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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Drittes Buch [361—363]

5. Die Weihe des Paulinus

[S. 176] Allein Lucifer ging nicht nach Alexandrien, sondern begab sich nach Antiochien. Dort führte er mit den beiden Parteien viele Verhandlungen zugunsten der Wiedervereinigung; als er aber sah, daß die Eustathianer unter Führung des Priesters Paulinus beharrlich widersprachen, weihte er ihnen den Paulinus zum Bischof, eine Tat, die keineswegs glücklich war. Denn diese Handlung verlängerte nur die bestehende Spaltung. Letztere dauerte nämlich fünfundachtzig Jahre lang bis zur Regierung des ruhmwürdigen Alexander1. Nachdem dieser das Steuerruder der antiochenischen Kirche in die Hand genommen, versuchte er jedes Mittel und wendete jegliche Sorgfalt und allen Eifer auf, um die Eintracht wieder herzustellen, und konnte endlich das getrennte Glied wieder mit dem übrigen Körper der Kirche vereinigen. Lucifer blieb, nachdem er die Spaltung vergrößert hatte, noch lange Zeit in Antiochien. Auch Eusebius kam nach Antiochien; als er aber sah, daß die [S. 177] Krankheit durch ungeschickte Behandlung unheilbar geworden, segelte er wieder in das Abendland zurück. Lucifer aber fügte nach seiner Rückkehr nach Sardinien den kirchlichen Lehren fremdartige Elemente bei. Diejenigen, welche diese annahmen, haben von ihm den Namen erhalten und wurden lange Zeit hindurch Luciferianer genannt. Endlich erlosch auch diese Lehre und fiel der Vergessenheit anheim.

Das sind die Dinge, die sich nach der Rückkehr der Bischöfe zugetragen haben.

1: Das meletianische Schisma dauerte nur 55 Jahre, von 360—415. Die Spaltung der Katholiken in Antiochia begann jedoch schon dreißig Jahre früher, indem nach der Absetzung des Bischofs Eustathius (330) die einen dem neuaufgestellten arianischen Bischof (Eulalius) sich unterwarfen, andere dagegen dem abgesetzten Bischof Eustathius treu blieben und gesonderten Gottesdienst hielten. Theodoret zählt die Spaltung von 330 an und erhält so 85 Jahre. — Vgl. oben I 21 u. 22, S. 70 ff. und unten V 37, S. 320.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger