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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Erstes Buch [323—337]

25. Schreiben des Kaisers Konstantin an Sabor, den König der Perser, in Betreff der Sorge für das Volk Gottes1

„Wenn ich den göttlichen Glauben bewahre, nehme ich teil am Lichte der Wahrheit; wenn ich mich vom Lichte der Wahrheit leiten lasse, komme ich zur Erkenntnis des göttlichen Glaubens. Daraus ersehe ich, was auch die Tatsachen bestätigen, daß der so heilige Dienst Gottes ein Lehrmeister ist zur Erkenntnis des heiligsten Gottes. Ich bekenne offen, daß ich diesem Dienste Gottes ergeben bin. Im Kampfe gestützt auf die Macht dieses Gottes, habe ich, von den äußersten Grenzen des Ozeans angefangen, der Reihe nach den ganzen Erdkreis durch sichere Hoffnung auf Rettung aufgerichtet, so daß alle Länder, welche unter der Knechtung so furchtbarer Tyrannen schmachteten und, täglichem Unheil preisgegeben, dahinsiechten, durch ihre Teilnahme an der allgemeinen Besserung der staatlichen Verhältnisse gleichsam wie durch eine ärztliche Behandlung zu neuem Leben erweckt wurden. Diesen Gott verehre ich, sein Zeichen trägt mein gottgeweihtes Heer auf den Schultern, und wohin immer die Sache des Rechtes ruft, dahin zieht es, und sofort erhalte ich auch in den herrlichsten Siegen desselben den Dank dafür. Diesen Gott ehre ich, wie ich offen bekenne, durch immerwährendes Andenken an ihn; von diesem Gott erkenne ich ganz klar mit reinem und lauterem Sinn, daß er in der höchsten Höhe wohnt.

Diesen rufe ich auf den Knien liegend an, fliehe alles verabscheuungswürdige Blut, alle widrigen und abscheulichen Düfte und meide alles irdische Licht; denn mit all dem befleckt hat der gottlose und schändliche Irrtum viele Völker und ganze Geschlechter zugrunde gerichtet und der Unterwelt überliefert. Was nämlich der Gott des Weltalls aus Fürsorge für die Menschen [S. 78] und aus Liebe zu ihnen und zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse ins Dasein gerufen hat, das läßt er keineswegs nach der Lust des einzelnen gebrauchen oder mißbrauchen, sondern er verlangt von den Menschen ein ganz reines Herz und eine ganz makellose Seele und beurteilt darnach die Handlungen der Tugend und Frömmigkeit. Denn er freut sich an Werken der Güte und Milde, hat die Sanftmütigen gern, die Unruhigen haßt er, er liebt den Glauben und straft den Unglauben, stürzt jede mit Anmaßung verbundene Gewalt, züchtigt den Stolz der Übermütigen; die im Dünkel sich überheben, vertilgt er von Grund aus, die Demütigen und Geduldigen aber belohnt er nach Verdienst. So schätzt er auch eine gerechte Herrschaft gar hoch und macht sie stark durch seine Hilfe und nimmt den klugen Sinn des Königs in seinen Schutz durch Gewährung von Ruhe und Frieden.

Ich glaube mich nicht zu irren, mein Bruder, wenn ich bekenne, daß dieser Gott ist und Urheber und Vater von allem, den viele von unseren Kaisern, in wahnsinnigen Irrtümern befangen, zu leugnen unternommen haben. Aber sie alle hat zur Strafe hierfür ein so schreckliches Ende hinweggerafft, daß das ganze spätere Menschengeschlecht denen, die je Ähnliches anstreben möchten, statt eines anderen abschreckenden Beispieles nur deren unglückseliges Schicksal vor Augen stellen wird. Einer von diesen ist, glaube ich, jener gewesen, den der göttliche Zorn wie ein Sturmwind von hier hinweggeführt und Euerem Lande überliefert hat, daß er das bei Euch befindliche vielbesprochene Siegeszeichen abgebe als Zeichen seiner Schmach2.

Es hat sich jedoch, wie es scheint, gut gefügt, daß auch in unserer Zeit die Rache sich an solchen Frevlern offen gezeigt hat. Ich sah nämlich selbst das Ende [S. 79] derjenigen, welche vor kurzem erst das gottgeweihte Volk durch ihre ruchlosen Anordnungen in Schrecken versetzt haben. Darum sei auch Gott inniger Dank dafür, daß durch die Fügung seiner weisen Vorsehung das ganze Menschengeschlecht, soweit es das Gesetz Gottes beobachtet, sich freuen und jubeln kann, da ihm der Friede wieder zurückgegeben ist. Ich bin daher auch selbst der festen Überzeugung, daß alles aufs beste und sicherste bestellt ist, wenn Gott sich würdigt, durch die reine und bewährte Religion dieser Menschen alle infolge ihrer gemeinsamen Anschauung in göttlichen Dingen um sich zu sammeln.

Wie sehr glaubst Du nun wohl, daß ich mich freue, da ich vernehme, es seien auch in Persien die herrlichsten Landschaften weithin, ganz so wie ich es wünsche, mit einer Schar dieser Leute geziert — ich meine natürlich die Christen, zu deren Gunsten ja mein ganzes Schreiben verfaßt ist. Möge es denn Dir aufs allerbeste ergehen und ebenso aufs beste auch diesen! Wie Dir, so auch ihnen! Denn so wirst Du den Herrn der Welt Dir milde, gnädig und geneigt machen. Diese also empfehle ich Dir, weil Du so mächtig bist, eben diese lege ich in Deine Hände, weil Du auch durch Frömmigkeit ausgezeichnet bist. Diese liebe so, wie es Deiner Menschenfreundlichkeit entsprechend ist. Denn durch Deinen ehrlichen Schutz wirst Du Dir selbst und auch uns eine unbeschreibliche Wohltat erweisen.“

Eine so große Sorge widmete der beste Kaiser den Christen; er kümmerte sich nicht nur um seine eigenen Untertanen, sondern nahm sich nach Kräften auch um diejenigen an, welche einer fremden Herrschaft unterworfen waren. Dafür erfreute er sich aber auch seinerseits des besonderen göttlichen Schutzes, und während er über ganz Europa und Libyen und dazu über den größten Teil von Asien herrschte, waren ihm seine Untergebenen in Liebe zugetan und folgten gerne seiner Leitung. Ja sogar die barbarischen Völkerschaften waren ihm Untertan, die einen freiwillig, die anderen durch den Krieg dazu gezwungen; und allenthalben wurden Trophäen errichtet und wurde der Kaiser als Sieger gefeiert. Indessen haben dieses schon andere [S. 80] ausführlicher dargelegt und verherrlicht. Wir wollen uns daher auf die Geschichtserzählung beschränken, die wir uns zur Aufgabe gesetzt haben.

Der allberühmte Kaiser trug also in seinem Herzen den Eifer der Apostel, andere dagegen, welche des hohenpriesterlichen Amtes gewürdigt waren, wollten nicht nur nicht aufbauen, sondern unternahmen es sogar, die Grundfesten der Kirche zu zerstören. Denn sie haben diejenigen, welche diese Grundfesten mitsamt den apostolischen Lehren schützten, mit den verschiedenartigsten Verleumdungen angegriffen, abgesetzt und vertrieben. Ihre Eifersucht war nämlich nicht damit zufrieden, gegen den großen Eustathius jene berüchtigte Untat verübt zu haben, sie unternahmen es vielmehr, noch ein weiteres sehr starkes Bollwerk der christlichen Wahrheit zu untergraben und bedienten sich hierzu der mannigfachsten Kniffe. In Kürze will ich auch diese Tragödie so gut als möglich erzählen.

1: Bei Euseb. Vita Const. IV, 9—13.
2: Gemeint ist Kaiser Valerian (253—260), der im Krieg gegen die Perser besiegt und gefangen genommen und in der Gefangenschaft äußerst schimpflich behandelt wurde. Nach seinem Tode wurde ihm die Haut abgezogen, rot angestrichen und in einem persischen Göttertempel öffentlich zur Schau gestellt. Vgl. Laktantius, Von den Todesarten der Verfolger, Kap. 5 und Rede Konstantins an die hl. Versammlung, Kap. 24.

 

 

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