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Armenische Väter - Ausgewählte Reden aus dem Hatschachapatum
Reden und Lehren zum Nutzen der Zuhörer.

5. Abhandlung über Geheimnisse, welche das Unsichtbare ins Sichtbare einführt.

Der Vater ist nicht von anderswoher gezeugt, der Sohn aber ist gezeugt vom Vater und nicht erschaffen; auch der Heilige Geist ist nicht erschaffen, sondern hervorgegangen. Ewig, eine Wesenheit mit dem Vater, zum Vater, und in dem Vater. Wie die Flamme und die Wärme vom Feuer; wie das Licht und die Hitze von der Sonne; wie das Wasser und der Bach von der Quelle; wie das Wort und der Geist vom Verstande. Bewegte Selbstheiten1, aber eine Übereinstimmung der Natur und nichts Fremdes jemals in den Selbstheiten.

Das sind die wahren Merkmale der heiligen Dreifaltigkeit: Anfanglose Substanz, belebendes Leben, allwissende Liebe und allmächtige Kraft, Vater, Sohn und Heiliger Geist, drei Personen, aber eine Natur und ein Wille; Schöpfer, Heilbringer und Erhalter. Gott war und ist. Er war ohne Anfang in seiner Herrlichkeit, ewig unermüdlich in der Fürsorge für die Geschöpfe. Wahrheit war und ist er; er war in seiner Unveränderlichkeit und ist die Erhaltung der Geschöpfe. Fehlerloses, allnützliches Wissen war und ist er in seiner Unendlichkeit zur Erleuchtung der Geschöpfe. Unerreichbarer Weisheit Regel war und [S. 296] ist er in seiner unaussprechlichen Fürsorge für alle Geschöpfe. Er war es durch lebenspendende, allweise, allnützliche Mahnungen im festen Glauben an sein Wesen und ist es durch ewige heilsame Gnaden, die er den Menschen beständig austeilt, damit sie sich ihm nahen und mit ihm vereinigen in lebendiger Liebe. Allmächtige Kraft war er in seinem Wesen und ist er, damit er stärke die Schwachen für die geistigen Kämpfe des Krieges im Seligkeit im Leben. Gnade der Barmherzigkeit war und Liebe Gottes war und ist er durch Entflammung des Guten, indem er sorgt für die Gerechten und sie beschützt und die Sünder zur Buße führt. Lichte und herrliche Heiligkeit war und ist er, indem er auszeichnet, verherrlicht und erneuert die Geschöpfe durch mannigfache Gnaden und die erleuchtende Taufe. Mitleidige Fürsorge war und ist er durch unsagbare Güte in der Sorge für die sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe, damit sie gelangen in den Hafen des Guten, der gegebenen Verheißungen der Berufung zum Himmel, welcher voll ist von lebendiger Seligkeit im Leben. Gnade der Barmherzigkeit war und ist er in seiner unbeschreiblichen Güte und seinen überreichen Geschenken, indem er gibt und zeigt die Früchte der Menschenliebe und den Ruf zum Zutritt zur Gnade der Kindschaft. Langmütig und nachsichtig war und ist er durch seine Milde und seinen gütigen Willen, da er des Bösen uneingedenk sich zeigt und nicht alle hienieden straft, damit sie wieder von ihren Sünden aufleben. Die Güte der allerheiligsten Dreifaltigkeit war er in seiner Sorge für seine Geschöpfe, und ist er in mangelloser Fülle, die nie abnimmt, nicht gemessen und nicht beschränkt wird weder von Sichtbaren noch Unsichtbaren gegenüber dem Bitten und Drängen gemäß weiser Waltung. Damit seine Geschöpfe Heilsames und Nützliches erwerben, und er die Fremden unter den Vernünftigen und Verständigen hinführe zu den Gütern seines allweisen Wesens und zum Erbe des Lebens mit herrlichen Tugenden geschmückt im Himmelreiche.

In dieser Hoffnung müssen wir folgen und gehorchen denen, die Schüler der göttlichen Lehre geworden sind, welche gut ist, angenehm und vollkommen; damit der uns zum ewigen, unvergänglichen Leben gelangen läßt, [S. 297] der war, ist und bleibt in seiner Unendlichkeit, der in seiner Güte für alle Geschöpfe sorgt, der unvergänglich ist, unendlich und unbegrenzt, der über allen Geschöpfen steht, unerforschlich in Größe und Herrlichkeit, der Leben gibt und Ruhm und Licht durch heilvolle und belebende Seligkeit. Er vermag alles aus sich, der gerecht macht, erleuchtet und verherrlicht. Er ist Vater des eingeborenen Sohnes und Ausgang des Heiligen Geistes. Durch seinen gütigen Willen und seine allsegnende Liebe macht er die Menschen zu Erben der körperlosen Scharen und des Himmelreiches und der unendlichen Güter.

Die blendende Täuschung der Lüge, der Auflehnung, woher das Verderben, war anfangs nicht, solange nicht der Irrtum hervorgetreten war und zum Bösen verführte. Und jetzt hat sie keine Gewalt über die, welche das Böse hassen, welche die Predigt des Evangeliums hören und glauben, welche wiedergeboren werden aus dem Wasser und dem Geiste und nicht wieder zurückkehren zur Verkehrtheit und zu dem, wofür sie Buße tun müssen. Der Tod war nicht, so lange die Sünde nicht war; doch jetzt ist er besiegt durch die glorreiche Auferstehung Christi, und wird verachtet von den Heiligen Gottes. Die trügerische Täuschung, die hinterlistige Heuchelei und der Stolz waren anfangs nicht, solange Satan nicht verführte; doch jetzt ist er schwach und verschwindet, wenn die Wahrheit erscheint. Unglaube und böse Begierlichkeit war im Anfange nicht, solange der aufrührerische Widersacher Gottes nicht zu Fall gekommen war; und jetzt sind sie nicht, wo die Unterscheidung des Glaubens und der Gesetze und die Betätigung der Gottesliebe waltet. Ungehorsam und Widersetzlichkeit war zuerst nicht, solange der Satan und die Menschen sich Gott unterwarfen; doch jetzt sind sie nicht, da Christus für uns gehorsam wurde und uns dazu anleitete. Betrug und Hinterlist waren anfangs nicht, solange nicht die List des Bösen war; doch jetzt sind sie nicht mehr, da Christus, die Wahrheit, erschienen ist. Neid und Haß war nicht, solange nicht der Böse in Haß und Rache geriet; auch jetzt ist Haß und Neid nicht mehr, gemäß der Gnaden des gütigen und neidlosen Willens Christi gegen uns. Haß und Zorn war nicht, solange er nicht vom Bösen kam und von [S. 298] uns; auch jetzt ist er nicht mehr, gemäß der vielen Liebe des sanften und menschenliebenden Erlösers. Stolz und Selbstliebe war nicht, solange nicht der Böse stolz war und uns schuldig machte; auch jetzt sind sie nicht, seitdem der erschienen ist, der demütig ist und uns liebt, indem er sagt: „Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen; und ihr werdet Ruhe finden2.“ Ärger und Kränkung war anfangs nicht; auch jetzt nicht, seitdem das Mitleid der Barmherzigkeit zur Sorge bewogen wird. Die Unersättlichkeit der Völlerei und des Geizes war nicht, auch jetzt ist sie nicht bei den mäßigen Reinen und bei denen, welche das Irdische verachten. Unerträgliche Schändlichkeit war nicht, solange nicht die Makellosigkeit beseitigt war; seitdem aber die Heiligkeit der Reinheit der göttlichen Gnade erschien, wurde die Häßlichkeit des Lasters entfernt.

Alle Sünden und abscheulichen Laster, die sichtbaren wie unsichtbaren, waren anfangs nicht mit ihrem Helfer, dem Satan; erst später kamen sie vom Satan her, welcher uns in sie stürzte. Doch jetzt sind sie nicht mehr, seitdem das lebenbringende Lamm am Kreuze sich opferte, zur Sühne unserer Sünden und zur Versöhnung des Vaters mit seinen Geschöpfen. Auch durch die Wiedergeburt der Taufe werden sie getilgt und durch das heilbringende Geheimnis, welches denen Leben bringt, welche an die heilige Dreifaltigkeit glauben. Und die Gottlosen, die Stolzen und Hochmütigen hat er gestürzt, die Demütigen aber erhöht als Unterpfand in der Hoffnung. Getilgt wurden die eingedrungenen Sünden, und besiegt wurde der, welcher die Herrschaft über den Tod hatte, das ist der Satan, damit er belebe die nach seinem Willen von ihm Ergriffenen durch sichtbare Gnaden und durch seine Liebe zu den Menschen.

Viele von diesen erschienen auserwählt im Anfange als Zeugen seiner lebenbringenden Ankunft, welche Erneuerung bringen wird von Abel dem Gerechten an; denn den Namen Gerecht erhielt er wegen seines tadellosen Lebenswandels. Wie Enos durch die Hoffnung, Enoch [S. 299] durch das Wohlgefallen Gottes und durch die Versetzung, Noe durch vollkommene Gerechtigkeit, Abraham durch den Glauben, Isaak mit den Verheißungen des Sohnes Gottes, Israel der Seher des Kampfes der Tugend, Joseph durch die Keuschheit, Moses durch die Gesetzgebung, David durch gerechte und milde Regierung, so auch alle heiligen Propheten und die Machabäer und die drei Jünglinge im Feuerofen bis auf Johannes, welcher der Schein der Sonne der Gerechtigkeit war, welche durch ihr Licht alle Menschen, die auf die Welt kommen, erleuchtet durch Gotteserkenntnis, durch Weisheit, durch Gerechtigkeit: Christus, der Erlöser, welcher auf die Erde kam, um die Sünder zu erlösen, und erleuchtete die Herzen der Gläubigen durch den gütigen Willen unseres Schöpfers, damit wir Früchte bringen nach den Gesetzen der Gerechtigkeit, des Rechtes und des Wohlgefallens des allmächtigen Herrn, und durch reinen Wandel in der Hoffnung auf das Reich zum Ziele der himmlischen Berufung gelangen, damit wir vollkommen werden, wie auch unser Vater im Himmel vollkommen ist.

Durch die Sorge seiner Güte erfüllt er alle Geschöpfe, und führt den Sinn aller zur Mitwirkung mit (seinem) gütigen Willen. Vom Himmel rief er auf die Erde die Güte, die Umkehr zur Buße für die Sünder durch Kenntnis der Fehler, durch Reue über das, was sie getan haben, damit sie würdige Früchte der Buße bringen, was die Chöre der Engel erfreut nach dem Worte des Herrn3. Wenn über einen Sünder, der umkehrt zur Buße, Freude ist bei den Engeln im Himmel, was soll man dann von den Gerechten sagen, von den Aposteln, von den Propheten, den Märtyrern, den Lehrern, den tugendhaften Jungfrauen, den keuschen Ehegatten, welche nicht die schlimmen Regungen haben, die der Seele schaden, den Stolz, den Zorn, den Neid, den Haß und die Völlerei, die die Frömmigkeit pflegen und die böse Gewohnheit ausrotten mit Eifer, aus heiliger Liebe zu dem, der uns geliebt?

Die Bosheit Satans war nicht, solange das Böse nicht wider das Gute sich erhob. Denn während sechs Tage, [S. 300] solange er nicht den Sinn der Gottlosigkeit besaß, wird vom Herrn bezeugt, daß alles, was Gott gemacht hat, sehr gut sei4; denn wenn es von Natur aus schlecht wäre, hätte es der allmächtige Gott nicht als gut bezeugt. Auch im Evangelium sagt der Herr zu seinen Jüngern: „Habe ich nicht euch Zwölf auserwählt und einer von euch ist ein Satan5?“ Der gerechte Richter schalt ihn nicht, solange er sich nicht böse zeigte und von schlechtem Willen zum Bösen sich treiben ließ; alsdann erhielt er den Namen Satan, wurde entfernt aus dem heiligen Dienste, ausgeschlossen von der lebenden Liebe, und in der Verzweiflung stürzte er sich selbst in den Tod, wie die bösen Geister mit den Schweinen sich ins Meer stürzten, die bösen Geister, die da sagten: „Was haben wir mit dir zu schaffen, Sohn Gottes? Vor der Zeit kamst du, uns zu verderben, Heiliger Gottes6“. Auch sie kennen die Zeit ihres und unseres Gerichtes, und die Vergeltung nach Verdienst für die Ungerechten und Ungehorsamen, die Unreinen und Befleckten. Denn Satan war er nicht, solange er nicht gottlos war; jetzt aber ist er machtlos nach dem Worte des Herrn: „Der Fürst dieser Welt ist gerichtet und wird hinausgeworfen werden7.“ Denn Finsternis gab es nicht und gibt es nicht; es gibt wohl eine Dunkelheit der Elemente aber nicht eine (Dunkelheit der) Natur. Die Kohle ist schwärzer als das Dunkel und jede andere Schwärze, die es gibt; jedoch beim Aufgehen der Sonne und der Sterne bleibt diese Schwärze; die Finsternis aber verschwindet, wenn der Tag erscheint und widersteht nicht weiter. Auch der Tod war nicht, solange der Mensch nicht voll Sündenschuld war; jetzt aber ist er nicht mehr beim Erscheinen des Lebens und bei der Auferstehung von den Toten, beide haben Abschied genommen, Tod und Finsternis, als das Licht aufging und das Leben kam.

Und diese ganze Ordnung der Dinge und der Gesetze ist vom Herrn. Deswegen werden diejenigen, welche [S. 301] gut und nützlich sind, gekrönt nach der Güte der Tugend und werden mit der Krone auf dem Haupte eingehen in die Ruhe des Lichtes und des ewigen Lebens. Die aber träge sind und nachlässig und die Gebote Gottes verachten, werden gestraft werden in dem unauslöschlichen Feuer der Hölle, welche für sie bereitet ist. Denn ohne Tadel ist der Rechtspruch des gerechten Richters, vor dessen Wahrheit geschlossen stehen die beiden Seiten der Guten und Bösen, welcher die Hoffnung der Herrlichkeit ist und die Erwartung des Unglückes und der Qualen. Durch Beides ermahnt er: durch das Gute ermuntert er und durch die Furcht stachelt er an, damit niemand der ewigen Verheißungen verlustig gehe. Denn für beide Seiten sorgt er mit Liebe, für die Guten, damit sie nicht wanken in der Hoffnung des Lebens, für die Schlechten, damit sie in der Furcht des Herrn durch Buße zur vollkommenen Fülle der Gnade gelangen mit denen, welche mit Jubel die Herrlichkeit genießen. Damit die Gnaden des Herrn offenbar werden an denen, die (ihn) lieben, die dem Herrn dienen in Furcht und Liebe; damit sie aufgenommen werden vom Herrn unter die Ausgezeichneten und Verherrlichten, der Kindschaft gewürdigt, die ewigen Güter Christi genießen mit allen Heiligen. Denn die Güte der allmächtigen, allerheiligsten Dreifaltigkeit sorgt für die Geschöpfe durch ihre allwissende Liebe, durch ihre allsegensvollen Wohltaten, durch unveränderliche Wahrheit, welche zum Sichtbaren und Unsichtbaren führt, und nicht vernichten läßt, was in uns Gutes gepflegt wird für das Ewige. Denn sie ist unerschaffen und unvergänglich; sie ändert sich nicht, sondern sie ändert andere zum Guten. Das Leben der Geschöpfe (bewirkte sie) durch ihre wunderbaren Einrichtungen, das Nichtsein führt sie zum sichtbaren Sein. Die Verachteten macht sie herrlich durch ihre Ehre und ihren Schmuck unter Tüchtigkeit im Werke. Das Ungeeignete macht sie geeignet durch mancherlei Anordnungen zum Guten. Die in Zweifel Abgeirrten führt sie hinüber zum Vertrauen, und die Lüge, den Meineid und die Ränke des Bösen führt sie zur Wahrheit.

Das Gericht der göttlichen Ermahnungen hat er eingerichtet nach den heiligen Schriften zur Erleuchtung [S. 302] einer jeden Seele, damit sie mit lebendigem Eifer und mit vollkommenem Wissen am Guten teilnehme und das eindringende Unkraut des bösen Willens, der bösen Gewohnheiten und der bösen Werke ausrotte durch das Bekenntnis, und den zu Trägheit und Lauheit abgestandenen Sinn zur rechten Bahn lenke und zur Ausübung des Guten führe und sich hüte und klug werde. Die Widerspenstigkeit des Geistes und des Körpers sollen wir zur Unterwürfigkeit unter die geistlichen Regeln und Gewohnheiten bringen, ausrotten und ablegen die schlechte Gewohnheit in Furcht und Liebe. Alle Regungen sollen wir zu göttlichen erheben, und Tugenden üben zum Nutzen der Brüder mit großer Mühe und Anstrengung. Zeigen sollen wir die Bewährung der Freundschaft früh und spät, damit die gute Frucht sich zeige. Wie das Licht nicht zur Finsternis wird, sondern die Finsternis erleuchtet, das Leben nicht zum Tode wird, sondern die Toten lebendig macht im Herrn, so sollen wir das Schlechte meiden und das Gute vermehren durch die Gnade des Allmächtigen, damit wir erscheinen wie Leuchten in der Welt8, indem wir das Wort des Lebens in uns haben und vielen Führer sind durch ein makelloses Leben.

Den Schmuck der Frömmigkeit sollen wir auch diese Zeit zeigen nach den Regeln der Gerechtigkeit, indem wir durch Mitwirkung mit dem gütigen Willen des Schöpfers uns reine, heilige und wahrhafte Sitten erwerben. Durch zuversichtlichen und mutigen Glauben sollen wir das Unwürdige ablegen und durch würdige Hilfe das Nützliche sammeln, und so auf Erden den Namen der Tüchtigkeit und des Ruhmes zurücklassen und in der Schatzkammer des Himmels die ewigen Güter, wo Herrlichkeit und unvergängliche Güter bereitet sind denen, die auf den Herrn hoffen.

Diejenigen, welche das Irdische verachtet haben, die (werden den Lohn finden) in belebender Liebe, in unaussprechlicher Glückseligkeit, herrschend in der Hoffnung auf den Herrn mit gebührender Freiheit, zum Ruhme [S. 303] des Höchsten, zur Überwindung des Feindes, zur Erhöhung der Auserwählten. Diejenigen, welche hienieden den Feind stets besiegt haben durch den Glauben, werden dort beglückt und genießen unvergängliche Freuden und unaussprechliche Güter, welche sind im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist, dort ist jegliche Trauer ausgeschlossen, dort quellen hervor die verschiedenen Güter, welche sind und bleiben zum Genusse des ewigen Lebens für alle Heiligen Gottes gemäß der Seligkeit der heiligen Liebe zur Einladung zur Freude der Hochzeit. Diejenigen, welche nach dem Willen des himmlischen Vaters ihre Seele bereitet haben, welche auch geschmückt werden mit lichten Kronen zum Ruhme Gottes in unendlichen Freuden. Hier erhalten sie das Unterpfand der Hoffnung des Lebens, und dort werden sie eingereiht unter die Verdienstvollen zum Erbe des himmlischen Reiches. Hier sind sie frei von der Schmach der Verachtung, dort von den Drohungen des gerechten Gerichtes, von den Strafen der Buße und den Schäden der bitteren Qualen. Erquickt sind sie mit gerechtem Namen, bereichert sind sie mit heiligen und wahrhaften Gaben, verherrlicht in Glanz mit Ehre und Ruhm. Und so sind sie frei von den Drohungen und den Qualen der Hölle, weil sie an das Wort geglaubt haben, das vom Herrn über die Gottlosen und Sünder gesprochen wurde: „Weichet von mir, ihr Verfluchte, in das ewige Feuer, wo Heulen und Zähneknirschen ist, welches dem Satan und seinem Anhang bereitet ist9.“ Zu den Getreuen aber sagt er: „Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters in das Reich, weil ihr in wenigem getreu wart, will ich euch über vieles setzen; gehet ein in die Freude des Herrn10,“ in das ewige Leben mit den heiligen Engeln zum König der Herrlichkeit, der gesagt hat: „Wo ich bin, dort soll auch mein Jünger sein11“; der mit lebendiger Freude erfreut, die ihn lieben nach ihren Werken.

Durch ihre Mühen sind sie erhöht worden vom Herrn zum Erbe der unaussprechlichen, unerreichbaren, [S. 304] allgewinnenden Liebe, zum Erbe des unsterblichen und beispiellos unvergleichlichen und unermeßlichen Lichtes. Aufgewacht12 von den irdischen Dingen und von den sinnlichen Vergnügungen beherzigen sie mit Sorgfalt und Achtsamkeit die weisen Einrichtungen auf Erden, betrachten Tag und Nacht mit unaufhörlichen Bitten zum Herrn das wunderbare, lichte Land mit heißer Liebe und in dem Gedanken an die verheißene Kindschaft, verlangen mit Sehnsucht nach seinen Gütern und unterwerfen ihm den Willen der fleischlichen Regungen. Stärke erhalten sie vom Herrn durch heilige Hilfe, damit sie makellos seien, sich freihalten von fleischlichen Begierden und unter dem Schutzmantel heilig und makellos bleiben in der Beobachtung der geistigen Gesetze, bestärkt und behütet im Willen des Herrn. Und durch heilige Erkenntnis auferweckt zu den Verheißungen der himmlischen Berufung erhalten sie als Unterpfand der Liebe den Trost frei durch heilige Regungen. Und durch die Flammen der Liebe entfacht zum süßen Leben des lebendigmachenden Wortes, durch den Empfang des heiligen Geheimnisses, im Gedächtnis des Unaussprechlichen, schauen sie das Land der versprochenen Verheißungen. Wie es bei den Bienen zu beobachten ist, welche von den Blumen das Passende in die Zellen tragen und daraus die Süßigkeit bereiten, welche jeden bitteren und herben Geschmack versüßt, so sollen wir lebendigmachende Mahnungen hören und daraus das Nützliche entnehmen in Weisheit, damit wir jegliches Gute verstehen zur Bereitung des Glaubens und der wahrhaft reinen Sitten, und in süßer Hoffnung den untrüglichen Weg betreten, der zum ewigen Leben führt, und so gelangen in die Wohnungen des Lebens, zur Pforte der Erlösung. In heißem Verlangen und heftigem Durst werden wir kosten die Sorge der erfreulichen Süßigkeit des Gütigen und dadurch immer genießen die unaussprechlichen Güter mit weiser Vernunft in Christus, und um in heiliger Liebe zur Erneuerung sich zu nahen. Wir erhalten das Unterpfand des Lebens und bleiben in dessen Besitz ohne Mangel, zur unaussprechlichen und [S. 305] unendlichen Seligkeit gelangt, in Freude über die Beraubung irdischer Genüsse, welche den Geist irreführen und die Sinnlichkeit erregen, die der Schmach und Verachtung würdig sind in Strafen.

Auf Erden müssen wir das Himmlische beachten und erwägen mit Erwerbung des Wohlgefallens Gottes. Wir müssen den Sinn auf den richten, der über dem Himmlischen ist und dem, was darin ist, der Ursprung unseres Lebens und unserer Erlösung ist, der uns zu Mitarbeitern seines gütigen Willens gemacht hat, um die Verlorenen wieder zu finden, die Guten zu bewahren, damit wir zum Guten führen, die uns fern Stehenden uns nähern, die Fremden beherbergen und in liebevoller Fürsorge alle zur Erlösung führen und zum Leben, die uns ferne und nahe stehen; bereithalten den Willen zum Dienste der Brüder und zu allen Bedürfnissen des Guten; ablegen die Begierden nach dem Bösen und allen schädlichen Trug, in reinem Herzen und in makellosen Sitten und in rechtem Glauben in allem voranschreiten im Herrn, ihn lieben von ganzem Herzen und uns von seinem heiligen Dienste nicht trennen und durch seine Lehre alle Sinne erleuchten, wie die Erde von den Strahlen der Sonne erleuchtet wird. So sind wir in sein Gedächtnis eingeschlossen, und bestärkt von seiner fürsorgenden Liebe und seiner Lehre werden wir Genossen der Heiligen, indem wir zum Guten ermahnen, da die Gnade des Gütigen uns hilfreich zur Seite steht, den allmächtigen Gott, den Geber des Guten und indem wir in allem danken, preisen und rühmen ihn, der uns gewürdigt hat, Mitarbeiter seines gütigen Willens zu werden, und danken ihm für alles.

Wir wollen also in der Verfolgung wie im Frieden unsere Freundschaft gegen den Herrn zeigen, und er schenkt uns seine unerschöpflichen Gnaden; denn er will, daß alle leben und Erben werden des Ruhmes und der Größe, welche ist in Jesus Christus, unserm Herrn. Und wir, die wir durch ihn erlöst wurden, sollen jeder durch seine Mühen und Tugenden, gereinigt von den bösen Begierden, und vielen zur Ursache der Erlösung geworden, in wahrhaftem Wandel13 von der Erde hinübergehen in [S. 306] die himmlische Ruhe, in das liebliche Reich, um immer mit Christus zu sein und seine seligen Güter zu genießen. Und wie mit den Gliedern die Gestalt sich erhebt, so ruht auch der Glaube auf dem guten Werke, und durch den Glauben wird die Hoffnung fest, und durch die Hoffnung die Bewährung14. Und so sollen wir zur göttlichen Liebe mahnen, die Gnade des Heiligen Geistes empfangen, zu den Himmlischen kommen und Erben des unsterblichen Lebens werden, in den Wohnungen der Heiligen, zur lebendigmachenden Liebe, blühend in herrlichem Glanze, im Unaussprechlichen, Ewigen, um immer zu preisen die heiligste Dreifaltigkeit in alle Ewigkeit! Amen.

1: Schmid: Verschiedene Eigenschaften.
2: Matth. 11, 29.
3: Lukas 15, 7. 10.
4: Gen. 1, 31.
5: Joh. 6, 71.
6: Matth. 8, 29.
7: Joh. 12, 31.
8: Phil. 2, 15.
9: Matth. 25, 41.
10: Matth. 25, 23.
11: Joh. 12, 26.
12: andere Lesart: Gekräftigt.
13: 2 Joh. 4; 3 Joh. 3, 4.
14: Röm. 5, 4; 2 Petr. 1, 5 ff.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger