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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Fünftes Buch [378—428]

10. Synodalschreiben des Bischofs Damasus von Rom gegen Apollinaris und Timotheus1

[S. 281] „Wenn Euere Liebe dem apostolischen Stuhle die gebührende Achtung erweist, so bereitet Ihr, verehrteste Söhne, Euch selbst damit den größten Vorteil. Denn wenn auch der heilige Apostel in der heiligen Kirche, in der er seinen Sitz aufgeschlagen, am meisten gelehrt hat, wie wir die übernommene Regierung führen sollen, so müssen wir doch bekennen, daß wir unserem Amte nicht gewachsen sind. Aber gerade deshalb geben wir uns in jeglicher Weise Mühe, ob wir vielleicht dem Ruhm seiner Heiligkeit nahekommen könnten.

So vernehmet denn, daß wir schon vor einiger Zeit den unheiligen Timotheus, den Schüler des Irrlehrers Apollinaris, mitsamt seiner gottlosen Lehre verurteilt haben, und daß wir gar nicht glauben können, daß die von ihm hinterlassene Sache auf irgendeine Weise noch einmal Bedeutung erlangen werde. Wenn aber doch jene alte Schlange, obschon wiederholt tödlich getroffen, zur eigenen Bestrafung wieder aufleben sollte, so vermeidet wie eine Art Pest jeden, der außerhalb der Kirche steht und mit seinen todbringenden Giften gewisse Ungläubige beständig zum Falle zu bringen sucht. Ihr aber seid vielmehr eingedenk des apostolischen Glaubens, besonders dessen, der zu Nizäa von den Vätern schriftlich festgesetzt worden ist, verharret festen Schrittes, entschieden und unentwegt im Glauben und duldet es nicht, daß Euere Geistlichen oder Laien törichtem Gerede gegen denselben und längst erledigten Untersuchungen Gehör schenken. Denn wir haben schon einmal als Regel aufgestellt, daß wer sich als Christ bekennt, das festhalten muß, was von den Aposteln überliefert worden ist, wie der heilige Paulus sagt: 'Wenn euch jemand ein anderes Evangelium verkündet, als ihr empfangen habt, der sei verflucht2!' Denn Christus, [S. 282] der Sohn Gottes, unser Herr, hat dem Menschengeschlechte durch sein Leiden die Erlösung im vollsten Maße gebracht, um den ganzen in Sünden verstrickten Menschen von jeglicher Sünde zu befreien. Wenn nun jemand sagt, daß derselbe in der Menschheit oder in der Gottheit zu wenig gehabt habe, so ist er mit dem Geist des Teufels erfüllt und erweist sich als einen Sohn der Hölle.

Warum also verlangt Ihr von mir noch einmal die Verurteilung des Timotheus? Wurde er doch auch hier durch das Urteil des apostolischen Stuhles, sogar in Gegenwart des Bischofs Petrus von Alexandrien, zugleich mit seinem Lehrer Apollinaris verurteilt und wird er auch am Tage des Gerichtes die ihm gebührende Strafe und Züchtigung zu erwarten haben. Wenn aber dieser Mensch einige allzu leichtfertige Seelen für sich einzunehmen weiß, als ob er noch irgendwelche Hoffnung hätte, da er doch die wahre Hoffnung, nämlich die Hoffnung auf Christus, zugleich mit dem Bekenntnis gewechselt hat, so wird mit ihm in gleicher Weise zugrunde gehen, wer immer gegen die Glaubensregel der Kirche ankämpfen will. Gott möge Euch, geehrteste Söhne, in Gesundheit erhalten!”

Die im großen Rom versammelten Bischöfe haben auch noch mehrere andere Bestimmungen gegen verschiedene Irrlehren getroffen, die ich glaube in meine Darstellung aufnehmen zu sollen.

1: Hefele setzt die römische Synode, von der dieses Schreiben ausgegangen, in das Jahr 376. Timotheus war Bischof der Apollinaristen in Alexandrien. — Hefele, CG I ², 742.
2: Gal. 1, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger