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Armenische Väter
Mesrop († 440)

Ausgewählte Reden aus dem Hatschachapatum
Reden und Lehren zum Nutzen der Zuhörer.

1. Von der heiligsten Dreifaltigkeit.

[S. 254] Eine ist die Natur, die Wesenheit der allerheiligsten Dreifaltigkeit; und ihr eignet Selbstheit, nicht (Sein) von einem anderen Wesen. Der Vater enthält die (Ur-)Gründe des anfangslosen Sohnes und Geistes. Er ist ungezeugte Substanz, unbegrenzte Ewigkeit, unveränderliche Wahrheit, Leben und Lebensspender für alle Lebenden. Er ist Vater des Sohnes und Quelle des Geistes; er ist Gott und Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe. Grund wird er genannt vermöge der Zeugung des Sohnes und Quelle des Heiligen Geistes. Er selbst ungezeugt, hat gezeugt das anfangslose Wesen; er hat gezeugt des Ewigen, Unbegrenzten unveränderliche Wahrheit. Als Lebensspender hat er gezeugt das Leben für das Leben der Lebenden; er hat gezeugt das lebendige Licht für das Licht der Lebendigen. Für das Gute hat er gezeugt den Guttäter; als Schöpfer hat er gezeugt den Schöpfer aller unsichtbaren und sichtbaren Geschöpfe. Er ist der Schöpfer des Himmels und der himmlischen Kräfte und der Erde und der Geschöpfe, die auf ihr sind. Er ist reich und vollkommen und erfüllt alles in allem, kein Mangel ist an ihm; er wird nicht neu und nicht alt, nicht voll und nicht leer, er ist ewig in seiner Fülle und Unermeßlichkeit. Von keiner Seite ist ein Zuwachs oder eine Vermehrung der unendlichen, unerreichbaren, unbegrenzten und allvollkommenen Natur. Der Verstand begreift das nicht; auch die Engel verstehen es nicht, die doch einen schärferen als den Verstand der Menschen haben; aber wo der Wille des Schöpfers winkt, da tun sie Dienste den himmlischen und den irdischen (Wesen). Denn wie der Himmel und all sein Schmuck gefestigt sind durch das Wort Gottes und durch den Geist alle Kräfte, so auch die Erde mit ihren Bergen und Tälern, Meeren, Flüssen, Quellen und dichtbelaubten Bäumen.

[S. 255] Es ist kein anderer Schöpfer als die heiligste Dreifaltigkeit allein, die allmächtige Herrschaft, die reine einfache, allmächtige Kraft. Sie sprach und es ward, sie befahl und sie sind entstanden1. Sie wohnt im Himmel der Himmel und sorgt für alle Geschöpfe; sie leitet alles im Himmel und auf Erden durch ihre Vorsehung und ihre unendliche Weisheit; allen ist sie Leben und Lebensspenderin, in allem ist sie unbegrenzt, unbegreiflich, unaussprechlich. Liebe ist sie, voll lebendiger Glückseligkeit; unnahbares Licht, furchtbar und wundersam. Wissen und Weisheit sind von ihr durchschaut; lebendig ist sie und belebend, erbarmungsreich und gütig in ihren Gnadenerweisen; geduldig ist sie und Heilung bringend. Sie ist Heiligkeit für die Heiligen, die sich ihr nahen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, allezeit die vernünftigen Wesen erleuchtend. In allem ist sie Wahrheit, wenn sie uns zurechtweist und die Sünder ermahnt, damit sie dem Zorne entrinnen, der über die Gottlosen kommen soll. Aber auch durch Versprechungen von Wohltaten ermuntert sie, damit wir würdig werden der Kronen und des Ruhmes der ewigen Glückseligkeit. Denn sie ist der ruhige Hafen für die Weltfernen in der Sorge ihrer heiligen Liebe; mit unaussprechlicher Seligkeit erfreut sie die Tugendhaften im Geiste. Denn unerforschlich ist ihre Größe, anfangslos ihr Sein, erhaben über das Verständliche ist sie in ihrer Unendlichkeit und Unermeßlichkeit; mit Sorge und Vorsicht erfüllt sie alle Geschöpfe. Sie weiß die Gedanken der Herzen, sie durchforscht die Nieren und führt durch die Gesetze des belebenden Geistes zu unvergeßlichen Freuden der Unsterblichen, unaufhörlicher Lust, zu unaussprechlichem und unbeschreiblichem Glück, indem sie die Herrlichkeit Gottes erben.

Das alles nun sind freisprossende Wundertaten des Ewigen, Unendlichen zum Heile der Geschöpfe nach der Güte seiner Schöpfung. Denn er, der unendlich unbegreiflich ist, spendet Leben nach seiner Fürsorge. Ihn kann nicht der Verstand der Geister begreifen, weder den Vater noch den Sohn noch den Heiligen Geist; [S. 256] sondern aus ihren Werken und Wohltaten wird von körperlichen und unkörperlichen Wesen erkannt und erfaßt die eine Gottheit, die allmächtige Herrschaft. Denn wie Strahlen, Licht und Wärme der einen Sonne zugesprochen werden und nicht anderen, und wie Quelle, Wasser und Bach von einer Natur ausgesagt werden, so ist es mit dem Verstand, der Vernunft und dem Geist des Menschen, ebenso auch mit der einen Natur und Gottheit des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes. Denn die Sonne ist nicht ohne Licht und ohne Wärme, die Quelle nicht ohne Wasser und Abfluß, der Verstand nicht ohne Wort und Geist. So war auch der Vater nicht ohne den Sohn und Heiligen Geist.

1: Ps. 148, 5 [=Ps. 148, 5].

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger