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Armenische Väter - Ausgewählte Reden aus dem Hatschachapatum
Reden und Lehren zum Nutzen der Zuhörer.

3. Tadel der verdorbenen Gesinnung und Kennzeichen der Gottesverehrung.

Unvergleichlich allmächtig ist die allerheiligste Dreifaltigkeit, von der anfangslosen Wesenheit und der Ewigkeit sind erschaffen worden alle Geschöpfe, die [S. 272] sichtbaren und unsichtbaren. Himmel und Erde und alles, was darauf ist, ist von dem einen Schöpfer gemacht durch allmächtige Kraft, allbeleuchtendes Licht, von dem belebenden Herrn; denn alle Geschöpfe sind voll seiner Herrlichkeit. Durch seinen allwissenden, allweisen, allsehenden, gütigen Willen, sorgte er für seine Geschöpfe, welche er aus dem Nichts ins Dasein gerufen: die geistigen und die leiblichen, die lebendigen und die leblosen. Und alle Elemente hat er nach vier Maßen gemacht: nach Höhe, Tiefe, Breite und Länge. Und die er lebendig gemacht hat und unsterblich, verständig und vernünftig, das sind die Scharen der Engel und die himmlischen Mächte, welche angeordnet sind zum Ruhme, zur Verehrung und beständigen Verherrlichung des allmächtigen Herrn. Auch setzte er Lichter an den Himmel zur Leitung und Unterscheidung der Tage und Zeiten, zum Wachstum des Menschen, und aller Lebewesen, auch der Kräuter und Pflanzen. Er hat auch das Feuer und das Wasser gemacht, die Wolken und die Winde für die Bedürfnisse der verschiedenen Kräuter und Pflanzen, welche alle für die Bedürfnisse des Menschen gemacht sind. Und was im Wasser schwimmt, auch die Fische, die Gattungen der Tiere mit verschiedenen Naturen und verschiedenen Gestalten im Meere und auf dem Lande; große und kleine, zahme und wilde, nützliche und unnütze. Ähnlich ist es auch mit den Kräutern und Pflanzen, welche für die Bedürfnisse des Menschen und nicht des Schöpfers gemacht sind. Er hat auch das Gold gemacht, Silber, Kupfer und Eisen, edle und unedle Steine; für die Bedürfnisse des Menschen und zum Zeugnisse der Größe Gottes sind sie gemacht. Und aus vier Stoffen hat er das Sichtbare ins Dasein gerufen: das Feuchte und das Trockene, das Kalte und das Warme ist von Gott geschaffen.

Und aus demselben Stoffe hat er den Menschen erschaffen, und ihm einen Geist eingehaucht, lebendig und unsterblich, verständig und vernünftig. Und er hat das Geistige mit dem Leiblichen vereinigt, damit (der Mensch) den Beweis seines guten Willens vor dem Schöpfer zeige, sich enthalte und in geistiger Liebe das Gebot beobachte durch die Furcht des Herrn, auf daß er Gott [S. 273] wohlgefalle und Erbe werde der unendlichen Glückseligkeit: „Er hat den Menschen erschaffen“, sagt (die Heilige Schrift), „nach seinem Ebenbilde, und der Herr hat ihn gesetzt über alles; nach seinem Ebenbilde hat er ihn gemacht1;“ das ist gemäß der Menschwerdung Christi zu verstehen. Und mit freiem Willen hat er Menschen wie Engel ausgezeichnet und sie erfüllt mit Wissen und Weisheit, wohlunterrichtet in allem durch geistige Mahnungen zum Wohlgefallen seiner Herrlichkeit, damit sie Aufseher der Geschöpfe des Schöpfers seien nach seiner Anordnung. Und der einsichtsvolle Mensch sollte durch seine Kunst alle Elemente brauchbar machen, um Dörfer und Städte zu bauen auf der Erde. Aber auch Geräte, Werkzeuge und Gefäße sollte er kunstgerecht verfertigen für die Bedürfnisse des irdischen Lebens der Welt, von welcher die Bedürfnisse bestimmt werden.

Auch den Tieren, den zahmen und wilden, und den Vögeln gab er Anlagen und Sinn für ihre Bedürfnisse. Deren Kenntnis regt die Anlagen zur Tätigkeit an; und der Lehrer ihrer Anlagen (lenkt) den Sinn der Menschen auf die Bedürfnisse eines jeden und zu unserem Dienst. Unter ihnen gibt es kleine und große, wertlose und nützliche, notwendige und nicht notwendige, häßliche und schöne, damit das Gute sich unterscheide von dem Bösen, das Wertlose von dem Wertvollen. Wie in der Finsternis das Licht sichtbar ist, und unter den Tieren der Vernünftige, unter dem Schädlichen das Unschädliche und unter dem Unnützen das Nützliche, so ist es auch bei den Pflanzen und Kräutern, verschieden an Geruch und Geschmack, süß und bitter, angenehm und widrig, damit das Gute vor dem Bösen sich zeige, was zu Heilmitteln und Heilungen bestimmt ist nach Gottes Anordnung. Und es gibt solche, welche unbekannt sind, und solche, welche bekannt sind nach den verschiedenen Gegenden. Auch von den kriechenden Tieren gibt es einige Dinge, die nützlich sind z. B. von den Schlangen Theriak.

Denn so hat der Schöpfer die Fürsorge für seine Geschöpfe angeordnet, die sichtbaren und unsichtbaren; und [S. 274] über all das Sichtbare hat (er2) den Menschen zum Herrn, Beherrscher und Besitzer gemacht der sichtbaren Dinge, Bildner durch den (in den sichtbaren Dingen kunstfertigen) Verstand. Denn aus Nichts hat er alles gemacht und darüber zum König gesetzt den Menschen und ihn erhöht, damit dadurch der Schöpfer erkannt und immer verherrlicht werde, und der Mensch seine Ehre erkenne, den er von der Niedrigkeit zur Ehre emporhob vor allen Geschöpfen. Durch seine kunstvolle Einsicht, die er vom Schöpfer hat, soll er das Beseelte und Unbeseelte gebrauchen können; damit offenbar werde das Werk der Weisheit an allem, was unter Botmäßigkeit vom Herrn gebraucht wird zum (Werk des) Nötigen, oder auch zum Baue, zum Schmuck oder zu sonstigem Aufwand. Im Besitze dieses fürstlichen Reichtums soll er den Wohltäter auf immer verherrlichen. Denn die gleiche Ehre erhielten die Menschen und die Geister, die Unkörperlichen und Unsterblichen; und er hat sie zu Prüfern und Lobrednern der Schöpfung gemacht, welche ihn immerfort preisen sollen durch die gegebenen Gesetze, damit sie durch ihren freien Willen befestigt würden im Glauben der Wahrheit und den Schöpfer und die Geschöpfe voneinander unterschieden, den Ernährer und die Ernährten, den Lebensspender aller Lebenden, wodurch er die Bedürfnisse aller Geschöpfe befriedigt.

Denn es geziemt sich auch, zu jeder Zeit zu ihm zu beten und zu erflehen die Überwachung der geistigen und leiblichen Wesen, und Mitwirker zu werden mit dessen gütigem Willen und ohne Sünde zu bleiben vor dem wohlwollenden Gott. Und nach diesem Beispiele sollen wir übergehen: vom Verdorbenen zum Guten, von der Verachtung zum Ruhme, von der Knechtschaft zur Freiheit des Sohnes Gottes und zum Wachstum im wahren Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, damit wir Erben seien des himmlischen Reiches und der ewigen Glückseligkeit. Denn er ist der Schöpfer von allem, der gemacht hat zu seinen Dienern die Geister, und zu Flammen des Feuers3 die himmlischen Heerscharen. [S. 275] Und den Menschen, den er aus Erde gebildet, erhält er nun am Leben durch die Darbietung der Mittel. Von den Engeln werden sie erzogen zum geistigen Leben nach der Vorsehung Gottes, der zur Hilfe Gesetze gab, die von den Engeln verkündet wurden.

Auch gefiel es Gott, unter den Menschen Prediger der wahren Überlieferungen zu bestellen, welche als treu befunden wurden gegen seine Gebote und Gott wohlgefielen, und viele Menschen zur Erkenntnis Gottes zurückführten und zur Rechtschaffenheit nach dem Willen des Schöpfers des Lebens. Diejenigen aber, welche als Verächter Gottes befunden werden und eitel in ihren Gedanken, und deren Herz verfinstert ist in Unverstand, sind, wie der Apostel sagt, der überschwenglichen Wohltaten beraubt worden4. Denn sie haben nicht allein die Fürsorge des Schöpfers vereitelt durch ihre widerspenstige Lebensart und ihre entgegengesetzten Schritte, sondern haben auch den Zorn Gottes auf sich herabgerufen, von dem gerechten und menschenliebenden Richter. Sie sind weggefallen aus dem Ruhm und der Ehre, der Fürsorge seines gütigen Willens und der Erziehung durch die Engel, die sie unterstützten.

Diejenigen aber, die in der Freundschaft geblieben sind durch Geduld in allen Bedrängnissen, genießen seine Fürsorge jetzt und in Zukunft. Und die abgeirrt sind von der Wahrheit, über denen ruht der Zorn Gottes. Denn alle Elemente haben sie zu Göttern gemacht, die vernünftigen und unvernünftigen (Wesen), Wasser und Feuer. Das Wasser aber wurde für die Bedürfnisse der Lebendigen geschaffen von Gott, der die Erde bewässert; das Wasser geht auch wieder zurück, indem er es verdirbt oder verringert. Auch das Feuer wurde für unsere Bedürfnisse geschaffen, welches durch (Brenn)materialien angefacht wird und uns Dienste leistet; wenn ihm Nahrung fehlt, geht es aus und erlischt. So sind auch die Winde und die Wolken für die Bedürfnisse der anderen Geschöpfe geschaffen und nicht aus sich selbst geworden; sie sind aber vergänglich, sofern sie durch Überfluß und Mangel nützen oder schaden, indem sie ihre Schwäche zeigen. Und [S. 276] Himmel und Erde sind nicht von selbst entstanden, und was auf ihr kriecht und das Leblose, sondern von Gott geschaffen und vergänglich. Der Himmel mit den Gestirnen, die Erde mit den Lebewesen, den Pflanzen und Kräutern, und alle handfertigen Künstler, welche von den Geschöpfen Gottes Götzenbilder machen, sind falsch und vergehen, wie jedem Weisen klar ist. Auch das Gold und Silber und die herrlichen Edelsteine, Kupfer und Eisen sind von geschickten Menschen geformt worden zu irgendwelchen Bedürfnissen oder auch zur Verschönerung irgendeines Gegenstandes, indem die Weisheit Gottes Vorsorge getroffen hatte, daß sie mit dem Schöpfer gemeinsam wirkten (?). Denn Himmel und Erde und all ihr Schmuck sind von Gott aus Nichts gemacht, und die Elemente sind keine Götter, sondern samt und sonders Geschöpfe des Schöpfers.

Geschöpfe Gottes sind auch die Gestirne: die Sonne, der Mond und alle Sterne, welche durch ihren Wechsel ihren Dienst anzeigen nach der Bestimmung der anderen Geschöpfe. Und sie machen uns offenbar, daß sie Geschöpfe sind, indem sie nützen oder schaden durch die Wärme des Sommers und die Kälte des Winters, durch den im einzelnen genannten Nutzen oder Schaden, wie verständlich ist. Denn wie die Menschen nicht in der Beobachtung der Gebote Gottes geblieben sind und (nicht) das Nützliche genossen nach der Anordnung des Fürsorgers, sondern eitel geworden sind, so sind auch die zum Lebensunterhalt dienenden Geschöpfe verändert worden vom Nützlichen zum Schädlichen. Z. B. der Winter erfrischt nicht nur, sondern er tötet auch; der Sommer erwärmt nicht nur, er macht auch trocken; das Feuer erhitzt nicht nur und erfüllt die Bedürfnisse, es verbrennt auch und zerstört; das Wasser tränkt die Erde, richtet aber durch Überschwemmung auch Schaden an. So auch alle Lebensmittel wie: Öl, Honig, Wein und alles andere in dieser Art. Und begrenzt ist die Fürsorge der Lebensmittel, unbegrenzt die Gefahren und der Tod, damit er den frechen und verwegenen Willen des Geizes zügle und die Regungen des freien Willens und das abwärtsstrebende Sichergießen des zügellosen Lebens und der verhärteten Schlechtigkeit, welche der breite Weg ist, der [S. 277] zum Verderben führt. Schmal und eng ist der Weg und (ein Weg) der Liebe und der Gerechtigkeit der Gesetze, der zum Leben der Heiligkeit und Wahrheit führt, welche die Schritte des Pilgers leiten zum Tore des Lebens und der Erlösung.

Denn so sollen wir durch das Sichtbare und Unsichtbare in Furcht Gottes uns anhalten zur Mäßigkeit und die Ungebührlichkeit und Unbescheidenheit des Willens ablenken vom Bösen und zum Guten bewegen und ermuntern nach den Geboten. Wir sollen erwägen und denken, sagen und tun, was nach dem Willen Gottes beschlossen ist durch das wahre Zeugnis der heiligen Schriften. Und wir dürfen nicht verfallen auf seltsame Wünsche, welche vom sicheren Glauben abwendig machen. Denn die wahre Weisheit der Weisen erfüllt immer mit lebenspendendem Nutzen; und, bestärkt durch die Beobachtung der Gebote, bleibt sie in geistiger Lehre immerdar unerschütterlich. Aber auch die Starken alle, die sich stolz über Gottes Wissen erheben, erschüttert sie und bringt sie zur Übereinstimmung mit dem Glauben.

Solange der Mensch den Geboten Gottes gehorchte, gehorchten ihm auch die wilden giftigen Tiere als ihrem Herrn und Gebieter. Wie dem Daniel, der unter Befehl stand, wie die drei Jünglinge im Feuerofen, wie das Meer dem Petrus; aber auch allen Heiligen gehorchten die Geschöpfe nach dem Willen Gottes. Und diejenigen, die abgefallen sind vom Befehle Gottes, gegen die empören sich alle Geschöpfe, die beseelten und unbeseelten, und sie führen die Erde mit all ihren Pflanzen und Kräutern dem Verderben zu. „Er hat“, sagt die Heilige Schrift, „die fruchtbare Erde salzig gemacht wegen der Schlechtigkeit der Bewohner5.“ Und wieviel Mittel und Mühe von den Heiligen angewandt wurden, die Menschen zur Rechtschaffenheit zu bringen mit den Geboten und dem Evangelium Christi, so auch von den Menschen gemäß der Gnade Gottes, um in Gehorsam zu bringen die Tiere, damit die Tiere, sogar die Vögel, den Bedürfnissen dienen, und um die Erde brauchbar zu [S. 278] machen für die Bedürfnisse. Und das Feuer und das Wasser und den Wind durch Mittel dienstbar zu machen, hat uns die Weisheit Gottes angeleitet. Und die Vorsehung des Schöpfers treibt unsichtbar zu unserem Gehorsam die Tiere an, die Vögel, die Schlangen, die Würmer, die im Meere und auf dem Lande leben. Wenn die Furcht des Herrn nicht über ihnen wäre, so würden sie alle uns vernichten. Und wenn sie uns schaden, so erregen sie in uns die Furcht Gottes, damit wir uns erheben von der Trägheit und des Wandels in der Tugend immer uns befleißen. Denn auch die wilden Tiere sind nicht böse von Natur, wie sie durch ihre Zutraulichkeit gegen die Beschwörer zeigen. Auch der Löwe, der Leoparde und der Bär gehorchen dem Menschen, wie der Ochs, der Hund und alle anderen, welche unter dem Joche gehen und schmeicheln, und gegen die Fremden wüten sie und verfolgen den Unbekannten mit Tod oder Verwundungen.

Und wie aus irgendeinem Grunde Wut das Hirn befällt und von den Heilmitteln losreißt, und aus der Vertraulichkeit in Mißtrauen6 verirrt zum eigenen und zum Schaden anderer, ebenso kommt auch beim Lernen Irrtum in den Sinn und macht rasend wie einen Wütenden, fremd der Wahrheit durch ein gottloses, ausschweifendes Leben; sie gehen über die Grenzen der Natur hinaus, jedoch ohne geheilt zu werden, wie ein Toller. Deshalb ist viel Wachsamkeit notwendig, indem wir Gehör und Geist bewahren vor derartigem Schaden, die Gebote des Herrn betrachten bei Tag und bei Nacht, der voll Erbarmung und Leben ist. Denn der verständige und vernünftige Mensch soll durch die Gnade Gottes unbeweglich bleiben in der Tugend durch aufrichtigen Glauben und durch ein reines Leben. Er soll sich vom Schlechten zum Guten wenden, damit er würdig werde der geistigen Gesundheit, der unbefleckten Reinheit durch die Gnade der wahren Liebe Gottes, und empfange die Gnaden des Apostolats, des Prophetentums, des Lehramtes, damit er mit eigener Zustimmung würdig werde der Gnade des Priestertums, und erleuchte alle Gedanken durch das Licht der Wissenschaft und Weisheit, und durch ein [S. 279] würdiges, dankbares Leben in den Hafen des Lebens gelange.

Und durch die Freiheit des Willens hat (der Mensch) die Macht, in der Freundschaft der heiligen Liebe im Herrn zu bleiben oder auch im Ungehorsam gegen die geistigen Gesetze und vom Guten sich abzuwenden in die Abgründe des Bösen, den Namen der Verworfenen zu erben, den schlimmen, schlechten, wüsten Namen der Ausschweifung und Gottlosigkeit. So können auch die geistigen Heerscharen durch ihren freien Willen unter der Herrschaft des Schöpfers bleiben oder ihrem Herrn entgegentreten, wie es verständlich ist, daß die Engel in Liebe Gottes immerdar bleiben, in unaufhörlichem Rühmen ihres Schöpfers. Aber die Abgefallenen unter ihnen hat er zu Satanen gemacht; und die Heerscharen, die mit ihnen hielten, werden unreine und böse Geister genannt. So also haben sie dem Namen nach die Eigenschaften der Natur des Guten und des Bösen und können uns das Gute und das Schlechte offenbaren. Und den Wert und die Wertlosigkeit eines jeden einsehend, wollen wir das Gute nachahmen und das Böse hassen, damit wir hören die selige Stimme, welche sagt: „Edler, du guter und getreuer Knecht, weil du in wenigem getreu warst, will ich dich über vieles setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn7.“

Und diejenigen, welche krank sind und aufrichtig Buße tun, werden der Erlösung teilhaftig, welche ist in Christus Jesus. Denn die Kranken haben nicht notwendig, die Heilmittel der Gerechten anzuwenden, noch die Schwachen den Starken, die Sünder den Sündenlosen, die Unreinen den Reinen es gleichzutun; sondern ein jeder soll in seiner Lehrordnung bleiben, der eine zu lehren, der andere zu lernen. Denn durch diese Gnade hat er mit der Vorherbestimmung alle zu seinem Reiche gerufen; und durch sein Vorauswissen hat er die Apostel auserwählt zum Dienste der Religion durch wahre Predigt von dem gemeinsamen Schöpfer. Und durch sie hat er viele zum Erbe der Gotteserkenntnis gebracht. Und [S. 280] deshalb wird er genannt: gütig, König der Könige, Herr der Herren, der allein sorgt für die treuen, tugendhaften Diener in der Verfolgung und Frieden, denn er gewährt Hilfe denjenigen, die zu ihm ihre Zuflucht nehmen. Denn er ist ein gerechter Richter über den Gesetzen, und ein Arzt den Kranken, welche mannigfache Schmerzen und Leiden erdulden, wenn sie zurückkehren zur Buße durch Bekenntnis. Aber auch die geistigen Heilmittel stehen zur Verfügung, die Mahnungen zur Tugend in den Heiligen Schriften, die Verheißung der Verzeihung und die zukünftige Seligkeit für diejenigen, welche wollen. Denn wie die Wolke bald mit Hagel und Blitz umzieht, bald mit angenehmem Regen, so schwebt der Befehl des Herrn über den Unwürdigen in Zorn und den Würdigen in Milde nach dem gerechten Gerichte. Und Gott, der Schöpfer, der Erschaffer, der Herr, hat von seinen Werken seinen Ruhm und die erlösenden Namen seiner Wohltaten: gütig, barmherzig und mitleidig, heilig, langmütig, aufrichtig, wahrhaft; eine unsichtbare Kraft hat er geschaffen durch das Sichtbare zum Zeugnisse, zur Ermahnung und Führung der Heere der unsichtbaren Geister und der sichtbaren Menschenkinder nach der Auswahl des Guten, der Tugend, der Werke der Heiligkeit. Und verherrlicht sind durch die belebende Kunst des Schöpfers die, welche mit seiner Gnade mitwirken. Und das Geschöpf erwirbt denselben Namen wie sein Schöpfer, und dadurch erhoben, geht es ein in das Erbe des Sohnes Gottes, der die Menschen liebt, und es freut sich in Güte in der unendlichen unbegrenzten Seligkeit bei dem unsterblichen König der Ewigkeit.

Den mit Verstand Begabten und den Gläubigen reichen wenig Worte der Ermahnung zur Rechtschaffenheit hin, den Ungläubigen aber und Unverständigen bringen auch viele Worte der Ermahnung keinen Nutzen, denn ihr Verstand ist verfinstert und entfremdet der Gnade. Alle sollen sich erinnern an die göttliche Mahnung, durch welche wir erleuchtet werden durch geistiges Licht, welches nicht erlischt, und in dem kein Dunkel ist. Er hat uns verständig und vernünftig gemacht, damit wir den Schöpfer erkennen und tun, was ihm wohlgefällig [S. 281] ist, der aus Nichts zum Wesen und aus Nichtsein zum Sein führte. Und nachdem er gewaltet hat im Fleische, versetzt er diejenigen, die in der Beobachtung der Gebote treu geblieben sind, in die göttliche Herrlichkeit Christi. Es sagen nämlich einige: Warum hat er uns verweslich gemacht und nicht unverweslich? Sagt etwa das Geschöpf zum Schöpfer: warum hast du mich so gemacht? Wir sollen uns kennenlernen durch unsern freien Willen als Sünder und Verwesliche, Sündenlose und Unverwesliche. Jedem ist das Seine bereitet. Für die Sünder ist der Tod, für die Sündenlosen das Leben nach Beendigung dieses Lebens; für sie gibt es keinen Wechsel von Leben und Tod. Sie sind unveränderlich gefestigt in der Liebe Gottes durch lebendige Seligkeit. „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, was Gott denen bereitet, die ihn lieben8,“ sagt Gottes Apostel.

Aber dann wird es offenbar werden am Ende, bei Anbruch des Tages und bei der Auferstehung, wenn das schreckliche Gericht stattfindet beim Erscheinen der Herrlichkeit des Sohnes Gottes; denn Himmel und Erde werden vergehen, er aber bleibt unsterblich, ewig und unendlich in Ewigkeit. Denn für die Ungehorsamen und Ungläubigen, für die Gottlosen und Sünder sind endlose Strafen bereitet, wie Satan und seinen bösen Geistern. Denn auf der Erde wie auf dem Meere wurden sie umhergetrieben, vom Sturm und Strudel der Sünden erfaßt. Aber die Gläubigen und die durch die Gnade Erleuchteten sind unerschütterlich geblieben in dem Gebote des Schöpfers; denn ihr Lebenswandel wurde erleuchtet; und diejenigen, welche ihre Werke gesehen haben, haben den Vater verherrlicht, der im Himmel ist, nach den Worten des Evangeliums. Den Schöpfer des All aber, den Herrn aller Dinge, kann niemand erreichen und niemand kann genügend beschreiben seine Allmacht, Größe und Weisheit. Seiner Güte gemäß hat er die Pforte des Lebens geöffnet seinen treuen Geschöpfen, die gläubig geworden sind, durch Jesus Christus und seine Heiligen. Als ihre Schüler wollen wir zu ihnen gelangen durch Glaube, Liebe, Hoffnung, damit wir mit ihnen die ewigen Güter [S. 282] erben in Christus Jesus, unserm Herrn, dem Ehre sei in alle Ewigkeit! Amen.

1: Gen. 1, 27.
2: Der Text in ( ) gibt einen andern Übersetzungsversuch.
3: Hebr. 1, 7.; LXX=Ps. 103, 4 [Hebr.=Ps. 104, 4].
4: Eph. 4, 17. 18.
5: LXX=Ps. 106, 34 [Hebr.=Ps. 107, 34].
6: Der armenische Text dieser Stelle ist unsicher.
7: Matth. 25, 21.
8: 1 Kor. 1, 19.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger