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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Fünftes Buch [378—428]

23. Theophilus, Bischof von Alexandrien, und die dortigen Vorgänge bei der Zerstörung der Götzenbilder

Auf jenen vielgerühmten Athanasius folgte der bewunderungswürdige Petrus, auf Petrus Timotheus, auf Timotheus Theophilus, ein Mann von großem Verstand und tatkräftiger Gesinnung. Dieser befreite Alexandrien von dem Irrwahn des Götzendienstes. Denn er zerstörte nicht nur von Grund aus die Götzentempel, sondern enthüllte auch den Betrogenen die Kunstgriffe der sie betrügenden Priester. Sie machten nämlich die ehernen und hölzernen Götterstatuen inwendig hohl, fügten deren Rückseiten fest an die Mauer an, ließen aber in der Mauer einige unbemerkbare Gänge. Dann gingen sie durch das dem Volke unzugängliche Heiligtum, begaben sich in den inneren, hohlen Raum der Götterstatuen und befahlen durch diese, was ihnen beliebte. Die betrogenen Hörer aber vollzogen, was ihnen befohlen wurde. Diese Dinge also enthüllte der überaus weise Bischof dem getäuschten Volke und machte ihnen für immer ein Ende.

Als er in den Tempel des Serapis kam, der, wie einige behaupten, der größte und schönste Tempel der ganzen Welt war, erblickte er dort das Götzenbild, das sehr groß war und durch seine Größe die Beschauer in Schrecken versetzte. Zu der Größe kam noch eine trügerische Sage, die umging, daß, wenn jemand diesem Götzenbilde sich nähere, die Erde erbeben und ein allgemeiner Untergang über alle hereinbrechen werde. Doch Theophilus hielt dieses Gerede für albernes Geschwätz von betrunkenen alten Weibern, kümmerte sich auch nicht um die Größe der Statue, da sie ja doch leblos war, sondern befahl einem, der eine Axt hatte, mutig auf den Serapis loszuschlagen. Während dieser hieb, [S. 304] schrien alle laut auf aus Furcht vor der genannten Sage. Der Serapis aber empfand, als er den Schlag erhielt, weder Schmerz, da er von Holz war, noch gab er einen Laut von sich, weil er kein Leben hatte. Als ihm aber der Kopf abgeschlagen wurde, sprang aus dem Innern eine ganze Schar von Mäusen heraus. Der Gott der Ägypter war nämlich eine Wohnstätte für Mäuse gewesen. Man teilte ihn nun in kleine Stücke und übergab dieselben dem Feuer, den Kopf aber schleppte man durch die ganze Stadt, so daß seine Verehrer es sehen und über die Ohnmacht des von ihnen angebeteten Gottes sich lustig machen konnten.

So wurden überall zu Wasser und zu Lande die Tempel der Dämonen zerstört.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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