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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Dritte Homilie [Kap. I,Vers 15-23]

5.

Bedenke doch, ich bitte dich: eine königliche Tafel ist bereitet, Engel bedienen sie, der König selbst ist gegenwärtig, und du stehst da und gähnst? Schmutzig ist deine Kleidung, und du achtest nicht darauf? Sie ist rein, sagst du? Nun dann setze dich und beteilige dich am Mahle! Täglich kommt der König, die Gäste zu sehen, mit jedem unterhält er sich; auch jetzt noch spricht er im Gewissen zu uns: Freunde, was tut ihr hier ohne hochzeitliches Kleid? Er sagte nicht: "Warum hast du dich zu Tische gesetzt?" Nein, er bezeichnet ihn von vornherein als unwürdig, auch nur den Speisesaal zu betreten. Denn er sagte nicht; "Warum hast du an der Tafel Platz genommen", sondern: "Wie bist du da hereingekommen?"1 . Diese Worte richtet er auch jetzt noch an jeden von uns, wenn wir schamlos und frech dastehen. Denn schmalos und frech ist jeder, der sich einfindet, ohne an den heiligen Geheimnissen teilzunehmen. Deshalb werden die, welche in Sünden sind, vorher hinausgeschickt. Denn gleich wie, wenn der Herr zu Tische erscheint, die straffälligen Diener sich nicht sehen lassen dürfen, sondern ihm aus dem Wege gehen, so auch hier, wenn das heilige Opfer dargebracht und Christus, das Lamm Gottes, geopfert wird. Sobald du da hörst: "Laßt uns alle gemeinschaftlich beten!", sobald du siehst, daß der Vorhang zugezogen wird, so stelle dir vor, als öffne sich der Himmel oben und als stiegen die Engel herab. Wie nun kein Ungetaufter zugegen sein darf, so auch kein Getaufter, der nicht rein ist. Sage mir, wenn einer, der zu einem Gastmahle geladen worden ist, die Hände wüsche, Platz nähme und sich für das Mahl bereitmachte, dann aber nichts genießen wollte: würde er dadurch den Gastgeber nicht gröblich beleidigen? Würde ein solcher nicht besser tun, lieber gar nicht zu erscheinen? So hast nun auch du dich eingefunden, hast den Lobgesang2 mitgesungen, hast, indem du dich nicht mit den Unwürdigen enferntest, bekundet, daß du zu den Würdigen dich rechnest. Warum bist du geblieben, wenn du nun doch am Mahle nicht teilnimmst? Ich bin dessen nicht würdig, sagst du? Dann bist du auch nicht würdig jener Teilnahme, die in den Gebeten liegt. Denn nicht allein durch die vorgesetzte Speise, sondern auch durch jene Gesänge kommt der Geist allseits herab. - Siehst du nicht, daß unsere Diener mit dem Schwamm den Tisch abwaschen und das Haus reinigen und alsdann die Schüsseln auftragen? Das geschieht hier durch die Gebete, durch den Ruf des Diakons. Wie mit einem Schwamme waschen wir die Kirche rein, damit vor einer reinen Kirche alles aufgetragen werde, damit keine Makel oder Runzel3 vorhanden sei. Unwürdig sind die Augen, das, was hier vorgeht, zu schauen, unwürdig die Ohren, es zu hören. "Selbst wenn ein Tier", sagt die Schrift, "den Berg berührt, soll es gesteinigt werden."

So waren die Israeliten nicht einmal würdig, den Berg zu betreten, solange Gott darauf verweilte; erst nachher durften sie hingehen und die Stelle sehen, an der Gott gestanden war. Auch du kannst nachher in die Kirche kommen und sie besehen; aber fort mit dir, wenn e r zugegen ist! Da ist es dir ebenso wenig erlaubt wie einem Katechumenen; [ja noch weniger]. Denn es ist nicht einerlei, ob man der hl. Geheimnisse noch nicht teilhaftig geworden ist, oder ob man nach Empfang derselben sich mit Schuld belädt,sie geringschätzt und sich ihrer unwürdig macht.- Ich könnte noch Mehreres und noch Schrecklicheres sagen; aber um eure Seelen nicht zu beschweren, möge schon dies genügen. Wer sich dadurch nicht zur Vernunft bringen läßt, bei dem wären auch weitere Vorstellungen vergeblich. Damit wir euch also nicht ein noch größeres Strafgericht zuziehen, so ermahnen wir euch, nicht daß ihr der Kirche fernbleibt, sondern daß ihr euch würdig machet, dem Opfer beizuwohnen und zum Tische hinzutreten. Sage mir, wenn ein König den Befehl erließe: Wofern jemand das und das tut, soll er teilhaben an meinem Tische! würdet ihr dafür nicht alles tun? In den Himmel hat er uns berufen, an den Tisch des großen und wunderbaren Königs; und wir zaudern und zögern, statt schleunigst hinzueilen? Wie können wir da noch auf die Seligkeit hoffen? Wir können uns nicht mit unserer Schwachheit entschuldigen, nicht entschuldigen mit unserer Natur; unser Leichtsinn allein ist es, der uns unwürdig macht. - Damit schließen wir. Er aber, der die Herzen rührt und den Geist der Zerknirschung gibt, möge eure Herzen rühren und seinen Samen tief in dieselben einsenken, auf daß seine Furcht in euch den Geist des Heiles erzeuge und ihr mit Zuversicht seinem Tische nahen könnt. Sagt ja die Schrift: "Deine Kinder sind wie Setzreiser von Oliven rings um deinen Tisch"4 . Da darf nichts Altes, nichts Wildes, nichts Unveredeltes, nichts Rohes sein. Denn nur solche junge Pflanzen sind geeignet, Frucht zu bringen, und zwar die köstliche Olivenfrucht, und sie gedeihen kräftig, so daß alle den Tisch umringen und doch nicht unbesonnen und aufs Geratewohl hier zusammenkommen, sondern mit Ehrfurcht und heiliger Scheu. So werdet ihr dann auch ihn, Christus, im Jenseits mit Zuversicht schauen und des himmlischen Reiches gewürdigt werden, dessen wir alle teilhaftig werden mögen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, mit welchem dem Vater gleichwie dem Hl. Geiste Herrlichkeit, Macht und Ehre sei, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit! Amen.

1: Mt 22,12
2: Trisagion
3: Eph 5,27; Ex 19,13
4: Ps 127,3

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger