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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Viertes Buch [363—378]

25. Sammlung der Rechtgläubigen zu Antiochien durch Flavian und Diodor

In Antiochien, wo Valens weitaus die meiste Zeit sich aufhielt, gewährte er allen Freiheit, den Heiden, Juden und allen denen, welche zwar den christlichen Namen führen, aber das Gegenteil von dem predigen, was die Evangelien lehren. Die Diener des Irrtums begingen ihre heidnischen Feste, und Valens gestattete, daß der nach Julians Tod von Jovian unterdrückte Irrtum wieder aufblühte; die Orgien des Zeus, des Dionysos und der Demeter feierten sie nicht im Verborgenen wie unter einer rechtgläubigen Regierung, sondern sie führten ihre bacchantischen Züge mitten über den Marktplatz. Nur allein den Verkündigern der apostolischen Lehre war er feindselig gesinnt. Zuerst vertrieb er sie aus den heiligen Stätten; der allgepriesene Jovian hatte ihnen nämlich auch die neugebaute Kirche übergeben. Als sie darauf am Fuße des Berges sich versammelten, um den Herrn mit Lobliedern zu preisen und an den heiligen Schriften sich zu erquicken, wobei sie die widrigen Einflüsse der Witterung, jetzt Regen, Schnee und Kälte, dann wieder die brennendste Hitze zu ertragen [S. 250] hatten, da gestattete er ihnen nicht einmal, dieses mühevollen geistlichen Trostes sich zu erfreuen, sondern schickte Soldaten und ließ sie auseinander treiben.

Aber Flavian und Diodor brachen wie eine Schutzwehr die anstürmenden Wogen. Da nämlich ihr Hirte Meletius gezwungen war, in der Ferne zu weilen, übernahmen diese die Sorge für die Herde, stellten den Wölfen ihre männliche Kraft und Klugheit entgegen und ließen den Schafen die passende Pflege angedeihen. Aus dem Gelände am Fuße des Berges vertrieben, weideten sie die Schafe am Ufer des nahen Flusses. Denn sie konnten sich nicht dazu verstehen, wie die Gefangenen in Babylon ihre Harfen an die Weiden zu hängen1, sondern sie lobten ihren Schöpfer und Wohltäter „an jedem Orte seiner Herrschaft2”. Aber nicht einmal an diesem Orte konnte der Feind die Zusammenkunft der Rechtgläubigen ertragen, der Feind, der allein diejenigen verfolgte, welche den Herrn Christus als Gott verehrten. Neuerdings sammelten nun jene beiden bewunderungswürdigen priesterlichen Hirten die Schafe Gottes auf dem militärischen Übungsplatz und reichten ihnen da die geistige Nahrung. Diodorus, dieser so weise und mutige Mann, glich einem klaren und mächtigen Strome, der den Seinigen kühlenden Trank lieferte, die Lästerungen der Gegner dagegen hinwegschwemmte. Dabei nahm er keine Rücksicht auf den Ruhm seines Geschlechtes, sondern ertrug die Drangsale für den Glauben mit freudigem Herzen. Auch der edle Flavian stammte aus vornehmem Geschlechte, hielt aber nur Frömmigkeit und Rechtgläubigkeit für echten Adel und bildete gleich einem Lehrer der Ringkunst den großen Diodor sozusagen zu einem in allen Kämpfen gewandten Athleten aus. In jener Zeit predigte er nämlich nicht selbst in den kirchlichen Versammlungen, gab aber denen, die dieses taten, eine reiche Fülle von Gedanken und Schriftstellen an die Hand, so daß also diese gegen die Lästerungen des Arius den Bogen spannten, jener aber hiezu aus seinem Geiste wie aus einem Köcher die Pfeile [S. 251] lieferte. Zu Hause allerdings und auch in der Öffentlichkeit disputierte er und zerriß dann mit Leichtigkeit die Netze der Häretiker und erwies ihre Einwürfe als Spinnengewebe.

1: Vgl. Ps. 136, 1 ff. [Ps. 137, 1 ff.].
2: Ps. 102, 22 [Ps. 103, 22].

 

 

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