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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Fünfte Homilie [Kap. II, Vers 11-16]

3.

"Sage nicht: Wer wird hinaufsteigen zum Himmel, oder wer wird hinabsteigen in den Abgrund, oder wer hat Christus heraufgeholt von den Toten?"1 . Als Preis des Lebens brachte er den Glauben. Um sie nämlich nicht umsonst zu retten, litt er selbst die Strafe und forderte er von ihnen den Glauben durch Satzungen. - "Damit er die zwei in sich zu einem neuen Menschen erschaffe". Siehst du, daß nicht der Heide zum Juden geworden, sondern daß sie beide in einen anderen Zustand gekommen sind? Nicht um diesen in den anderen umzuschaffen, hat er das Gesetz abgeschafft, sondern um beide zu erschaffen. Durchaus zutreffend gebraucht der Apostel den Ausdruck "erschaffen"2 .Er sagt nicht, "verwandeln", um die Wirkung des Vorganges anzuzeigen und3 , daß diese Schöpfung, wenn auch unsichtbar4 , doch der sichtbaren Schöpfung in nichts nachstehe und daß wir daraus ebensowenig scheiden dürfen wie aus der dinglichen Welt. "Damit er die zwei", sagt der Apostel, "erschaffe in sich", d. h. durch sich.

Nicht einem andern hat er dies aufgetragen, sondern allein und durch sich selbst hat er beide umgegossen, und ein wundervolles Gebilde hervorgebracht, nachdem er selbst das Urbild dieser Schöpfung geworden war, welche an Großartigkeit die erste weit überragt. Denn das ist der Sinn des Ausdruckes "in sich": Er selbst hat sich als Urbild und Muster aufgestellt, indem er nämlich auf der einen Seite den Juden, auf der anderen Seite den Heiden hielt und, selbst in der Mitte stehend, beide miteinander vereinigte und alles Fremdartige an ihnen wegtilgte, hat er sie zu etwas Höherem umgebildet durch Feuer und Wasser. Nicht mehr durch Wasser und Erde, sondern durch Wasser und Feuer. So ward der beschnittene, mit dem Fluche belastete Jude, so ward der außerhalb des Gesetzes stehende Heide über Juden und Heiden erhoben. "Zu einem neuen Menschen" sagt der Apostel, "Frieden ihnen bringend": Frieden mit Gott oder Frieden untereinander.

Denn wenn sie Juden und Heiden blieben, wäre keine Versöhnung erfolgt; wenn sie nicht ein jeder aus seinem ursprünglichen Zustande befreit wurden, wie hätten sie zu einem höheren gelangen können? Denn der Jude wird dann mit dem Heiden verbunden, wenn er gläubig wird. Gleichwie die Insassen zweier unten gelegener Wohnungen, über denen sich eine dritte befindet, wundervoll und geräumig, einander nicht sehen können, bis daß sie hinausgestiegen sind. - "Frieden bringend"; besonders mit Gott. Das zeigen die folgenden Worte. Denn wie fährt er fort?

V.16: "und damit er die beiden wieder versöhne in einem Leibe mit Gott durch das Kreuz."

Er sagt nicht "versöhne", sondern "wiederversöhne", um anzuzeigen, daß vordem die menschliche Natur leicht zu versöhnen war, wie z. B. bei den Heiligen und vor dem Gesetze. - "In einem Leibe", sagt er nämlich, in seinem [Leibe] "mit Gott". Wie geschieht dies? Dadurch, erklärt der Apostel, daß er sich selbst der verdienten Strafe unterzog "durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete in seiner Person". Nichts ist treffender, nichts bezeichnender als diese Worte. Sein Tod, sagt der Apostel, hat die Feindschaft getötet, durchbohrt, vernichtet; nicht einen anderen hat er damit beauftragt; und nicht bloß gearbeitet hat er, sondern auch gelitten. Paulus sagt nicht "er hob auf"5 , er sagt nicht "er nahm hinweg"6 , sondern, indem er sich so kräftig als möglich ausdrückt, "er tötete"7 , auf daß sie sich nimmermehr erhebe. Wie also erhebt sie sich wieder? Durch unsere große Bosheit. Denn solange wir am Leibe Christi bleiben, solange wir mit ihm vereinigt sind, steht sie nicht auf, sondern liegt tot; besser gesagt, sie steht niemals auf. Wenn wir also eine neue Feindschaft entstehen lassen, so rührt sie nicht von ihm her, welcher die alte hinweggenommen und vernichtet hat, sondern du bist es, der die neue erzeugt. "Das Sinnen des Fleisches" sagt der Apostel, "ist Feindschaft gegen Gott"8 . Wenn wir nicht fleischlich gesinnt sind, wird keine neue Feindschaft entstehen, sondern jener Friede fortdauern.

1: Röm 10,6 f.
2: κτίσῃ
3: darzutun
4: statt ὁρατὸν fordert der Kontext ἀόρατον
5: λύσας
6: ἀνελών
7: ἀποκτείνας
8: Röm 8,7

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger