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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Viertes Buch [363—378]

8. Schreiben der Kaiser Valentinian und Valens an die asiatische Kirchenprovinz inbetreff des Wortes „gleichwesentlich”

Als der Kaiser erfuhr, daß in Asien und Phrygien einige in betreff der göttlichen Lehren in Streit miteinander wären, ließ er in Illyrien eine Synode halten, und was dort beschlossen und bestätigt wurde, das sandte er an die streitenden Parteien. Der Beschluß der daselbst versammelten Bischöfe aber lautete, daß das in Nizäa aufgestellte Glaubensbekenntnis in Kraft bleiben solle. Er richtete auch selbst an die Streitenden ein Schreiben, das er auch von seinem Bruder unterzeichnen ließ und worin er befahl, an den gefaßten Beschlüssen festzuhalten. Ich will diese Verfügung mitteilen, weil sie deutlich Kunde gibt von seiner rechtgläubigen Gesinnung und in gleicher Weise die damals noch gesunde Anschauung des Valens in betreff der göttlichen Lehren erkennen läßt.

„Die erhabenen, stets verehrungswürdigen und siegreichen Herrscher und Kaiser Valentinian, Valens und Gratian1 den Bischöfen der Provinzen [S. 212] Asien, Phrygien, Karophrygien und Pakatiana2 Gruß im Herrn!

Auf der so großen Synode, welche in Illyrien gehalten wurde, haben die hochehrwürdigsten Bischöfe nach eingehender Untersuchung über die heilbringende Lehre erklärt, daß die drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist gleichwesentlich seien. Dieser Dreifaltigkeit erweisen sie jene religiöse Verehrung, die dem großen König3 gebührt, ohne sich im geringsten zu weigern, die öffentlichen Lasten zu tragen, die ihnen von Rechts wegen obliegen. Diese Verehrung zu predigen, haben wir kraft unserer Autorität angeordnet; doch wollen wir nicht, daß einige sagen: 'Wir folgen der Religion des Königs, der diese Erde beherrscht' und daß sie nicht achten auf den, der uns die Gebote des Heiles gegeben hat. Denn so sagt ja auch das Evangelium unseres Christus, das folgende Entscheidung trifft: 'Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist4.' Was sagt Ihr dazu, Ihr Bischöfe und Verwalter des heilbringenden Wortes? Wenn das der Inhalt Euerer Predigt ist, so liebet doch einander, höret auf, das Ansehen des Kaisers zu mißbrauchen und verfolget nicht diejenigen, welche gewissenhaft Gott dienen, durch deren Gebete die Kriege auf Erden beendigt und die Angriffe der abtrünnigen Engel abgewendet werden. Sie halten durch ihr Gebet alle verderblichen Dämonen in Zaum, wissen die Steuern zu entrichten, wie es die Gesetze vorschreiben, und widerstehen nicht der Gewalt des Herrschers, sondern sie beobachten einerseits gewissenhaft die Gebote des himmlischen und göttlichen Königs und unterwerfen sich andererseits ebenso aufrichtig unseren Gesetzen. Ihr dagegen habt Euch ungehorsam gezeigt. [S. 213] Wir haben uns an den gehalten, der Anfang ist und Ende von allem5, Ihr aber habt nur an Euch selbst gedacht. Wir wollen jedoch an Euch unschuldig sein, ähnlich wie auch Pilatus in dem gerichtlichen Verfahren gegen den unter uns weilenden Christus, da er ihn nicht töten wollte und, um die Strafe hierfür abzuwälzen auf den Anstifter, sich nach Osten hinwandte, Wasser begehrte für seine Hände und sich dann die Hände wusch mit den Worten: 'Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten6.' Daher hat auch unsere Majestät immer befohlen, die Arbeiter auf dem Ackerfeld Christi nicht zu verfolgen, nicht zu bedrängen, nicht eifersüchtig auf sie zu sein und die Verwalter des großen Königs nicht zu vertreiben, damit Ihr nicht jetzt unter unserer Herrschaft zu wachsen scheinet, später aber das Los desjenigen erleiden müsset, der Euch hierzu angestiftet hat, ähnlich wie beim Blut des Zacharias7. Aber seine Anhänger wurden von unserem himmlischen König Jesus Christus bei seiner Ankunft gestürzt und in das Gericht des Todes hingegeben mitsamt ihrem Helfer, dem verderblichen Dämon.

Dieses Edikt haben wir erlassen in Gegenwart des Amigetius, Ciceronius, Damasus, Lampon und Brentisius. Dazu schicken wir Euch die Verhandlungen selbst, damit Ihr sehen könnt, was auf der vortrefflichen Synode geschehen ist.”

Diesem Schreiben fügte der Kaiser auch noch die Entscheidungen der Synode bei, indem er in Kürze folgendes ausführte:

„Wir bekennen in Übereinstimmung mit der großen und rechtgläubigen Synode8, daß der Sohn dem Vater gleichwesentlich ist. Das 'gleichwesentlich' verstehen wir aber nicht so, wie es schon früher einige erklärt haben, die nicht aufrichtig unterschrieben hatten, und wie jetzt wieder andere, die jene früheren ihre Väter nennen, den Sinn des Wortes abschwächen und denen folgen, welche schrieben, unter dem Ausdruck 'wesensgleich' [S. 214] sei das 'ähnlich sein' zu verstehen, so daß demgemäß der Sohn keinem der übrigen durch ihn gewordenen Geschöpfe verwandt, sondern einzig und allein dem Vater ähnlich sei. Diejenigen, die das 'wesensgleich' so erklären, lehren ohne Scheu, daß der Sohn Gottes ein bevorzugtes Geschöpf sei9. Wir dagegen glauben wie auch die jetzt in Rom und in Gallien gehaltenen Synoden, daß die Wesenheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes eine und dieselbe ist in drei Personen, das heißt in drei vollkommenen Hypostasen10. Wir bekennen ferner in Übereinstimmung mit dem Glaubensbekenntnis von Nizäa, daß der wesensgleiche Sohn Gottes aus der heiligen Jungfrau Maria Fleisch angenommen, unter den Menschen gewohnt und das ganze Erlösungswerk für uns vollbracht hat durch seine Geburt, sein Leiden, seine Auferstehung und Himmelfahrt, und daß er wieder kommen und uns von dem Seinigen geben wird die Verähnlichung mit Gott als fleischtragender Gott und als gotttragender Mensch. Diejenigen aber, die Gegenteiliges von dem glauben, was wir eben gesagt haben, belegen wir mit dem Banne, und ebenso auch diejenigen, welche nicht aufrichtig verurteilen den, der sagt, der Sohn sei nicht gewesen, bevor er gezeugt wurde, die vielmehr behauptet haben, daß derselbe auch, bevor er wirklich gezeugt wurde, der Potenz nach im Vater gewesen sei11. Denn dieses ist auch bei allen Geschöpfen der Fall, welche aber nicht immer so bei Gott sind wie der Sohn beim Vater ist, gezeugt durch ewige Zeugung.”

Vorstehendes entwickelte also der Kaiser in aller Kürze. Nunmehr will ich aber auch das Schreiben der Synode selbst in meine Darstellung aufnehmen.

1: Gratian, ältester Sohn und 375 Nachfolger Valentinians I. im westlichen Teile des römischen Reiches, wurde schon 367 in einem Alter von acht Jahren von seinem Vater zum Mitkaiser ernannt.
2: Phrygien, das kleinasiatische Binnenland, westlich vom Flusse Halys, war seit Diokletian in Phrygia prima oder Pacatiana im Westen und Parygia secunda oder salutaris im Nordosten geteilt. Die oben in der Begrüßung enthaltene Einteilung in Phrygia, Carophrygia und Pacatiana, die gleichlautend im Synodalschreiben der illyrischen Bischöfe (s. nächstes Kapitel) vorkommt, ist unseres Wissens sonst nicht bezeugt.
3: Vgl. Matth. 5, 35.
4: Matth. 22, 21.
5: Vgl. Offenb. 1, 8; 21, 6; 22, 13.
6: Matth. 27, 24.
7: Vgl. Matth. 23, 25; Luk. 11, 51.
8: Von Nizäa. Vgl. oben I 12, S. 51 f.
9: Vgl. oben I 12, S. 52 f.
10: Vgl. oben II 2, S. 142 ff.
11: Vgl. oben I 12, S. 54.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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