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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Drittes Buch [361—363]

11. Der Bekenner Theodorus

Julian konnte die ihm damit zugefügte Schmach nicht ertragen, und so ließ er am folgenden Tage die Anführer jenes Zuges verhaften. Der damalige Präfekt Salustius versuchte zwar, obschon er selbst dem Götzendienst ergeben war, den Tyrannen zu überreden, den Christen, die nach Ruhm verlangten, ihre Sehnsucht nicht zu erfüllen; als er aber sah, daß der Kaiser seinen Zorn nicht beherrschen konnte, ließ er gleichwohl einen jungen, von Eifer für Gottes Ehre beseelten Menschen, der eben über den Markt ging, ergreifen, öffentlich an ein hölzernes Gerüst hängen, den Rücken mit Riemen peitschen und die Seiten mit Krallen zerfleischen, und zwar ließ er ihn so beständig martern vom frühen Morgen bis gegen Ende des Tages. Hierauf ließ er ihn in eiserne Ketten legen und bewachen. Am nächsten Morgen machte er dem Julian hiervon Meldung, berichtete auch über die Standhaftigkeit des Jünglings und fügte bei, solche Vorkommnisse seien für sie selbst eine Niederlage, für die Christen dagegen Ehre und Ruhm. Durch solche Vorstellungen ließ sich der Unglückselige bewegen, die übrigen Gefangenen vor dem gleichen [S. 183] Schicksal zu bewahren; ja er gab sogar den Befehl, den Theodorus aus seinem Gefängnis zu entlassen; so hieß nämlich jener jugendliche und tapfere Kämpfer für die Wahrheit. Einige fragten ihn nun, ob er Schmerz verspürt habe, als er jene bitteren und so grausamen Martern erduldete. Er antwortete, anfangs habe er einen leichten Schmerz gefühlt, dann aber sei ihm jemand erschienen, der ihm mit einem weichen und kühlenden leinenen Tuche fortwährend den Schweiß im Gesichte abgetrocknet und Mut zugesprochen habe. Deshalb habe er auch, so sagte er, als die Schergen von ihrer Tätigkeit abließen, nicht Freude, sondern Trauer empfunden, weil gleichzeitig auch derjenige wieder verschwunden sei, der ihm die innere Erquickung gebracht habe.

Indessen vermehrte der falsche Wahrsagegeist nicht nur den Ruhm des Martyrers, sondern enthüllte auch sein eigenes trügerisches Wesen. Es fuhr nämlich ein Blitz vom Himmel hernieder, der den ganzen Tempel in Flammen setzte und das Standbild des Pythius selbst in feinste Asche verwandelte; dasselbe war nämlich von Holz und außen vergoldet. Als Julian, der Oheim des Kaisers Julian, der Statthalter des Morgenlandes war, dieses während der Nacht erfuhr, eilte er so schnell wie möglich nach Daphne, voll Eifer, dem von ihnen angebeteten Gott zu Hilfe zu kommen. Da er aber sah, wie der sogenannte Gott zu Asche geworden war, ließ er die Tempelaufseher geißeln, weil er vermutete, daß der Brand von irgendeinem Christen angestiftet worden sei. Dieselben konnten jedoch auch durch Geißelstreiche nicht dazu gebracht werden, etwas Falsches auszusagen. Denn der Brand, sagten sie, habe nicht von unten, sondern von oben seinen Anfang genommen. Dazu kamen auch einige Bauern von den umliegenden Feldern und erzählten, sie hätten gesehen, wie der zündende Blitzstrahl vom Himmel herniedergefahren sei.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger