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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Viertes Buch [363—378]

10. Die Irrlehre der Audianer

Der ruhmvolle Kaiser verwendete also eine so große Sorgfalt auf die Bewahrung der apostolischen Lehre. Um dieselbe Zeit trat aber ein gewisser Audianus, seiner Abstammung und Sprache nach ein Syrer, als Erfinder neuer Lehren auf. Er hatte seine schlimmen Gedanken zwar schon längere Zeit mit sich herumgetragen, damals aber brachte er sie an das Tageslicht. Zunächst verstand er in unverständiger Weise das Wort: „Laßt uns den Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnisse1!” Er meinte nämlich, das göttliche Wesen habe eine menschliche Gestalt, und vermutete, es sei von körperlichen Organen umschlossen, da er den Sinn der Heiligen Schrift nicht erfaßte. Sie legt nämlich oft der göttlichen Tätigkeit die Namen menschlicher Organe bei, weil hierdurch die Leute, welche das Geistigere nicht fassen können, leichter zur Erkenntnis der göttlichen Vorsehung gelangen. Zu dieser Gottlosigkeit fügte er noch andere ähnliche Lehren. Aus dem Irrtum des [S. 218] Manes nahm er die Lehre herüber, daß der Gott des Weltalls weder Schöpfer des Lichts noch der Finsternis sei. Jedoch pflegen seine Anhänger diese und ähnliche Ansichten geheim zu halten. Sie behaupten vielmehr, daß sie sich von den kirchlichen Versammlungen fernhalten, weil einzelne (von den Katholiken) schändlichen Wucher treiben, andere außerehelich mit Weibern verkehren und ein unsittliches Leben führen, und die übrigen sich von solchen Lastern zwar frei bewahren, aber doch ohne Scheu mit den Genannten Gemeinschaft pflegen. Aus diesem Grunde, sagen sie, lebten sie für sich allein, um so ihre gotteslästerliche Lehre zu verbergen. Jedoch ist selbst dieser Vorwand voll Selbstüberhebung und ein Erzeugnis pharisäischen Geistes. Denn auch die Pharisäer beschuldigten den Arzt der Seelen und Körper, indem sie zu den heiligen Aposteln sagten: „Warum speist denn euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern2?” Von solchen Menschen redet Gott durch den Propheten: „Die da sprechen: Ich bin rein, rühre mich nicht an! Das ist Rauch von meinem Grimme3.” Doch ist es gegenwärtig nicht an der Zeit, den Unsinn dieser Leute zu widerlegen. Daher will ich in meiner Erzählung fortfahren.

1: Gen. 1, 26.
2: Matth. 9, 11; vgl. Mark. 2, 16; Luk. 5, 30.
3: Is. 65, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger