Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )

Dritte Homilie [Kap. I,Vers 15-23]

1.

Vers 15: "Darum auch, seitdem ich von eurem Glauben in Christus Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört habe, V.16: höre ich nicht auf, für euch zu danken und eurer in meinen Gebeten zu gedenken, V.17: auf daß der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in seiner Erkenntnis, V.18: er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr einsehet, welches die Hoffnung seiner Berufung ist, und welches der Reichtum der Herrlichkeit seiner Erbschaft in den Heiligen, V.19: und welches die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben,[gemäß der Wirkung der Macht seiner Stärke, V.20: die er an Christus gewirkt, da er ihn von den Toten auferweckt hat]."

Nichts läßt sich dem apostolischen Herzen, nichts dem Mitgefühl und der Zärtlichkeit des hl. Paulus vergleichen, der alle seine Gebete für ganze Städte und Völker verrichtet und der an alle die Worte schreibt:"Ich danke Gott für euch und gedenke eurer in meinen Gebeten." Erwägt, wie viele er im Herzen trug,deren sich zu erinnern allein schon schwierig war; wie vieler er in seinen Gebeten gedachte, für alle Gott dankend, gleich als wären ihm selbst die größten Wohltaten zuteil geworden. "Darum", sagt er; d.h. wegen der Zukunft und der Güter, welche denen hinterlegt sind, die recht glauben und leben. Wie es billig ist, Gott zu danken für a l l e Gnaden, die er dem Menschengeschlechte vorher und nachher erwiesen hat, so ist es auch billig, ihm zu danken für den Glauben der Gläubigen. - "Seitdem ich gehört habe", sagt er, "von eurem Glauben durch Christus und von eurer Liebe zu a l l e n Heiligen". Überall verbindet er aufs engste den Glauben und die Liebe, ein wundersames Paar. - Nicht nur seine Landsleute, sondern alle hat er vor Augen, wenn er sagt: "Ich höre nicht auf für euch zu danken und in meinen Gebeten eurer zu gedenken." Um was bittest, um was flehst du? "Daß der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit euch geben wolle den Geist der Weisheit und Offenbarung." Zwei Dinge, will er, sollen sie gründlich [verstehen] lernen: wozu sie berufen und wie sie aus ihrem früheren Zustand befreit worden sind. Er nennt aber deren drei. Inwifern nun sind es drei? [Er will], daß wir in betreff der Zukunft lernen. Aus den Gütern nämlich, die hinterlegt sind,werden wir den unaussprechlichen und überschwenglichen Reichtum Gottes erkennen; aus der Einsicht in die Art und Weise aber, wie wir aus unserem früheren Zustande zum Glauben gelangten, seine unbeschränkte Allmacht, da er uns, die wir so lange Zeit ihm entfremdet waren, bekehrt hat. Denn "das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen"1 . Durch dieselbe Macht, durch welche er Christus auferweckte, zog er auch uns an sich. Nicht bloß bis zur Auferstehung reicht seine Macht, sondern noch viel weiter. Und er hat ihn gesetzt zu seiner Rechten.

V.21: "hoch über jede Fürstenwürde und Gewalt und Macht und Herrschaft, und über jeden Namen, der genannt wird; V.22: und alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn zum Haupte über alles gesetzt der ganzen Kirche, V.23: welche sein Leib ist, die VBollendung dessen, der alles in allem vollendet."

In der Tat, großer und unaussprechlicher Geheimnisse hat er uns teilhaftig gemacht. Und diese können wir nicht anders begreifen lernen als durch Mitteilung des Heiligen Geistes und Verleihung reichlicher Gnade. Deshalb sagt auch Paulus in seinem Gebete: "Der Vater der Herrlichkeit", der uns große Güter geschenkt hat. Er nennt nämlich Gott jeweils mit einem Attribute,das dem gerade vorliegenden Gegenstande entspricht. Z.B.:"Der Vater der Erbarmungen und der Gott alles Trostes"2 ; und so auch der Prophet: "Der Herr ist meine Stärke und meine Hilfe"3 . - "Der Vater der Herrlichkeit". Er findet keinen treffenden Namen für das, was er sagen will, und kommt immer wieder auf den Ausdruck "Herrlichkeit"4 zurück, der bei uns den Inbegriff alles Glänzenden bezeichnet. Beachte, er sagt: Vater der Herrlichkeit und Gott Christi. Folgt daraus etwa, daß der Sohn geringer an Herrlichkeit ist? Nicht einmal ein Wahnsinniger wird das behaupten wollen. -"Daß er euch gebe",d.h. daß er euer Denken erhebe und beschwinge; sonst ist es unmöglich, diese Geheimnisse zu erfassen. Denn "der sinnliche Mensch nimmt nicht auf, was des Geistes ist; denn ihm ist es Torheit"5 . Wir bedürfen also geistiger Weisheit, um das Geistige gewahr zu werden, um das Verborgene zu sehen. Der Geist offenbart alles. Er muß uns die Geheinisse Gottes klarmachen. Die göttlichen Geheimnisse kennt nur der Geist, der "auch die Tiefen der Gottheit erforscht"6 , kein Engel, kein Erzengel, keine sonstige geschöpfliche Macht. "Daß er euch gebe",d.h. euch die Geistesgabe verleihe. Ist dies aber Sache der Offenbarung, dann bedarf es nicht der Aufstellung von Vernunftschlüssen.

Denn wer Gott in der richtigen Weise erkannt hat, wird an nichts mehr zweifeln. Er wird nicht sagen: das ist unmöglich; das ist möglich, wie konnte das geschehen? Wenn wir Gott kennen, wie wir ihn kennen sollen, wenn wir Gott kennen, durch den wir ihn kennenlernen müssen, durch den Geist selbst, so werden wir an nichts mehr zweifeln. Deswegen sagt Paulus: "In seiner Erkenntnis erleuchtete Augen eures Herzens." Wer weiß, was Gott ist, wird nicht an den Verheißungen zweifeln, nicht hinsichtlich der schon vollendeten Tatsachen ungläubig sein. Der Apostel betet also, es möge ihnen verliehen werden "der Geist der Weisheit und Offenbarung". Übrigens führt auch er, so viel als möglich, den Beweis aus Vernunftschlüssen und aus dem bereits vorliegenden Tatsachen. Weil er nämlich teils von schon geschehenen, teils von noch nicht eingetretenen Dingen zu reden hatte, so beglaubigt er aus dem Geschehenen das noch nicht Geschehene. Ein Beispiel hierfür bieten seine weiteren Worte: "auf daß ihr einsehet, welches die Hoffnung seiner Berufung ist". Sie ist noch verborgen, will er sagen, aber nicht den Gläubigen. "... und welches der Reichtum der Herrlichkeit seiner Erbschaft in den Heiligen". - Auch dies ist noch verborgen. Was aber ist offenbar? Daß wir durch seine Macht zum Glauben gebracht woprden sind, daß er Christus auferweckt hat. Denn weit wunderbarer als Tote zu erwecken ist es, Lebende zu überzeugen. Wieso, das will ich dir deutlich zu machen suchen. Höre nur! Christus sprach zu dem Toten: "Lazarus, komm heraus!"7 , und auf der Stelle gehorchte er. Petrus sprach zu Tabitha: "Steh auf!"8 , und sie weigerte sich nicht. Der Herr wird am Jüngsten Tage seinen Ruf ergehen lassen und alle werden auferstehen, und zwar mit so großer Schneligkeit, daß die noch Lebenden den Entschlafenen nicht zuvorkommen werden9 , daß im Nu, im Augenblick10 alles zumal geschehen sein wird.

1: 1 Kor 1,25
2: 2 Kor 1,3
3: Ps 17,1
4: δόξα
5: 1 Kor 2,14
6: 1 Kor 2,10
7: Joh 11,43
8: Apg 9,40
9: 1 Thess 4,14
10: 1 Kor 15,52

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. Erste Homilie [Kap. ...
. Zweite Homilie [Kap. ...
. Dritte Homilie [Kap. ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. Vierte Homilie [Kap. ...
. Fünfte Homilie [Kap. ...
. Sechste Homilie [Kap. ...
. Siebente Homilie [Kap. ...
. Achte Homilie [Kap. ...
. Neunte Homilie [Kap. ...
. Zehnte Homilie [Kap. ...
. Elfte Homilie [Kap. ...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger