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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Zweites Buch [337—361]

23. Urteil des Bischofs Athanasius über dieselbe Synode (zu Rimini)

Auch der große Athanasius spricht sich in seinem Briefe an die Afrikaner über die Synode zu Rimini in folgender Weise aus1:

„Wer wollte unter solchen Umständen noch auf diejenigen hören, welche die Synode von Rimini oder irgendeine andere der nizänischen rühmend gegenüberstellen? Oder wer sollte denjenigen nicht feind sein, welche die von den Vätern überkommenen Lehren verwerfen, dagegen aber den neueren in Rimini aus Streitsucht und Gewalttätigkeit erzeugten Beschlüssen den Vorzug gewähren? Wer wollte mit diesen Gemeinschaft haben, mit Menschen, die nicht einmal ihre eigenen Glaubensentscheidungen für wahr halten? Denn da sie auf ihren wohl zehn und noch mehr Synoden, wie schon erwähnt2, jedesmal etwas anderes festsetzten, so sind sie damit offenbar selbst zu Anklägern einer jeden derselben geworden. Sie befinden sich in derselben schlimmen Lage, in der sich einst die Abtrünnigen unter den Juden befunden haben. Denn wie jene die einzige Quelle des lebendigen Wassers verließen und sich Zisternen gruben, die kein Wasser halten konnten, wie es beim Propheten Jeremias heißt3, so haben auch diese gegen die eine ökumenische Synode angekämpft und sich dafür viele Synoden gegraben, aber diese erwiesen sich bei ihnen sämtlich als unfruchtbar wie kraftlose Ähren ohne Inhalt4. Laßt uns also nicht hören auf solche Leute, welche im Gegensatze zur Synode von Nizäa immer die von Rimini oder irgendeine andere im Munde führen! Denn es scheint, daß selbst diejenigen, [S. 146] die immer von der Synode von Rimini reden, nicht wissen, was auf derselben geschehen ist, sonst würden sie wohl davon schweigen.

Ihr wisset ja selbst, Geliebte, durch den Bericht der von Euch nach Rimini Gegangenen, wie Ursacius und Valens, Eudoxius und Auxentius — auch Demophilus hielt es dort mit ihnen — abgesetzt wurden, weil sie von den nizänischen abweichende Beschlüsse fassen wollten, als sie, aufgefordert, die arianische Häresie zu verdammen, sich dessen weigerten und lieber Beschützer derselben sein wollten. Die Bischöfe dagegen, die in Wahrheit Diener des Herrn waren und den rechten Glauben besaßen — es waren ihrer ungefähr zweihundert —, bestimmten, daß man sich mit der nizänischen Synode allein begnügen und nicht mehr und nicht weniger suchen oder denken solle als jene. Diesen Beschluß übermittelten sie auch dem Konstantius, der die Abhaltung der Synode angeordnet hatte. Unterdessen waren aber die in Rimini abgesetzten Bischöfe zu Konstantius geeilt und hatten bewirkt, daß jene, welche sie verurteilt hatten, verächtlich behandelt und ihnen gedroht wurde, sie dürften nicht in ihre Diözesen zurückkehren, und daß sie sogar während des Winters gewaltsam in Thrazien zurückgehalten wurden, so daß sie endlich deren Neuerungen zustimmten.

Wenn also einzelne immer von Rimini sprechen, so mögen sie doch in erster Linie die Absetzung der vorher genannten Bischöfe erwähnen und die Bestimmung der (übrigen) Bischöfe, daß man neben dem zu Nizäa von den Vätern aufgestellten Bekenntnis nichts Weiteres suchen und daß man sich auf keine andere Synode berufen solle als auf jene. Doch dieses halten sie geheim; was dagegen in Thrazien gezwungenerweise geschehen ist, das führen sie beständig im Munde. Damit aber zeigen sie, daß sie Anhänger der arianischen Häresie und vom gesunden Glauben abgefallen sind. Wenn sodann jemand die ebengenannte große Synode und die von ihnen gehaltenen Synoden einander gegenüberstellen wollte, so würde er dort Gottesfurcht, hier aber Unvernunft finden. Denn die in Nizäa versammelten Bischöfe waren nicht zusammengekommen, nachdem sie vorher abgesetzt [S. 147] worden waren; dafür aber bekannten sie übereinstimmend, daß der Sohn die Wesenheit des Vaters besitze. Diese dagegen waren einmal und zum zweiten und dritten Male, und zwar in Rimini selbst abgesetzt worden und wagten trotzdem vorzuschreiben, man dürfe nicht sagen, daß Gott eine Wesenheit oder Hypostase besitze.“

Von solcher Art und so zahlreich waren die Ränke und Winkelzüge, welche im Abendlande von den Parteigängern des Arius im Kampfe gegen die Lehren der Wahrheit in Anwendung gebracht wurden.

1: Athanas. Epist. ad Afros 3—4. Migne, s. gr. 26, 1033—36.
2: In c. 2 desselben Briefes. Migne 1032.
3: Jer. 2, 13.
4: Osee 8, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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