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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Fünftes Buch [378—428]

33. Die Forderung des Gainas und die Antwort des Bischofs Johannes

Ein gewisser Gainas, seiner Abstammung nach ein Scythe, seiner Gesinnung nach mehr als ein Barbar, ein Mann von herrschsüchtigem Geiste, war in jener Zeit Feldherr und hatte nicht nur viele Stammesgenossen unter sich, sondern befehligte neben diesen auch die römische Reiterei und Fußarmee. Es fürchteten ihn aber nicht nur alle übrigen Menschen, sondern auch selbst der Kaiser, der sein Streben nach der Herrschaft mit argwöhnischen Blicken verfolgte. Derselbe war von der Krankheit des Arius angesteckt. Deshalb stellte er an den Kaiser das Ansinnen, ihm eines der gottesdienstlichen Gebäude zu überlassen. Der Kaiser antwortete, er wolle sehen, was sich machen lasse, und versprach, ihm zu Diensten zu sein. Er ließ dann den heiligen Johannes zu sich kommen, teilte ihm die Forderung des Gainas mit, erinnerte an dessen Macht und Ansehen, gab ihm zu verstehen, daß derselbe nach der Herrschaft strebe, und verlangte durch Einräumung einer [S. 315] Kirche den hochfahrenden Sinn des Barbaren zu zügeln. Allein jener mutige Mann erwiderte: „Versprich solches nicht, o Kaiser, und laß das Heilige nicht den Hunden übergeben1! Denn ich kann es nicht über mich bringen, diejenigen, welche den Gott Logos als Gott bekennen und preisen, aus dem Tempel Gottes hinauszutreiben und diesen dann denen auszuliefern, welche den Logos lästern. Fürchte doch diesen Barbaren nicht, o Kaiser, sondern laß uns beide rufen, und höre dann du stille unserer Verhandlung zu; ich werde seine Zunge zügeln und ihn dahin bringen, daß er nicht im geringsten mehr fordere, was zu geben nicht frommt.”

Als der Kaiser dieses hörte, freute er sich und ließ am folgenden Tage beide zu sich kommen. Gainas verlangte das Versprochene, der große Johannes aber hielt ihm entgegen, daß es dem Kaiser nicht erlaubt sei, etwas gegen die göttlichen Dinge zu unternehmen, wenn er anders dem wahren, gottesfürchtigen Glauben treu bleiben wolle. Und als jener erwiderte, daß auch er ein Bethaus haben müsse, entgegnete der große Johannes: „Jedes Gotteshaus steht dir offen, und niemand hält dich zurück, wenn du darin beten willst.” „Aber”, sagte Gainas, „ich gehöre zu einer anderen Partei und verlange mit meinen Parteigenossen nur ein einziges Gotteshaus, und dieses verlange ich mit vollem Recht, da ich für die Römer viele kriegerische Kämpfe zu bestehen habe.” „Du hast aber”, erwiderte jener, „Belohnungen empfangen, die größer sind als deine Mühen; denn du bist Feldherr und geschmückt mit dem Gewande eines Konsulars; du mußt bedenken, was du früher gewesen und was du jetzt geworden bist, wie groß deine frühere Dürftigkeit und wie groß dein gegenwärtiger Reichtum ist, was für Kleider du hattest, bevor du über den Ister gegangen, und was für Gewänder dich jetzt schmücken. Beherzige also, daß die Mühen gering, die Ehren aber sehr groß sind, und werde nicht undankbar gegen diejenigen, welche dich so sehr geehrt haben!” Mit solchen Worten stopfte der Lehrer des Erdkreises dem Gainas den Mund und zwang ihn, zu schweigen.

1: Vgl. Matth. 7, 6.

 

 

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