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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Drittes Buch [361—363]

4. Die Rückkehr der Bischöfe

Da Julian dieses wohl wußte, so trug er seine unchristliche Gesinnung nicht öffentlich zur Schau, im Gegenteil, um alle für sich einzunehmen, erließ er die Verordnung, daß die von Konstantius von ihren Kirchen vertriebenen und in den entlegensten Gegenden der Erde wohnenden Bischöfe wieder zu ihren Kirchen zurückkehren sollten. Auf Grund dieses Gesetzes kehrte der göttliche Meletius wieder nach Antiochien, der vielgepriesene Athanasius wieder nach Alexandrien zurück. Eusebius und Hilarius aus Italien und Lucifer, dem das Hirtenamt über die Insel Sardinien übertragen worden war1, weilten in der an Ägypten grenzenden Thebais, [S. 175] wohin sie Konstantius verbannt hatte. Diese versammelten sich mit den anderen Gesinnungsgenossen und erklärten, man müsse die Kirchen wieder zur Eintracht zurückführen. Dieselben wurden nämlich nicht mehr bloß von Andersgläubigen verfolgt, sondern in ihrem eigenen Schoße waren Parteien entstanden, die sich gegenseitig befehdeten.

So war in Antiochien der gesunde Leib der Kirche in zwei Teile gespalten: die einen nämlich hatten sich gleich anfangs aus Anhänglichkeit an den berühmten Eustathius von den übrigen getrennt und gesonderten Gottesdienst gehalten; die anderen hatten sich mit dem bewunderungswürdigen Meletius von der Verbindung mit den Arianern zurückgezogen und feierten die heiligen Geheimnisse in der sogenannten Altstadt. Es hatten aber beide Parteien ein und dasselbe Glaubensbekenntnis; jede Partei trat für die zu Nizäa aufgestellte Lehre in die Schranken. Was sie voneinander trennte, war einzig und allein die Streitsucht und die Liebe zu ihren Bischöfen. Ja nicht einmal der Tod des einen Bischofs machte der Spaltung ein Ende. Obwohl nämlich Eustathius schon vor der Weihe des Meletius gestorben war und obwohl die Anhänger des rechten Glaubens nach der Verbannung des Meletius und der Weihe des Euzoius die Verbindung mit den Irrgläubigen wieder abgebrochen hatten und gesonderte Versammlungen hielten, so ließen sich die Eustathianer doch nicht bewegen, sich mit ihnen zu vereinigen.

Eusebius, Lucifer und ihre Freunde suchten nun Mittel und Wege ausfindig zu machen, um diese Vereinigung wieder herzustellen. Eusebius bat den Lucifer, nach Alexandrien zu kommen und mit dem großen Athanasius hierüber Beratung zu pflegen; er selbst wollte die Mühe übernehmen, die beiden Parteien miteinander zu versöhnen2.

1: Eusebius von Vercelli, Hilarius von Poitiers, Lucifer von Calaris. Vgl. oben II 13, S. 117 A. 1; II 15, S. 123.
2: In Alexandrien wurde damals (362) eine sehr bedeutungsvolle Synode gehalten, welche die Herstellung des kirchlichen Friedens bezweckte. Den Häretikern wurde 1) die Rückkehr zur kath. Kirche möglichst erleichtert. Diese Milde wurde auf zahlreichen Synoden nachgeahmt. Hunderte von Bischöfen bekannten sich wieder zum nizänischen Glauben. Im Abendlande [S. 176] verschwand der Arianismus fast vollständig, auch im Morgenlande verlor er bedeutend an Macht. 2) Dem Hl. Geist wurde dieselbe Substanz und Göttlichkeit zugesprochen wie dem Vater und dem Sohne. 3) Man verständigte sich über die Termini οὐσια [ousia] und ὑπόστασις [hypostasis]. Die sog. Jung-Nizäner hatten seit einiger Zeit das Wort ὑπόστασις [hypostasis], das das Nizänum als synonym mit οὐσια [ousia] gebrauchte, zur Bezeichnung der Personen in Gott benützt. Man fand, daß verschiedene, die sich bisher als Häretiker betrachteten, ganz rechtgläubig waren und nur im Ausdruck voneinander abwichen. Endlich wurde 4) gegenüber dem Apollinarismus erklärt, daß der Logos wahrer Mensch geworden sei und nicht bloß einen menschlichen Leib, sondern auch eine menschliche, und zwar vernünftige Seele angenommen habe. Vgl. Hefele, CG I ², 727 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger