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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Dritte Homilie [Kap. I,Vers 15-23]

4.

Seht ihr nicht, daß auch an unserem Körper alles, was überflüssig und unnütz ist, weggeschnitten, entfernt wird? Und daß es dem Gliede nichts nützt, zum Körper zu gehören, wenn es lahm wird, abstirbt, fault, wenn es gar noch die übrigen Teile gefährdet? Pochen wir also nicht darauf, daß wir ein für allemal zu jenem Leibe gehören! Da schon dieser irdische Leib dem Messer anheimfällt, welch furchtbare Strafe droht erst, falls unsere Vorsätze ohne Bestand sind! Wenn dieser unser Leib keine Nahrung erhält, wenn sich die Poren verstopfen, dann stirbt er ab; wenn die Verdauung gestört wird, dann siecht er dahin. So siecht, wenn wir unser Ohr verschließen, auch unsere Seele dahin. Wenn wir nicht die geistige Nahrung zu uns nehmen, wenn gewisse Laster gleich verdorbenen Säften uns schädigen, erzeugt das alles gefährliche Krankheit, in Fäulnis ausartende Krankheit; und dann bleibt nichts anderes übrig als das angedrohte Feuer, nichts anderes als das Abbauen des Gliedes. Denn mit einem solchen Leibe läßt Christus niemanden in den Hochzeitssaal eingehen. Wenn er schon den, der mit schmutzigen Kleidern angetan war, abwies und ausschloß, was wird er erst mit dem anfangen, der mitbeschmutztem Körper erscheint? Wie wird er erst den behandeln? - Viele, sehe ich, empfangen den Leib Christi ohne weiteres und wie es sich gerade trifft, mehr nach Gewohnheit und Herkommen als mit Bedacht und Überlegung. Wenn die heilige vierzigtägige Fastenzeit kommt, sagt man, oder das Fest Epiphanie, dann empfängt man die Geheimnisse, in welcher Verfassung einer auch sein mag. Und doch ist nicht die Zeit, wann wir zum Tische des Herrn hinzutreten, maßgebend; denn weder Epiphanie noch vierzigtägige Fastenzeit macht dazu würdig, sondern Reinheit und Unbeflecktheit der Seele. Mit dieser tritt jederzeit hinzu, ohne diese niemals! Denn die Schrift sagt: "So oft ihr dieses tut, sollt ihr den Tod des Herrn verkündigen"1 , d.h. euch erinnern an das Heil, das ich für euch gewirkt, an die Wohltat, die ich euch erwiesen habe. Erwwäge, welch strenge Enthaltsamkeit jene übten, welche an dem Opfer des Alten Bundes teilnahmen! Was taten sie nicht alles! Welche Vorbereitungen trafen sie nicht! Immerfort reinigten sie sich; und du läßt dich, wenn du zu dem Opfer hinzutrittst, das selbst die Engel mit Ehrfurcht durchschauert, einzig durch die Wiederkehr der Zeiten bestimmen? Wie wirst du vor dem Richterstuhl Christi dastehen, wenn du dich erdreistest, mit sündenbefleckten Händen und Lippen seinen Leib zu berühren?

Einen idischen König möchtest du gewiß nicht mit übelriechendem Munde küssen; und den König des Himmels küssest du mit übelriechender Seele? Das ist Frevel. Sage mir, möchtest du wohl mit ungewaschenen Händen zum Opfer hingehen? Ich glaube nicht. Du würdest lieber gar nicht hingehen als mit schmutzigen Händen. Also, in Geringfügigkeiten bist du so behutsam; aber mit schmutziger Seele hinzutreten und zu empfangen, dazu hast du die Verwegenheit? Und doch wird der Leib des Herrn von den Händen nur kurze Zeit gehalten, während er in die Seele vollständig sich auflöst. Wie? Siehst du nicht, wie die heiligen Gefäße so blank geputzt, so sauber sind? Noch reiner als sie, noch lauterer und glänzender müssen unsere Seelen sein. Warum wohl? Weil die heiligen Gefäße nur unsertwegen so hergerichtet werden. Sie haben nicht Teil an dem, was in ihnen aufbewahrt wird, sie empfinden nichts davon; wohl aber wir. Nun, du möchtest wohl nicht aus einem schmutzigen Gefäße kommunizieren; aber mit schmutziger Seele gehst du hinzu? Das ist in meinen Augen eine große Ungereimtheit. Zu anderen Zeiten geht ihr nicht zur Komminion, häufig selbst dann nicht, wenn ihr rein seid; zu Ostern aber tretet ihr hinzu, auch wenn ihr schwer gesündigt habt. O der Gewohnheit! O des Vorurteils! Umsonst wird das heilige Opfer tagtäglich dargebracht, umsonst stehen wir täglich am Altare: niemand kommuniziert. Ich sage dies nicht, damit ihr ohne weiteres die Kommunion empfanget, sondern damit ihr euch derselben würdig macht. - Du bist des Opfers, der Kommunion nicht würdig? Dann auch nicht des Gebetes. Du hörst, wie der Diakon vortritt und ruft: "Ihr Büßer, entfernt euch alle! Ihr Nichtbüßer, betet alle! Alle, welche nicht [am Gebete] teilnehmen, sind Büßer. Wenn du zu den Büßern gehörst, darfst du nicht teilnehmen; denn wer nicht teilnimmt, gehört zu den Büßern. Warum also bleibst du unverschämt stehen, wenn der Ruf ergeht:"Entfernt euch, die ihr nicht mitbeten könnt"2 ? Doch du rechnest dich nicht zu diesen, sondern zu denen, welche teilnehmen dürfen? Und du bleibst ganz teilnahmslos? Du machst dir nichts aus der Sache?

1: 1 Kor 11,26
2: gemeint die Büßer

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger