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Armenische Väter - Ausgewählte Reden aus dem Hatschachapatum
Reden und Lehren zum Nutzen der Zuhörer.

4. Erhärtung der Wahrheit und Anleitung in heilsamen Ermahnungen.

Den Weisen und Heiligen, welche ihre Weisheit aus den Büchern der Propheten, der Apostel und der Lehrer haben, ist es offenbar, daß nur eine Natur ist in der allerheiligsten Dreifaltigkeit an Macht, Herrlichkeit und Ewigkeit. Unbegrenztes Wesen, anfangslose Substanz, unveränderliche Wahrheit, Leben und Lebenspender für die Lebenden. Gott Vater ist Vater des eingeborenen Sohnes und Ausgang des Heiligen Geistes; Grund ihrer Subsistenz in derselben Natur. Vollkommene Dreiheit und eine Gottheit, verherrlicht immer von den himmlischen Mächten und von den Menschen, dieweil er Gott und Schöpfer ist. Denn aus Nichts hat er sie gemacht und alles Sichtbare und Unsichtbare im Himmel und auf Erden. Den Geistern und den Vernünftigen hat er freien Willen gegeben, wodurch sie ausgezeichnet erscheinen und den Vorzug der Vertrautheit zeigen mit dem Schöpfer, indem sie den Herrn der Ehre verherrlichen und seinen Willen erfüllen, seine Wunder erkennen und Schüler werden an Makellosigkeit und Reinheit. Und die Menschen sollen wohltätig werden bei den Wohltaten, weiden, heilen und führen in sichtbaren äußeren und unsichtbaren inneren Nöten gemäß allem Nützlichen unter Mitwirkung des Geistes nach den Gesetzen. Mit gutem Willen, gutem Sinne und guten Werken zeigen wir das Werk des Nutzens, damit wir gefestigt und gestärkt im Guten auch in demselben bleiben. Denn Gott ist die Quelle alles Guten und gibt heilsame Ermahnungen; er erleuchtet den Verstand aller zur Mitwirkung mit seinem guten Willen durch die Erkenntnis der heiligen Werke, einzutreten in das Erbe des Reiches, welches in das unendliche Leben führt. Das ist die Offenbarung, seine Güte, ohne Neid, und freigebig gegen die Geschöpfe; denn alle ruft er zu seinem Ruhme und seiner Seligkeit durch Mitwirkung mit seinem gütigen Willen.

[S. 283] Die Geschöpfe sollen übereinstimmen mit seinem guten Willen durch die gegebenen Gesetze und sie sollen Schüler werden des Wortes des Lebens. Denn zuerst erschien das Werk seiner alleinigen allmächtigen Kraft, seines Wohlwollens und seiner allwissenden Liebe, denn aus Nichts hat er gemacht Himmel und Erde und alle Geschöpfe auf ihnen, die sichtbaren und unsichtbaren. Alsdann werden durch die Güte der Verständigen und Vernünftigen auch diejenigen von ihnen, welche die Werke der Vertrautheit, des Gehorsams und der Liebe zeigen, in eine andere Würde versetzt werden, in den Rang und den Ruhm der Engel und Erzengel, Cherubim und Seraphim, der Engel und aller himmlischen Heerscharen, welche verherrlicht werden. Den Irdischen aber hat er die Gnade des Apostolates gegeben, die der Prophezie, des Priestertums, der Verkündigung des Evangeliums, der wahren Lehre, des Martyriums, der Jungfräulichkeit, der Reinheit, der vollkommenen Buße. Denn beide sind Diener und Schüler des einen guten Willens, die himmlischen Heerscharen und die Menschen. Denn einer ist Gott Vater, von dem alles ist, einer ist der Herr Jesus Christus, durch den alles ist, und einer ist der Heilige Geist, der Erneuerer, die heilige Dreifaltigkeit. Denn durch das Wort des Herrn sind Himmel und Erde gefestigt, und durch den Hauch seines Mundes all ihr Heer, wie vom Propheten gesagt wird1; er wird immer gepriesen von den Geschöpfen.

Es ist ein Unterschied im Range und in den Geboten bei Gott, bei den Engeln und bei den Menschen je nach ihrer Zuneigung und Liebe zu Gott. Denn von den Namen lehren uns die himmlischen und die irdischen, zu bleiben in Freundschaft, guter Gesinnung und guter Tat; auch andere anzuleiten zum Guten und nach dem Wohlgefallen des allmächtigen Herrn, und Widerstand zu leisten den Regungen schlechter Sitten; an die himmlischen Engel zu denken, damit wir dieselbe Ehre und denselben Ruhm erlangen und Diener werden des Wortes des Lebens und des Willens des Schöpfers durch wahre Predigt; untrügliches Wissen zu verbreiten vor den Ohren der Menschen, [S. 284] anzuregen zu guten Werken, den freien Willen zu zügeln zur Beobachtung der Gebote und Gesetze des Herrn. Wer dieses tut, ist den Cherubim ähnlich und erhält dieselbe Ehre vom Schöpfer. Und wer das Widersetzliche und Widerspenstige zum Gehorsam und zur Willfährigkeit und zu makelloser Reinheit erzieht, indem er aus Geist und Körper die schlimmen Pflanzen des Unkrautes der Bosheit, der Verkehrtheit, des Betruges, der Schlauheit und alles Bösen ausreißt, und die Sehnsucht weckt nach den göttlichen Gesetzen der Gerechtigkeit, der hat den Rang und die Ehre eines Seraph.

Wer aber wachsam ist zur Erprobung reiner und makelloser Tugend, und wer nicht lässig ist im Nützlichen für Seele und Leib, der hat den Rang, die Ehre und die Seligkeit der Wachsamen.

Wer den Verlorenen findet und den Gefundenen bewahrt und die von Zorn und Wut Erregten besänftigt zur Ruhe, zur Demut, zum Frieden, der ist dem Sohne Gottes ähnlich und wird sein Erbe nach seinem Worte: ,,Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden2.“

Wer die Fremden aufnimmt und die in Sünden Gefallenen aufhebt und die an Unglauben und Zweifel Kranken heilt durch den rechten Glauben und durch gute Werke, und wer die an Seele und Leib Entstellten reinigt durch aufrichtiges Bekenntnis durch das Bad der Gnade, und wer zur Buße kommt, der wirkt mit dem Heiligen Geiste mit und wird seine Wohnung gemäß den Worten: „Ihr seid Tempel Gottes, erbaut mit Gerechtigkeit und Heiligkeit; der Geist Gottes, so heißt es, wohnt in euch3“, mit seiner göttlichen Herrlichkeit in den Heiligen.

Wer die Hoffnungslosen erneuert zur Hoffnung des ewigen Lebens und die Abgeirrten und Getrennten beruhigt und durch Langmut zur Geduld bringt, in milder Fürsorge sich ihrer annimmt und sie durch die Gnade in Barmherzigkeit zum Guten führt und zur Erleuchtung der Gotteserkenntnis und der reinen Sitten, damit sie [S. 285] Erben Christi und des himmlischen Reiches werden; wer ihm ähnlich geworden ist in seiner Menschenliebe in Allem, der wird von der heiligen Dreifaltigkeit das ewige Leben erlangen. Denn durch Gottes Gnade ist er treu gewesen im Kleinen durch geistige und leibliche Mittel; denn: „Ich habe gehungert,“ sagt er, „und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mich getränkt4“ usw. „Was immer ihr einem von den Geringsten getan habt, habt ihr mir getan“, hat er gesagt, denn so ist die Fürsorge seiner Liebe gegen uns.

Diejenigen, welche nachlässig sind in guten Werken und den Gesetzgeber verachten und sich abwenden vom Herrn in Stolz und Unglauben, indem sie abfallen vom Worte des Lebens und sich auflehnen gegen die nachsichtige Herrschaft, die allmächtige Kraft, und so vielen Ursache ihres Unterganges sind, gehen der ewigen Güter verlustig und der seligen Hoffnung, sind dem Teufel ähnlich und werden dieselben Strafen erdulden in den ewigen Qualen. Hienieden schon sind sie den furchtbaren Drohungen des gerechten Richters verfallen wegen der gottlosen, ausschweifenden, bösen Werke.

Diejenigen, welche zügellos im Bösen schwelgen, durch Betrug Verderben säen, um andere vom wahren Glauben abzubringen und vom heiligen Leben und die beneiden, die Gutes tun, und widerspenstig sind und zornig und die Einfältigen verwirren, haben die Gesinnung der bösen Geister, und werden ihre Erben in den ewigen Qualen, seien es Geister oder solche, die auf Erden wohnen.

Wer gleichgültig ist im Laster, schamlos in der Ausschweifung und sich zu verschiedenen Begierden verleiten läßt, aus trügerischem Grunde, wer wächst in der Ungerechtigkeit, im Stehlen, Fluchen, Schwören, wer durch seine vielseitige Lasterhaftigkeit vielen zum Verderben wird, ein solcher erhält den häßlichen und schimpflichen Namen. Er beraubt sich des lebendigen Lichtes und des Ruhmes der Heiligkeit und kommt in die äußerste Finsternis, wo Feuer (brennt), zudem deren [S. 286] Wurm nicht stirbt und deren Feuer nicht erlischt, und wird ein Schauspiel aller Menschen.

Diejenigen, welche verhärtet sind im Bösen, voll Ungerechtigkeit im Sichtbaren und Unsichtbaren, voll Ausschweifung und Torheit, bereit zu schlagen, zu rauben, zu bedrängen, zu töten, zu verderben, erhalten die unbarmherzigen Strafen der Übeltäter. Denn die Bösen gehen durch das Böse zugrunde. Hast du die gerechte Vergeltung Gottes mit dem Maße nach den Gedanken und Werken eines jeden erkannt? Es wurde nämlich den Menschen ein Gebot gegeben, festzustehen in makelloser Reinheit, das Erlaubte und Rechte zu tun, unbeweglich zu bleiben im Guten, wie gesagt wurde. Denn so können sie der Gnade der Prophetie teilhaftig werden und werden vertraut mit dem wohltätigen Willen des Herrn durch wahre Predigt, und können jeglichen Sinn vom Schlafe wecken zum Ausblick auf die Hoffnung und zur Erwartung der lebendigen Verheißungen, die gegeben sind, und Erben zu werden des unerforschlichen Ruhmes, der den Gerechten gebührt.

Und diejenigen, welche sich entfernen von der Täuschung des leiblichen Lebens, ihren Sinn reingewaschen vom Stachel des Bösen durch die Gnade, durch aufrichtige Reue, durch Buße, durch Tränen, das Böse zu hassen, das Gute zu lieben, die Fälschung der Lehre zu hindern, der heiligsten Dreifaltigkeit Gaben darbringen durch den wahren Glauben, die also würdig werden, empfangen den Namen der Apostel der Verheißungen des Neuen Bundes und werden Erben des himmlischen Reiches. Auch diejenigen, welche zuerst das Wirken leisten gemäß der richtigen Predigt; denn diejenigen, deren Werke von ihrer Predigt Zeugnis geben, sind angenehm für die Zuhörer, um die falschen und trügerischen Regungen der Sinne zu unterdrücken. „Denn diejenigen, welche Christen sind,“ sagt der Apostel, „haben ihren Leib gekreuzigt samt Laster und Gelüsten5.“ Und solche sind die Wohnung der Gottheit und Zeugen der Wahrheit allen Gläubigen.

[S. 287] Diejenigen aber, welche in Einfalt und Heiligkeit auserwählt werden, nachdem sie Geist und Körper von jeglichem Bösen gereinigt, vom Sichtbaren und Unsichtbaren, sind würdig der Berufung des Heiligen Geistes, mit Tugend geschmückt wie die heldenmütigen Märtyrer, durch makellose Reinheit die immerwährenden Regungen des Fleisches abzuweisen, die fleischlichen Leidenschaften zu unterdrücken und die geistigen zu wecken, die Reinheit und jegliche Gerechtigkeit durch das Verlangen darnach und unerschlafft in nützlichem Wissen und zur Erlösung des Nahen und Fernen. Diejenigen, welche mit solchen Sitten geschmückt sind, sind würdig der Salbung des Heiligen Geistes, Priester Gottes zu werden und das Volk dem Herrn darzustellen, indem sie eifern für die guten Werke und den Dienst der heiligen Dreifaltigkeit durch die Gnade der heiligen Taufe und teilhaft des Fleisches und Blutes Christi gemäß der Kindschaft; auszuziehen den alten Menschen und anzulegen den neuen, welcher nach dem Bilde Gottes ist, gerecht und heilig, frei vom Bösen. Diejenigen, welche um das Vergängliche sich nicht kümmern und das Ewige als Erbe erhalten wollen, werden das fleischliche Leben hassen, das geistige aber lieben, als Helden durch die Tugend; denn sie erhalten den Namen der Bekenner, Zeugen und Märtyrer, welche mit Seligkeit gekrönt werden.

Diejenigen, welche bekleidet sind mit der makellosen Reinheit der Jungfräulichkeit und mit der Einfalt des wohltätigen Willens, und nach der Gerechtigkeit der Gesetze und der Gebräuche der heiligen Väter, die sind es, welche eindringen in das Gemach des Lichtes und teilnehmen an dem Ruhme des unsterblichen Königs. Diejenigen aber, welche gefallen sind in die Versuchungen häßlicher und schlimmer Sünden durch die Täuschungen Satans, die sollen das lebendige Wort bedenken, das da heißt: „Kehret zurück zu mir von der Sünde, bekennet und tuet Buße; und ich kehre mich zu euch zur Erbarmung durch die Gnade, euch zu heilen, zu erlösen und zu beleben6,“ damit der vom Herrn Bestärkte siege über die gewohnten Begierden und die Täuschungen des Bösen, [S. 288] was für Geist und Körper einen mühevollen Kampf bedeutet. Und geschmückt mit den Kämpfen der Tugend, werden sie den Fürsten der Sünde überwinden und beschämen als ein Unterpfand durch die Hoffnung und die verheißene Auferstehung, damit wir durch den Leib und das Blut des Herrn befreit werden von den Qualen und Erben des Reiches. „Ruhm, Ehre und Frieden demjenigen, der Gutes tut,“ sagt ja die Schrift, „aber Zorn, Bedrängnis und Qualen dem, der Böses tut7.“ Siehst du, nachdem er so auserwählt und erforscht, läßt er nicht von der Barmherzigkeit, für seine Geschöpfe zu sorgen; sondern die Verirrten führt er zurück, die Gefallenen richtet er auf, die Gesunkenen erhebt er, die Gebrochenen befestigt er, die Kranken heilt er, die Schmutzigen reinigt er durch Tränen, die Zweifelnden befestigt er im Glauben, und alle erleuchtet er.

Wer nun wäre imstande, dem (guten) Wohltäter zu danken, der allseits bestrebt ist, seine Geschöpfe zu beleben? Die Drohungen facht er an wie Feuer über die Gottlosen und Sünder, über die Unreinen und Befleckten, damit sie ablassen vom Bösen und dem Zorn entgehen, der kommen soll. Und die Verheißungen verbreitet er wie das Licht, damit sie aufgeweckt und gleichsam vom Schlafe aufgerüttelt, zum Guten gelangen und vom Schöpfer die lebendigen Güter erben. Diejenigen aber, welche sich nicht bekehren und nicht Buße tun, denen sind Qualen bereitet vom Herrn, jedem einzelnen. Denn wie er gütig genannt wird, weil er für seine Geschöpfe sorgt, barmherzig, weil er Gnaden spendet, langmütig, weil er nachsichtig ist, heilig, weil er heilig macht, Licht, weil er erleuchtet, so wird er auch mit Recht gerechter Richter genannt, der nach seinen Gesetzen vergilt, nach guten und bösen Werken. Wessen Werke und Willen jemand hat, dessen Name und Ruhm erbt er oder Verachtung gemäß den Strafen der Bösen von dem gerechten Richter. Denn wie wir die irdischen Richter gerecht nennen, welche die Übeltäter, die Schmutzigen und Ungerechten dem Gefängnis, den Ketten, den Qualen und dem [S. 289] Tode überliefen, damit das Land Ruhe erlange, und sie selbst verherrlicht werden, so verstehen wir es auch vom Gerichte Gottes.

Niemand zweifle: wer weiß, daß von dem menschenliebenden Gott für die Sünder Strafen bereitet worden sind? Daran erinnert die Vernichtung, die durch die Sintflut entstand8; alle Lebewesen gingen zugrunde, außer die in der Arche, welche von Gott gezeigt wurde. Wenn du jedoch dem nicht glaubst, dann gehe nach Sodom und Gomorrha zu den fünf Königsgeschlechtern und du wirst den Ausgang des Unheils schauen nach der Erzählung, wonach der Herr Feuer und Schwefel vom Himmel regnen ließ und Menschen und Tiere verbrannte, die Vögel des Himmels und die Fische im Meere, die Steine und die Erde, das Wasser und die Wälder.

Und wenn du dies für zu entfernt hältst, dann denke an den Hunger zu verschiedenen Zeiten, das Schwert, die Gefangenschaft, vorzeitige Todesfälle, den Tod der Tiere, auch an die Hagelschläge, Schmerzen und verderbliche Krankheiten, an den Aufruhr des Vaters gegen den Sohn, an die Uneinigkeit der Kinder, an den Haß der Brüder und Freunde untereinander, an harte Schicksalsschläge und an den Tod; wegen der Sünde ist dies, sagen uns die göttlichen Schriften. Denn die Kenntnis der Wahrheit und Weisheit, das Streben nach den Künsten, je nach der Neigung, wird vom allmächtigen Vater und Schöpfer und vom erlösungbringenden Herrn, an alle Geschöpfe verteilt. Denn er ist die Quelle des Lebens, der Geber des Guten, der Lehrer und Schöpfer des Sichtbaren und Unsichtbaren. Und die Weisen unter den Menschen gingen von ihm hervor für die verschiedenen Künste und Erfindungen. Denn zuerst werden die Künste im Verstande ausgedacht und alsdann wird das Denken an die Dinge gelehrt für die Wahrnehmung. Durch wahre Unterweisung erhalten sie von den Gnaden des Spenders wie Beseleel und seine Genossen zur Erbauung des Zeltes. Denn der Heilige Geist gab ihnen die verschiedenen Arten der Künste ein. Denn zuerst wurden sie selbst [S. 290] erfahren in den Künsten durch die Gnade des Heiligen Geistes, sodann haben andere von ihnen gelernt bis auf diese Zeit.

Wer die Schlosserei gelernt hat oder die Goldschmiedekunst oder andere Künste, der kennt die Einrichtungen der Dinge und die Beschaffenheit der Hausgeräte und sorgt immer, daß er schöner mache die Waffen, Schmuckgegenstände oder andere Einrichtungen, die im Lande bekannt sind. So auch die Ärzte, die am Pulse die Schmerzen erkennen, und durch Heilmittel die Gesundheit schenken durch die Gnade Gottes. Aber auch die Kleidermacher, die Maurer, Erdarbeiter und die Köche, und was es sonst noch für Künste gibt für die Bedürfnisse der Menschen, haben sie nicht in Wahrheit von der Gnade Gottes den Sinn dafür? Des Lobes, der Ehre, des Lohnes sind diejenigen würdig, die ihn erhalten. Diejenigen aber, welche im Leichtsinn und Verachtung über die Kenntnis der Künste hinweggehen, machen sie nutzlos; alsdann wenden sie den Sinn ab von den Künsten in ihrem Leichtsinne, und es treten Häßlichkeit und Verderbnis zu Tage wie bei Toren. Und die Künste kommen dem Verstande der Weisen abhanden, die Arbeit wird schlecht und nutzlos, die Künstler werden mißachtet und beschämt und geraten in Schaden, Strafen und Qualen, verachtet von jedermann.

So ist auch die Ordnung des Christentums und des Gottesdienstes zu beachten, damit es durch jegliche Weisheit und Kenntnis die Sitten und den Sinn zum Guten lenke durch die Lehre der geistigen Gesetze und nach dem Wohlgefallen des gütigen Willens des Schöpfers. Der Mensch soll Tag und Nacht an den Willen des Herrn denken9, den Sinn und das Gefühl erinnern an die Furcht Gottes, damit der Verstand bereit sei, bei allen Bedürfnissen der guten Werke das Gute zu denken und zu tun unter der Leitung desjenigen, der das Himmlische verleiht und mit Fleiß erfüllt, sich die Gotteskenntnis zu erwerben. Zu jeder Zeit soll er auf den Willen des Herrn schauen, immer in seiner Liebe und Furcht stehen; denn [S. 291] er kann das Nichts zum Sein bringen, die Verachteten geachtet machen, die Sünden tilgen durch aufrichtiges Bekenntnis und Buße, und in Weisheit führen nach den Künsten der Gerechtigkeit. Immer soll er ein Leben führen, das dem allmächtigen Herrn wohlgefällig ist, unerschütterlich im Glauben und rein in den Sitten. In der zuversichtlichen Hoffnung auf das ewige Leben soll er dort alle Schätze sammeln, wo die Motten sie nicht verzehren und Rost sie nicht verdirbt und Diebe sie nicht entfernen aus der göttlichen Hut.

Und es ist schön, im Andenken der heiligen Liebe ungetrennt bei ihm zu bleiben in unbefleckter Reinheit. Aber auch dankbar zu sein gegen die Fernen und Nahen, in Bedrängnis und Ruhe immer bei der Wahrheit zu bleiben. Aus Herz und Sinn die falschen trügerischen Regungen der Täuschungen zu bannen, die kommen mit häßlichen Begierden des hinterlistigen Bösen und mit unbeugsamem Stolz. Durch Reue und Buße das Herz zu reinigen vom Stachel des Bösen, und einen guten Willen sich zu erwerben gegen alle Menschen. Und eifrig zu sein in der Beobachtung der Gebote, immer gefesselt von der Liebe zu Gott, und den Sinn darauf zu richten, damit wir sein Mitleid auf uns lenken in seiner lebendigen Fürsorge. Und aus Furcht vor ihm, sich zu hüten und sich zu bessern in inniger Liebe und im Glauben, und wachsam und bereit zu sein, und sich fernzuhalten von allem Irdischen, welches den heilsamen Nutzen hindert und verdirbt. Nichts Schädliches zu reden, was nicht würdig ist, sondern Wahres und Nützliches. Und nicht zu hören auf die Sage des Truges, sondern auf jene, die zum Göttlichen mahnt in den heiligen Schriften Gottes. Und nicht dahin zu schauen, wo nichts Würdiges ist, auf die Verschwender in leiblichen Vergnügungen. Und frei zu sein von Geiz, und eifervoll im Guten gegen alle, hilfreich den Schwachen an Geist und Körper. Und es ist nicht würdig, die Sekten aufzusuchen und bei ihnen zu verharren zum Verderben. Hüten soll man sich vor jeglicher Ungerechtigkeit, vor Zorn, vor dem Schlagen, vor dem Rauben, vor Beleidigung, vor dem Schwören, vor dem Lügen, vor der Rachsucht, vor der üblen Nachrede, vor Betrug, vor dem [S. 292] schädlichen Bösen, damit nicht der Herr zürne und diejenigen verderbe, die solche Sitten haben.

Diejenigen dagegen, welche Tugenden zeigen, werden Auszeichnungen, Ehre und Geschenke und die ewige Seligkeit vom Herrn erhalten. Denn alle Regungen, welche im Menschen sind, werden vom Willen bewegt zum Guten oder zum Bösen; denn für beides haben sie freien Willen, für das Gute und das Böse. Vielerlei ist der Same des Guten im Menschen, damit er durch die unsichtbare Liebe Gottes sichtbar zeige die Früchte des Guten und wachsend im Guten verherrlicht werde zum Ruhme der Heiligen und teilhaftig werde der Verheißungen des Lebens. Die schlechten und schlimmen Sitten aber, welche vom Samen des Bösen wie Unkraut entstehen, zeigen sich an den Unreinen, indem das Unsichtbare sichtbar wird. Sie nehmen den Samen des Guten nicht auf nach der Unterscheidung der Gesetze; deshalb werden sie zur Vergeltung vom Herrn das ewige Feuer erhalten mit den Würmern, die nie sterben, denn das Gute haben sie gehaßt und das Böse geliebt; denn es geschieht die Auswahl des Guten und des Bösen von Gott nach dem Rechte. Denn je nachdem sie ihren Sinn zum Guten oder zum Bösen wenden, wird ihnen auch vergolten werden.

Durch die Liebe Gottes wird die Heiligkeit gefestigt: die guten Gedanken, die Rechtgläubigkeit, die Guttätigkeit, die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Nächstenliebe, die Sanftmut, die Demut, der Gehorsam, die Arbeitsliebe, die Einfalt, und was sonst noch für Tugenden sind zu heilsamem Nutzen beobachtet im Sichtbaren und Unsichtbaren. Das Mitleid müssen wir lieben mit gutem Willen, die Barmherzigkeit mit süßen Gaben, die Langmut mit freudiger Bereitwilligkeit, unverdrossenem Eifer im Gebet, durch strenges Fasten. Dies müssen wir lieben, dies bewahren, in diesem eifrig sein allezeit und durch solche Sitten zeigen die Erprobung der Echtheit der Liebe zum himmlischen Vater, dem eingeborenen Sohn und dem Heiligen Geiste, der gleichmächtigen Herrlichkeit.

Und was diesem entgegengesetzt ist, müssen wir hassen, nämlich das Schlechte, die Begierden nach dem [S. 293] Bösen, die bösen Gedanken, die bösen Werke der Ungerechtigkeit, den Irrtum, die unreine Zügellosigkeit, die falschen Schwüre der trügerischen Hinterlist, liebeloses, widersetzliches Betragen, Zorn vom Ärger erregt, Frechheit in Beleidigungen, hartnäckigen Ungehorsam, Trägheit und Weichlichkeit, Ausgelassenheit und Possenreißerei, Schamlosigkeit und Zügellosigkeit, Rachsucht und Eifersucht, Völlerei und Trunkenheit, Ruhmsucht und Stolz mit allen Fehlern, entsetzlicher Schlechtigkeit und gleichgültiger Unreinigkeit, welche voll ist von Verächtlichkeit.

So sind die schlechten Sitten und der verderbliche Same des Unkrautes. Denn für sich von Natur aus ist das Schlechte nicht schlecht und das Gute nicht gut; sondern es liegt an der Absicht, gut oder schlecht zu werden; aus Liebe zu Gott das Gute lieben und das Böse hassen, heißt das Gute begründen. Das Gute hassen und das Böse lieben ist schlecht. Im Guten eifrig sein und gut werden ist gut; im Bösen eifrig sein ist schlecht, doch ist es derselbe Eifer. Nach dem Guten streben ist gut, nach dem Schlechten schlecht; doch ist es dasselbe Streben. So ist es auch zu verstehen mit dem Eifer und dem Streben bezüglich alles Bösen und Guten. Denn der gütige Herr aller hat das Gute in die Menschen eingesät und ihnen den freien Willen gelassen, Gutes oder Böses zu üben, je nachdem sie wollen; durch Tugend neigt er immer zur Bewährung der Frömmigkeit, durch Lüsternheit (immer) zum Bösen. Die Lenkerin der guten Sitten ist die Gottes- und Nächstenliebe; denn die Liebe denkt nichts Böses. Die Lenkerin der schlechten Sitten ist die Gottlosigkeit und die Selbstliebe; um nach den Worten des Apostels, fern zu sein von Gott und zu erfüllen den Willen des Fleisches und des Herzens und ein Kind des Zornes zu werden10. Und wiederum sagt er: „Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir11.“ Das ist der Wille Christi: Gerechtigkeit, Heiligkeit, Wahrheit. Abermals sagt er: „Weinend sage ich, (über sie) als Feinde des Kreuzes Christi, und das Ende Verderben; sie denken nur an das Irdische, reden und tun das Böse, voll von jeder Ungerechtigkeit [S. 294] und schlimmen Lastern12.“ Diejenigen aber, welche anstatt Böses Gutes tun, die sind der Krone des Ruhmes und der Ehre wert mit den Heiligen.

Wer sagt, er liebe Gott, seinen Bruder aber haßt, der ist wie einer, der findet und verliert, füllt und ausschüttet. Denn laßt uns zu jeder Zeit dem Guten folgen, und Widerstand leisten im Kampfe gegen das Böse. Wer Anlaß gibt zum Bösen, wird auch die Vergeltung des Bösen erhalten; so wird auch der, welcher Anlaß zum Guten gibt, Gutes erhalten vom allmächtigen Herrn und erben die ewige Glückseligkeit. Die, welche das Gute hindern und das Böse lieben, werden gequält im Feuer der Hölle mit den Teufeln als Verdammte. Und über beide spricht dort das untrügliche Wort Christi das Urteil: „Die Gerechten werden eingehen in das ewige Leben, die Sünder in die ewigen Qualen, welche dem Satan und seinen Engeln bereitet sind13.“ Es ist gesagt vom Antichrist: „Der Mensch der Ungerechtigkeit, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, den mit dem Geiste seines Mundes als den Bösen tötet Christus14.“ Dieselben Strafen für diejenigen, welche dasselbe tun, für die schlechten Sitten und die bösen Werke. Diese befiehlt der Prediger zu vernichten, die Glieder der Sünde, die Begierden nach jeglichem Bösen, wie er sagt: wer ein Mensch der Sünde ist, ein Sohn des Verderbens, ein Erbe der ewigen Qualen. Wer aber heilige, makellose Sitten besitzt, nach dem Gebote Gottes, der wird gerecht, heilig und wahrhaft genannt, in aller Tugend vollendet in Christus, Erbe zu werden des himmlischen Reiches und der unvergänglichen Güter.

Solche Mahnungen müssen wir immer gegenwärtig haben, und dürfen wir nie uns aus dem Geiste entschwinden lassen; wie ein Gegengift, welches die Schmerzen des Geistes und Körpers heilt, und Gesundheit schenkt den Feinden, welche die Sichtbaren und Unsichtbaren schädigen in der Rechtschaffenheit. Bemühe dich also, diese Mahnungen des Lebens zu lernen, zu hören und immer [S. 295] zu befolgen; denn sie verzehren die Gottlosigkeit, Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit der Menschen, richten die in Sünden Gefallenen wieder auf und bewahren stets die Gerechten. Denn wer seine Früchte zur Zeit bringt, der ist wie ein Baum, welcher an Wasserbächen gepflanzt ist, (d. h.) in geistigen Ermahnungen, und alles, was er tut, wird ihm gelingen15, sagt die Heilige Schrift. Und er wird hören von Christus: „Du guter und getreuer Knecht, weil du in Wenigem getreu warst, gehe ein in die Freude deines Herrn, welche dir bereitet worden ist gemäß deiner Arbeit16.“ Wer Ohren hat zu hören, der höre die geistigen Ermahnungen durch die Gnade Gottes in Christus Jesus, unserm Herrn, dem Ehre sei in Ewigkeit! Amen.

1: LXX= Ps. 32, 6 [Hebr.=Ps. 33, 6].
2: Matth. 5, 9.
3: 1 Kor. 3, 16.
4: Matth. 25, 35.
5: Gal. 5, 24.
6: Mal. 3, 7.
7: Röm. 2, 10.
8: Vgl. 2. Petrus 2, 5 ff. Judas 7.
9: LXX=Ps. 1, 2 [Hebr.=Ps. 1, 2].
10: Eph. 2, 3; 2 Kor. 5, 6.
11: Gal. 2, 20.
12: Phil. 3, 18. 19.
13: Matth. 25, 46.
14: 2 Thess. 2, 3. 4.
15: LXX=Ps. 1, 3 [Hebr.=Ps. 1, 3].
16: Matth. 25, 21. 23.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
Bilder Vorlage

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger