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Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)
Erstes Buch [323—337]

17. Schreiben des Kaisers Konstantin an den Bischof Makarius von Jerusalem in Betreff der Erbauung des heiligen Tempels1

„Konstantin, der Siegreiche, Großmächtige, Erhabene, dem Makarius.

So groß ist die Gnade unseres Erlösers, daß kein Aufwand an Worten des gegenwärtigen Wunders würdig zu sein scheint. Denn es übersteigt doch wahrlich alles Staunen, daß das Denkzeichen seines hochheiligen Leidens, in früheren Zeiten unter der Erde geborgen, während einer so langen Reihe von Jahren vergessen blieb, bis es seinen infolge der Vernichtung des gemeinsamen Feindes der ganzen Welt befreiten Dienern wieder erglänzen sollte. Denn wenn auch alle, die auf der ganzen Erde für weise gelten, an einem und demselben Orte [S. 63] zusammenkämen und etwas vorbringen wollten, was dieses Ereignisses würdig wäre, so würden sie das mit allem Wetteifer nicht im geringsten zustande bringen. So sehr übersteigt die in diesem Wunder liegende Beglaubigung jegliche mit menschlicher Vernunft begabte Natur, wie anerkanntermaßen das Göttliche mächtiger ist als das Menschliche. Darum ist dieses immer mein erstes und einziges Ziel, daß in demselben Grade, wie die Beglaubigung der Wahrheit täglich in neuen Wundern sich zeigt, auch unser aller Herzen in Sittsamkeit und gleichgesinnter Bereitwilligkeit immer eifriger werden in der Beobachtung des heiligen Gesetzes. Nachdem dieses, wie ich glaube, allen bekannt ist, möchte ich Dich besonders davon überzeugt wissen, daß mir mehr als an allen anderen Dingen daran gelegen ist, wie wir jenen heiligen Ort, den ich auf Gottes Geheiß von dem schändlicherweise dort aufgestellten Götzenbilde wie von einer drückenden Last befreit habe, jenen Ort, der von Anfang an nach dem Ratschlusse Gottes geheiligt ward und noch heiliger geworden ist, seitdem er das Wahrzeichen des erlösenden Leidens an das Tageslicht gebracht hat, wie wir diesen heiligen Ort nunmehr mit herrlichen Bauten schmücken können.

Es wird deshalb Sache Deiner Umsicht sein, solche Anordnungen zu treffen und für alles Notwendige so zu sorgen, daß nicht nur eine Basilika erstehe, herrlicher wie alle, die irgendwo sich finden, sondern daß auch alles daran so gestaltet werde, daß dieser Bau die schönsten Bauwerke jeglicher Stadt samt und sonders überstrahle. Was die Aufführung der Mauern und die künstlerische Ausschmückung derselben betrifft, so wisse, daß wir die Sorge dafür unserem Freunde Drakillian, der die Stelle der hochangesehenen Statthalter vertritt, und dem Provinzstatthalter übertragen haben. Es ist diesen nämlich von meiner Frömmigkeit der Auftrag gegeben worden, daß Künstler und Handwerker und alles, was ihnen Deine Klugheit als zum Bau notwendig bezeichnet, sofort durch ihre Fürsorge bereitgestellt werde. Hinsichtlich der Säulen und des Marmors mögest Du persönlich eine kurze Übersicht herstellen und schleunigst an uns berichten, was Du für das Kostbarste und Zweckdienlichste [S. 64] erachtest, damit dieses von allen Seiten her in solcher Menge und Beschaffenheit zusammengebracht werden kann, wie wir es aus Deinem Schreiben als notwendig erkennen werden. Denn es ist nur recht und billig, daß der wunderbarste Ort der Welt auch nach Gebühr geschmückt und ausgestattet werde.

Was ferner die Decke der Basilika betrifft, so möchte ich von Dir erfahren, ob sie nach Deiner Meinung getäfelt oder in irgendeiner anderen Weise hergestellt werden soll; wenn sie nämlich getäfelt werden soll, könnte das übrige mit Gold verziert werden. Es möge also Deine Heiligkeit den oben genannten Richtern möglichst bald bekannt geben, wieviel Handwerker und Künstler und wieviel Geldmittel erforderlich seien. Das Gleiche mögest Du aber sofort auch mir mitteilen, nicht nur was den Marmor und die Säulen, sondern auch was die Täfelung betrifft, wenn Du anders diese für schöner halten solltest. Gott möge Dich, geliebter Bruder, in seinen Schutz nehmen!“

1: Vgl. Euseb. Vit. Const. III, 30—32.

 

 

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