Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Drittes Buch [361—363]

20. Die Juden und ihr Versuch des Tempelbaues und die von Gott über sie verhängten Strafen

Denn auch dieser hatte die bösen Geister in sich aufgenommen und ließ nicht ab, nach Art der Korybanten zu rasen und gegen die christliche Religion zu wüten. Aus diesem Grunde bewaffnete er auch die Juden gegen die Christgläubigen. Zuerst rief er sie zusammen und fragte sie, warum sie denn, da doch das Gesetz zu opfern befehle, keine Opfer darbrächten. Und als sie antworteten, daß ihr Gottesdienst auf einen einzigen Ort beschränkt sei, da traf der gottgehaßte Mann sofort die Anordnung, den zerstörten Tempel wieder herzustellen, indem der törichte Mensch glaubte, die Weissagung des Herrn Lügen strafen zu können. Indessen bewies er nur noch mehr ihre Wahrheit. Die Juden vernahmen nämlich die kaiserlichen Worte mit großer Freude und setzten alle ihre Volksgenossen auf der ganzen Erde von dem Befehl in Kenntnis. Diese kamen [S. 194] rasch von allen Seiten her zusammen und brachten Geld und Eifer zum Bauen mit. Das meiste aber steuerte er selbst bei, der den Befehl zum Bauen gegeben hatte, nicht aus Freigebigkeit, sondern aus Haß gegen die Wahrheit. Zugleich sandte er auch einen Baumeister, einen würdigen Vollstrecker seiner gottlosen Befehle. Sie sollen auch Hacken, Schaufeln und Körbe von Silber angefertigt haben.

Als man nun anfing zu graben und den Schutt fortzuschaffen, waren den ganzen Tag hindurch viele Tausende mit dieser Arbeit beschäftigt, während der Nacht aber wurde der Schutt von dem aufgeschütteten Haufen hinweg von selbst wieder an seine frühere Stelle zurückgebracht. Sie zerstörten sogar die letzten Trümmer des alten Baues, in der Hoffnung, das Ganze von Grund auf wieder neu herstellen zu können. Nachdem sie aber viele tausend Scheffel Gips und Kalk gesammelt hatten, erhoben sich plötzlich heftige Winde, die in wirbelnder Bewegung, in heftigen Stößen und in furchtbaren Stürmen mit einem Male alles das auseinander streuten. Da sie von ihrem wahnsinnigen Unternehmen noch immer nicht abließen und durch die göttliche Langmut nicht zur Besinnung gebracht wurden, entstand zunächst ein äußerst starkes Erdbeben, das auch die mit den göttlichen Dingen ganz und gar nicht Vertrauten hätte in Schrecken versetzen können. Und da sie noch immer nicht in Furcht gerieten, brach aus den Fundamenten, die sie ausgruben, Feuer hervor, das sehr viele von den Arbeitern verbrannte, während andere die Flucht ergriffen. Viele schliefen während der Nacht in einer nahegelegenen Halle. Da stürzte plötzlich das Dach und mit demselben das ganze Gebäude zusammen und begrub sämtliche, die darin schliefen, unter seinen Trümmern. In derselben Nacht und ebenso wieder am folgenden Tage wurde am Himmel in lichtem Scheine die Gestalt des Erlösungskreuzes gesehen, und auch die Kleider der Juden waren mit Kreuzen bedeckt, die aber nicht glänzend, sondern von schwarzer Farbe waren. Als die Gottesfeinde das sahen, gerieten sie in Angst wegen der von Gott verhängten Strafen, liefen eiligst davon, kehrten in ihre Heimat zurück und bekannten, daß [S. 195] der von ihren Voreltern ans Kreuzholz Geheftete wirklich Gott sei. Dieses vernahm auch Julian, da allgemein davon gesprochen wurde; aber gleich dem Pharao verhärtete er sein Herz.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Erstes Buch [323—337]
. Zweites Buch [337—361]
. Drittes Buch [361—363]
. . Mehr
. . 11. Der Bekenner ...
. . 12. Einziehung ...
. . 13. Julian, der ...
. . 14. Der Sohn des ...
. . 15. Die Martyrer ...
. . 16. Valentinian, ...
. . 17. Andere Bekenner
. . 18. Der Feldherr ...
. . 19. Die Diakonissin ...
. . 20. Die Juden ...
. . 21. Der Feldzug ...
. . 22. Der Freimut ...
. . 23. Die Vorhersagung ...
. . 24. Die Weissagung ...
. . 25. Der Tod des ...
. . 26. Die nach dem ...
. . 27. Die im Palaste ...
. . 28. Allgemeiner ...
. Viertes Buch [363—378]
. Fünftes Buch [378—4...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger