Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Dritte Homilie [Kap. I,Vers 15-23]

3.

Siehst du den "Reichtum der Herrlichkeit seiner Erbschaft?" Siehst du "die überschwengliche Größe seiner Kraft an den Gläubigen?" Siehst du "die Hoffnung seiner Berufung?" So laßt uns denn Ehrfurcht haben vor unserem Haupte! Laßt uns bedenken, daß wir der Leib eines Hauptes sind, dem alles unterworfen ist! Nach diesem Vorbild müssen wir besser sein als die Engel und größer als die Erzengel, da wir den Vorrang vor ihnen allen erlangt haben. "Nicht der Engel nahm sich Gott an", wie der Apostel im Brief an die Hebräer sagt, "sondern des Samens Abrahams"1 ; nicht einer Fürstenwürde, nicht einer Gewalt, nicht einer Herrschaft, nicht irgendeiner anderen Macht - nein, unsere Natur hat er angenommen und hat sie erhöht. Doch was sage ich: erhöht? Er hat ihn, seinen Sohn, damit bekleidet, und nicht allein das, - alles hat er unter seine Füße gelegt. Stelle das Leben oder den Tod von Tausenden, ja Millionen dagegen: es wird sich nie und nimmer damit vergleichen lassen. Die zwei denkbar großartigsten Dinge hat er getan: er stieg hinab in die tiefste Erniedrigung und hob den Menschen auf die höchste Stufe empor. Über jenes hat der Apostel zuerst gesprochen, daß er sich so sehr erniedrigt hat, jetzt kommt er auf das, was noch erhabener ist, auf das wirklich Großartige, auf die Krone des Ganzen. Wenn wir auch keiner dieser beiden Gnaden gewürdigt worden wären, wir hätten uns bescheiden müssen; und wenn wir nur der einen gewürdigt worden wären ohne seinen blutigen Opfertod, es hätte uns genügen müssen. Da uns aber beides zuteil ward, übersteigt das nicht himmelweit selbst den kühnsten Ausdruck, dessen die menschliche Sprache fähig ist? Selbst die Auferstehung kommt mir nicht groß vor, wenn ich dieses bedenke. Darauf beziehen sich die Worte: "Der Gott unseres Herrn Jesus Christus", nicht auf den göttlichen Logos. - Achten wir ehrfurchtsvoll diese innige Gemeinschaft; seien wir ängstlich auf der Hut, daß keiner von diesem Leibe getrennt werde, keiner verlorengehe, keiner unwürdig erscheine! Hätte man uns ein Diadem, eine goldene Krone aufs Haupt gesetzt, würden wir da nicht alles tun, um uns der leblosen Edelsteine würdig zu zeigen? Nun aber ruht nicht bloß ein Diadem auf unserem Haupte, sondern, was doch weit mehr ist, Christus ist unser Haupt geworden; und wir sollten nicht darauf achten? Engel und Erzengel und alle himmlischen Mächte beugen sich vor ihm, und wir, die wir sein Leib sind, sollten weder aus dem einen noch aus dem anderen Grunde Ehrfurcht vor ihm haben? Wie können wir da noch auf die Seligkeit hoffen? -

Denke an den königlichen Thron! Denke an die überschwengliche Ehre! Dieser Gedanke wird imstande sein, sofern wir nur wollen, uns größere Furcht einzuflößen als selbst die Hölle. Denn wenn es auch keine Hölle gäbe: welche Strafe und Qual müßte es nicht für uns sein, trotz so großer Auszeichnung als unwürdig und schlecht erfunden zu werden? Erwäge nur - und dieser Erwägung allein dürfte vollständig hinreichen -, in wessen Nähe dein Haupt thront, zu wessen Rechten es gesetzt ist! Und während dieses Haupt über jede Fürstenwürde und Gewalt und Macht erhoben ist, wird sein Leib sogar von den Dämonen zertreten? Doch das sei ferne; denn sonst wäre es nicht mehr sein Leib. Dein Haupt verehren voll heiligen Schauers Gottes treugebliebene Diener2 , und den Leib unterwirfst du den abtrünnigen? Kann es eine Züchtigung geben, die du nicht dafür verdientest? Wenn jemand die Füße des Königs in Ketten und Fesseln schlüge, machte er sich da nicht der äußersten Strafe schuldig? Und du wirfst den ganzen Leib den wilden Tieren vor und zitterst nicht? - Da vom Leibe des Herrn die Rede ist, wohlan, so laßt und auch jenes Leibes gedenken, der da gekreuzigt, angenagelt, geopfert wurde! Wenn du Christi Leib bist, so trage das Kreuz, denn er hat es auch getragen; trage das Anspeien, trage die Backenstreiche, trage die Nägel! Solches duldete jener Leib. Und doch war jener Leib frei von Sünden. Denn es steht geschrieben: "Sünde hat er nicht getan, und Betrug ward nicht gefunden in seinem Munde"3 . Seine Hände waren nur tätig, um den Hilfsbedürftigen Wohltaten zu spenden, nichts Ungeziemendes kam aus seinem Munde; den Vorwurf "du hast einen Teufel"4 hörte er an, ohne etwas zu entgegnen. - Da wir gerade von seinem Leibe sprechen, so erwägt, daß der Leib, den wir alle empfangen, und dessen Blut wir alle genießen, nicht etwa ein anderer, von jenem irgendwie verschiedener ist, sondern daß wir eben j e n e n Leib empfangen, der in der Höhe thront, der von den Engeln angebetet wird, der der lauteren Allmacht nahe steht. Ach, wie viele Wege zum Heile stehen uns offen! Er hat uns zu seinem Leibe gemacht, er hat uns seinen Leib mitgeteilt; und all das hält uns nicht vom Bösen ab. Welche Blindheit und bodenlose Versunkenheit! Welch ein Stumpfsinn! "Was oben ist", heißt es, "sinnet, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt"5 . Und nach alledem sind manche nur auf Geld und Gut bedacht, andere sind Sklaven ihrer Leidenschaften.

1: Hebr 2,16
2: Engel
3: Is 53,9
4: Joh 7,20
5: Kol 3,1.2

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. Erste Homilie [Kap. ...
. Zweite Homilie [Kap. ...
. Dritte Homilie [Kap. ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. Vierte Homilie [Kap. ...
. Fünfte Homilie [Kap. ...
. Sechste Homilie [Kap. ...
. Siebente Homilie [Kap. ...
. Achte Homilie [Kap. ...
. Neunte Homilie [Kap. ...
. Zehnte Homilie [Kap. ...
. Elfte Homilie [Kap. ...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger