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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Drittes Buch [361—363]

22. Der Freimut eines Ratsherrn von Beröa

Nachdem Julian unter solchen Drohungen aufgebrochen war, wurde er gleich in Beröa von einem einzigen Manne überwunden. Dieser Mann war auch in anderer Hinsicht hervorragend, da er der Vorsitzende der dortigen Ratsversammlung war; noch berühmter aber machte ihn sein Eifer. Als er nämlich sah, daß sein Sohn zu der damals herrschenden Gottlosigkeit sich verirrt habe, jagte er ihn aus dem Hause und enterbte ihn öffentlich. Dieser begab sich in das unweit der Stadt gelegene Standquartier zum Kaiser und eröffnete ihm seine Gesinnung und die Enterbung durch seinen Vater. Der Kaiser gebot dem Jüngling ruhig zu sein und versprach ihm, seinen Vater zu versöhnen. Als er nach Beröa kam, lud er die in Amt und Würden stehenden Männer zu einem Mahle. Unter den Eingeladenen war auch der Vater des jungen Menschen. Er ließ nun denselben mit seinem Sohne auf seinem Polster Platz nehmen. Mitten während der Mahlzeit sprach er zum Vater: „Es scheint mir nicht recht zu sein, einer abweichenden Meinung Gewalt anzutun und sie ohne innere Zustimmung auf andere Wege bringen zu wollen. Zwinge also auch du deinen Sohn nicht, deinen Glaubenslehren zu folgen, wenn er nicht will. Denn auch ich”, so fuhr er fort, „zwinge dich nicht, meinen Meinungen zu folgen, obwohl ich sehr leicht Gewalt anwenden könnte.” Doch [S. 197] jener, der sein Denken im Glauben an die göttlichen Dinge geübt und geschärft hatte, erwiderte: „Sprichst du, o Kaiser, von diesem unseligen, gottverhaßten Menschen, der den Irrtum der Wahrheit vorgezogen hat?” Da umgab sich der Kaiser wieder mit dem Scheine der Sanftmut und entgegnete: „Höre auf, o Mensch, zu lästern!” Dann wandte er sein Angesicht dem Jüngling zu und sprach: „So will denn ich für dich sorgen, nachdem ich deinen Vater nicht dazu bewegen kann, dieses zu tun.”

Ich habe diese Geschichte nicht ohne Grund angeführt, sondern in der Absicht, nicht nur die bewunderungswürdige Kühnheit jenes ausgezeichneten Mannes zu zeigen, sondern auch um auf die Tatsache hinzuweisen, daß sehr viele Menschen der Macht des Kaisers Trotz boten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger