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Armenische Väter - Ausgewählte Reden aus dem Hatschachapatum
Reden und Lehren zum Nutzen der Zuhörer.

6. Von der Vorsehung für die menschliche Natur durch Gottes Fürsorge.

Groß ist das Geheimnis der Gottesverehrung durch den wahren Glauben an den Vater und an den Sohn und an den Heiligen Geist; und durch tugendhafte Werke sich gerecht und heilig zeigen, erleuchtet mehr als die Sonne, die geistigen Augen der Glaubenden und vertreibt die Finsternis der Sünden und führt zur Gerechtigkeit und Heiligkeit, sich fernzuhalten von verderblichen Sitten und böser Gesinnung und auf dem Weg der Gerechten zu wandeln, der zum ewigen Leben führt; und mit gutem Willen dem wohltätigen Willen des Schöpfers zu folgen, der aus nichts zum Sein hob, aus Unwürdigkeit zur Ehre mit zwei Teilen, einem schwachen und einem starken den Leib und die Seele, damit der schwache mit Mühen arbeite und zur Kraft des Schöpfers seine Zuflucht nehme, daß er nicht der wohltätigen Hilfe verlustig gehe, welche zur Tugend führt durch gerechte und heilige Mühen. Und er empfängt den Namen der Tüchtigkeit und wird gekrönt mit Lob und Erhebung, und er erfreut sich reicher Fürsorge mit der Hoffnung des ewigen Lebens. Allein der starke geistige Teil scheidet durch den wahren Glauben und durch die untrügerische sichere Wissenschaft der heiligen Dreifaltigkeit den falschen Trug des Irrtums aus und befreit aus der Sklaverei der [S. 307] Sünde, derentwillen der Tod eingedrungen ist, und, befreit von den Sünden, wird er Erbe des Lebens in Christus werden mit dem schwachen Leib, und es zeigt sich die Vertrautheit in den Mühen der Geduld der Hoffnung. Und mit dem starken Teil zeigt sich die Gnade des Herrn nach dem Worte des Apostels, welcher den Herrn bat um die Hinwegnahme der Schwäche, der sich abmühte und plagte und litt unter mannigfachen Leiden und Bedrängnissen. Da hört er den Herrn, der spricht: „Es genügt dir meine Gnade, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen1“. Deshalb übernimmt er mit Freuden alle Leiden der Bedrängnisse, damit die Schwachheit durch die Kraft vollkommen werde. Denn auch die Arbeiter finden durch die vielfachen Bemühungen in der Arbeit die Ehre, und der Herr ehrt durch nutzreiche Geschenke.

Deswegen hat er aus vier Stoffen die Geschöpfe gemacht und in Ordnung zusammengefügt das Sichtbare und das Unsichtbare und dann den Leib gebildet aus Trockenem und Feuchtem, aus Warmem und Kaltem. Aus diesen vier Stoffen wurden sie gemacht zur Geburt und Ernährung, damit die Fürsorge der Schöpfung offenbar werde, der Himmel mit dem Taue durch das Herabsteigen der Wolken und mit der Wärme durch die Lichtgestirne und die Mischungen der Luft, welche die Pflanzen und Kräuter ernährt und jede lebendige Seele und die Vögel des Himmels; die Erde mit dem Wasser und die schwimmenden Wesen und alle anderen Kriechtiere werden von der Fürsorge Gottes erhalten. Denn zuerst setzte er den vernünftigen Geist in den Leib und einigte sie, und dann bereitete er die Heilmittel für ihre Bedürfnisse, damit er die Vorsehung seiner Liebe zeige, die aus reicher Güte hervorgeht. Das kräftige Heilmittel der vernünftigen und geistigen Seele zeigte er in den Gnaden des Heiligen Geistes, die Mahnungen der Lehre aus dem Unterricht der geistigen Gesetze.

Solche geistige Nahrung (soll man) genießen und vertraut (sein) mit der allmächtigen Herrschaft und der Fürsorge des Schöpfers, der aus Himmel, Erde, Wasser [S. 308] und Luft das Leben aller zusammenfügte. Und durch solche Mittel lehrt er uns und gewöhnt uns an die große Hoffnung auf die versprochenen Verheißungen der unsterblichen Erbschaft der Gotteskindschaft. Er gab schon hier als Unterpfand (dafür) die Freiheit durch die Gnaden der Taufe und durch den Leib und das Blut Christi, damit sie im schwachen Leibe sich in den verschiedenen Tugenden übten, die Bewährung der Geduld erwiesen nach dem Wohlgefallen Gottes und mit Furcht und heiliger Liebe den Willen Gottes täten, „Denn wenn er der Herr ist, so heißt es, wo ist die Furcht vor ihm2“ und wenn er der Vater ist, so soll sein Wille geschehen wie im Himmel, also auch auf Erden3. Und das wird zustandegebracht durch die aufgestellten Gesetze und die getroffenen Anordnungen, ein auserwählter Streiter zu werden in den besseren Ordnungen der Tugend und Macht, und daß er als Sieger sich zeigend gekrönt werde von Christus dem Schöpfer.

Durch diese Fürsorge machte er offenbar die allreichlichen Gnaden seiner Güte. Denn für die vertrauten Diener ist er Mitwirker im guten Wandel. Und gemäß der Fürsorge seiner Liebe machte er die Bedrängnis der Bewährung vergänglich, die Ruhe aber ohne Ende. Allein auch der Herr der Herrlichkeit selbst, welcher der Schöpfer aller Gewalten und Kräfte ist und ihr Spender, da er seine unsichtbare Liebe dem Menschengeschlechte zeigen wollte, indem er leidensfähig und wundenvoll und voll Mühsal wäre, in demselben Geiste einig mit Gott, dem Worte, verband sich, verständig und vernünftig, mit dem Leibe nach dem Wort des Evangeliums: „Das Wort“, so sagt es, „ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir sahen dessen Herrlichkeit als die Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes beim Vater voll Gnade und Wahrheit4.“

Denn durch seine wahren Gnaden und seine freiwillige Erniedrigung, indem er alle Leiden des Leibes und der Seele mit Ausnahme der Sünde trug, damit er den Gerechten den Weg der Erlösung zeige und die Fürsorge [S. 309] seiner großen Liebe, die Heilsgaben der Vorsehung, wie er mit Gnade die Menschenkinder heilt im Sichtbaren und Unsichtbaren, heilte er die Kranken, verzieh die Sünden, trieb die Teufel aus und erweckte die Toten. Er öffnete die Pforten des Lebens und befreite die Seelen durch die Leiden und seinen Tod. Er vollendete alle Gerechtigkeit zur Herrlichkeit und zum Glanze unserer menschlichen Natur, und er wurde der Lehrer aller Geschöpfe. Denn wenn wir zu Nachfolgern seiner Tugend geworden sind, werden wir auch Teilnehmer an seiner Herrlichkeit sein5, welche den auf Christus Hoffenden aufbewahrt bleibt.

Und deswegen ist der Leib schwach, weil er von der Erde seine Nahrung hat, von Kraut und Pflanzen und von beseelten, wie auch allen unvernünftigen Lebewesen. Denn dem Noa wurde der Befehl gegeben, das Fleisch der beseelten Lebewesen zu essen und Wein zu trinken wegen der Traurigkeit zur Aufheiterung. Diese trug er als Trauer über die allum sich erstreckende Verheerung der Erde. Denn vom Leben und der Ernährung, welche im Paradiese war, sind wir abgeirrt infolge der Sünden, und sind vielen Schwächen verfallen. Und deswegen bringen aus irgendeinem Anlaß Kälte und Hitze und Krankheiten des Leibes den Tod. Aber auch aus dem Übermaß an Speise und Trank entstehen Leiden und Tod; in ähnlicher Weise auch vom Mangel, vom Hunger und Durst. Aber auch giftige Insekten und die Schärfe von Wurzeln und Kräutern können Qualen und Tod bringen, gefühllos machen und den Geist verwirren.

Und deshalb ist der Leib schwach, daß wir nicht, wenn wir uns Bild Gottes (nennen) hören, in Stolz uns überheben und durch die Überhebung hinabstürzen in die Tiefen des Verderbens gerade wie der Feind Gottes, der über den Wolken seinen Thron aufzustellen versprach und dem Höchsten gleich zu sein; aber alsbald stürzte er in den Abgrund mit dem ganzen Heer der Abtrünnigen, wie es der Prophet erklärt hat, im Angesicht des Herrn6. [S. 310] Und indem Christus diesen Leib der Niedrigkeit annahm, hat er ihn durch die Demut gestürzt und die Demütigen erhöht und dessen Hochmut beschämt. Denn so groß allein ist das Gift seiner Bosheit als das Gift der Insekten und als der Schaden der Bitterkeit der Pflanzen-Wurzeln. Die Ärzte sagen, daß es Wurzeln gibt, welche die Teufel am Menschen austreiben; das ist so zu verstehen: Gottes Wirksamkeit offenbart in der schwachen Materie dessen Schwäche, und daß die vermeintliche Kraft des Gegners bei den Heiligen ohne Kraft ist. Diese haben auch die Weisung vom Herrn, ihn niederzutreten, wie es allen Gläubigen völlig klar ist. Und es werden zurückweichen und sich schämen, die seinen Willen tun und welche ihre Hoffnung auf seine Hoffnung setzen7.

Aber diejenigen, welche Lobspender, Anbeter und Verehrer der allmächtigen Kraft der allerheiligsten Dreifaltigkeit sind, werden mit diesem schwachen Leibe die Bewährung der Tugend heiligmäßig vollenden und die Ordnungen der Welt mit aller Wahrheit durchschreiten; und Zeiten, Tage und Jahre gehen dahin, und er bemüht sich vorwärts und die Sprossen der Tugend folgen in reinen und gerechten Sitten; geschult in der Heiligkeit und befestigt mit allen Tugenden, gehen sie aus dieser Welt hinüber in das Land der Lebendigen, wo die Stimme des Todes nicht mehr zu hören ist, zu den süßen und ewigen Freuden. Sie werden durch die göttliche Kraft wieder erneuert zu den unbegrenzten und unendlichen Freuden. Sie leuchten wie Sonnen8 in unzugänglichem Lichte und in lebendiger heiliger Liebe brennen und flammen sie vom Feuer der allerheiligsten Dreifaltigkeit in unendlichen Seligkeiten und freuen sich in den unendlichen und unaussprechbaren Gütern in Christus Jesus, unserm Herrn, mit welchem dem allmächtigen Vater und dem Heiligen Geiste, dem Gnadenspender, Verherrlichung, Macht und Ehre sei, jetzt und immer und in Ewigkeit der Ewigkeiten! Amen.

1: 2 Kor. 12, 9.
2: Mal. 1, 6.
3: Matth. 6, 10.
4: Joh. 1, 14.
5: Vgl. Römer 6, 5.
6: Is. 14, 12-15.
7: LXX=Ps. 69, 4 [Hebr.=Ps. 70, 4].
8: Matth. 13, 43.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger