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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Vierte Homilie [Kap. II, Vers 1-10]

2.

Siehst du, daß alles Gesagte sich auf die menschliche Natur Christi bezieht? Siehst du "die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben"? Uns, die Toten, die Söhne des Zornes, uns hat er belebt. Hast du gesehen "die Hoffnung der Berufung"?

V.6: "Er hat uns mitauferweckt und mitversetzt in den Himmel."

Siehst du "die Herrlichkeit seiner Erbschaft"? - Ja, sagt ihr, daß er uns mitauferweckt hat, ist klar, daß er uns aber in Christus Jesus in den Himmel mitversetzt hat, steht das ebenso fest? Geradeso wie das "mitauferweckt". Denn noch ist ja keiner auferweckt worden; sondern indem das Haupt auferstanden, sind auch wir auferweckt worden, gleichwie dort, als Jakob sich vor Joseph verneigte, auch sein Weib dasselbe tat. So nun hat uns Gott auch mitversetzt, denn wo das Haupt sitzt, dort sitzt zugleich auch der Leib. Darum, fügt er bei: "in Christus Jesus". Oder, wenn man die Stelle nicht so auffaßt, sondern: er hat uns mitauferweckt durch die Taufe, wie hat er uns dann mitversetzt? "Wenn wir mitdulden", sagt der Apostel, "werden wir auch mitherrschen; wenn wir mitgestorben sind, werden wir auch mitleben"1 . Es bedarf wirklich des Geistes und der Offenbarung, um die Tiefe dieser Geheimnisse zu verstehen. - Beachte sodann, wie er, um deinem Unglauben zu begegnen, fortfährt!

V.7: "damit er zeige in den kommenden Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch die uns in Christus Jesus erwiesene Güte."

Weil nämlich das von Christus Gesagte uns scheinbar nichts angeht - denn was, sagst du, geht das uns an, wenn er auferstanden ist -, so zeigt er, daß dies gar wohl auch uns angehe, da ja Christus mit uns vereinigt ist. Doch spricht er das, was uns angeht, auch eigens aus: "Uns, die wir tot waren durch unsere Übertretungen, hat er mitauferweckt und in den Himmel mitversetzt." Daher, wie gesagt, verweigere den Glauben nicht, gestützt auf das früher Geschehene, auf das Haupt, auf den Umstand, daß er seine Güte zeigen will. Denn wie kann er sie zeigen, wenn das nicht wirklich geschieht? Und zwar wird er es zeigen "in den kommenden Zeiten". Was? Daß die verheißenen Güter groß und über alles zuverlässig waren. Jetzt nämlich erscheint das, was darüber gesagt wird, den Ungläubigen als leeres Gerede; dann aber werden alle sich davon überzeugen. Willst du auch wissen, wie er uns in den Himmel mitversetzt hat? Höre, was Christus selbst zu seinen Jüngern spricht: "Ihr werdet auf zwölf Thronen sitzen und richten die zwölf Stämme Israels"2 . Und wiederum: "Das Sitzen zu meiner Rechten und Linken steht nicht bei mir zu geben, sondern denen es bereitet ist vom Vater"3 . Es ist also bereitet. - Mit Recht sagt der Apostel; "Durch die uns on Christus Jesus erwiesene Güte".

Denn das Sitzen zur Rechten ist eine Ehre, die jegliche Ehre übertrifft und der keine andere gleichkommt. Paulus sagt also dieses aus, daß auch wir dort sitzen werden. Wahrlich ein "überschwenglicher Reichtum", wahrlich eine "überschwengliche Größe seiner Kraft", neben Christus zu sitzen! Selbst wenn du tausend Leben hättest, würdest du sie nicht gerne verlieren um dieses Glückes willen? Wenn man sich auch ins Feuer stürzen müßte, würde man es nicht bereitwillig ertragen? Und wiederum spricht er selbst: "Ich will, daß, wo ich bin, auch meine Diener seien"4 . Wenn man sich auch täglich in Stücke hauen lassen müßte, sollte man es um welchen Preis nicht freudig auf sich nehmen? Bedenke, wo Christus sitzt! Über jeder Fürstenwürde und Gewalt. Und mit wem sitzest du? Mit ihm. Und wer bist du? Ein Toter, von Natur ein Kind des Zornes. Und welches Verdienst hast du aufzuweisen? Gar keines. Es ist daher wirklich am Platze, jetzt auszurufen: " O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!5 .

V.8: "Ja durch die Gnade seid ihr errettet worden", fährt der Apostel fort. Damit nämlich die Größe der Wohltaten dich nicht überhebe, so beachte, wie er dich in Demut erhält. "Durch die Gnade seid ihr errettet worden", sagt er; "vermittelst des Glaubens." Er bezeichnet also, um die freie Selbstbestimmung nicht zu zerstören, auch unseren Anteil; aber gleich wieder hebt er sie auf und spricht: "nicht aus unseren Verdiensten". Nicht einmal der Glaube, will er sagen, ist unser Verdienst. Denn wäre Christus nicht gekommen, hätte er uns nicht gerufen, wie konnten wir dann glauben? "Wie können sie glauben, ohne gehört zu haben?"6 . Also nicht einmal der Glaube ist unser Werk. "Gottes Geschenk ist es", sagt der Apostel,

V.9: "nicht aus Werken [erflossen]."

Der Glaube, so meint er, hätte zur Seligkeit nicht hingereicht; allein Gott verlangte ihn von uns, um uns nicht ohne jegliches Zutun von unserer Seite selig zu machen. Die Stelle besagt also: Der Glaube macht selig, [aber durch Gott]. Weil Gott es wollte, machte der Glaube selig. Denn wie, sage mir doch, könnte sonst der Glaube ohne die Werke selig machen? Das ist eben Gottes Geschenk, "damit niemand sich rühme", damit er uns für die Gnade erkenntlich mache. Was? höre ich fragen, er selbst hat also von der Rechtfertigung durch Werke abgehalten? Keineswegs. Der Apostel will nur sagen: Niemand ist durch Werke gerechtfertigt worden, damit die Gnade und Menschenfreundlichkeit Gottes offenbar werde. Gott hat nicht diejenigen, welche Werke aufzuweisen hatten, verworfen, sondern die infolge ihrer Werke Verlorenen aus Gnade errettet, so daß niemand fürder sich rühmen kann.

1: 2 Tim 2,11.12
2: Mt 19,28
3: Mt 20,23
4: Joh 12,26
5: Röm 11,33
6: Röm 10,14

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger