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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Viertes Buch [363—378]

1. Die christliche Regierung Jovians1

[S. 202] Nach dem unglücklichen Ende des Julian traten die Generale mit den Unterfeldherrn zur Beratung zusammen, wer die Regierung übernehmen, das Heer im Feindesland retten und die Lage der Römer, die infolge der Verwegenheit des Dahingeschiedenen, wie man zu sagen pflegt, auf des Messers Schneide stand, wieder besser gestalten könnte. Während sie hierüber beratschlagten, verlangte das Heer, das sich ebenfalls an einem Orte versammelt hatte, den Jovian als Kaiser, obschon derselbe weder General war noch der nächstfolgenden Rangklasse angehörte; er war aber ein ausgezeichneter, angesehener und in mehrfacher Hinsicht hervorragender Mann. Er war von sehr hoher körperlicher Gestalt, von hochherziger Gesinnung und gewohnt, in den Kriegen und den großen Kämpfen der Zeit sich vor allen anderen hervorzutun. Dem Unglauben gegenüber hatte er großen Freimut an den Tag gelegt und die Macht des Tyrannen nicht gefürchtet, sondern, was opferwilligen Mut anlangt, sich den Martyrern unseres Erlösers an die Seite gestellt. Die Generale betrachteten nun den einstimmigen Wunsch des Heeres als die Stimme Gottes, führten jenen in jeder Beziehung so tüchtigen Mann in ihre Mitte, errichteten in aller Eile einen Thron und setzten ihn darauf. Während aber alle ihm die einem Kaiser gebührenden Huldigungen erwiesen und ihn als Augustus und Cäsar begrüßten, lieferte der bewunderungswürdige Mann abermals einen Beweis seiner gewohnten Freimütigkeit, indem er ohne Scheu vor den Generalen und ohne Furcht vor einem Stimmungswechsel der Soldaten erklärte: „Ich kann als Christ nicht über solche Leute herrschen und nicht den Oberbefehl über das Heer des Julian führen, da es in [S. 203] schlechten Lehren erzogen ist; denn solche Leute werden, weil von der göttlichen Vorsehung verlassen, leicht überwunden und gefangen genommen und den Feinden zum Gespötte werden.” Als die Soldaten diese Worte hörten, riefen sie alle miteinander: „Trage kein Bedenken, o Kaiser, und schlage den Oberbefehl über uns nicht aus, gleich als wäre er schlecht; denn du wirst Heerführer von Christen sein, von solchen, die im wahren Glauben erzogen worden sind. Die älteren unter uns haben noch den Unterricht Konstantins genossen, die nachfolgenden haben an den Unterweisungen des Konstantius teilgenommen; die Regierungszeit des nunmehr verstorbenen Kaisers aber war kurz und selbst bei den von ihm Irregeführten nicht hinreichend, um den schmählichen Irrtum in ihnen zu befestigen.”

1: Jovian regierte vom 27. Juni 368 bis 16. Februar 364.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger