7: 2 Kor 6,4 f.
8: vgl.1 Kor 9,20f.
9: Röm 15,18
10: 2 Kor 12,13
11: ebd 12,11
12: Mt 6,23
13: Mt 10,38
14: vgl. Joh 10,11 ff.
15: vgl. Kol 4,6

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger