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Cyprian von Karthago († 258) - Vom Segen der Geduld (De bono patientiae)

Teil 2b

Kap. 19. Umgekehrt können wir die gefährlichen Wirkungen der Ungeduld an dem Schicksal ersehen, das den Satan, das einen Adam, Kain und Esau traf, sowie an dem Beispiel des jüdischen Volkes und der Häretiker.

Und damit, geliebteste Brüder, der Wert der Geduld noch mehr in die Augen fällt, laßt uns nur bedenken, wieviel Schlimmes umgekehrt die Ungeduld mit sich bringt! Denn wie die Geduld ein Segen Christi ist, so ist andererseits die Ungeduld ein Fluch des Teufels, und wie der, in dem Christus wohnt und bleibt, geduldig befunden wird, so zeigt sich der stets ungeduldig, dessen Sinn von der Bosheit des Teufels in Besitz genommen ist. Laßt uns nur gleich den Anfang [der Welt] besehen! Der Teufel ertrug es nur mit Ungeduld, daß der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde1 ; deshalb war er der erste, der [selbst] zugrunde ging und andere zugrunde richtete. Dem göttlichen Gebote zuwider vermochte Adam in seiner Ungeduld der tödlichen Speise sich nicht zu enthalten und verfiel so dem Tode, statt die von Gott empfangene Gnade unter dem Schutze der Geduld zu bewahren. Und auch dazu, daß Kain seinen Bruder erschlug, kam es nur, weil er mit Ungeduld auf dessen Opfer und Gabe sah. Und wenn Esau von Höherem zu Niedrigerem herabsank, so rührt es daher, daß er das Vorrecht seiner Erstgeburt durch sein ungeduldiges Gelüste nach dem Linsengericht verlor. Wenn ferner das gegenüber den göttlichen Wohltaten treulose und undankbare jüdische Volk zum ersten Male von Gott abtrünnig wurde, war nicht auch daran die Ungeduld schuld? Da es ungeduldig wurde, als Moses mit Gott sprach und lange ausblieb, wagte es, unheilige Götter zu verlangen, so daß es das Haupt eines Rindes und ein Gebilde aus Erde zu Führern auf seinem Zuge ausrief. Und von dieser Ungeduld ließ es niemals ab, sondern der göttlichen Belehrung und Leitung gegenüber stets ungeduldig, mordete es seine Propheten und alle Gerechten und ließ sich sogar dazu hinreißen, den Herrn zu kreuzigen und sein Blut zu vergießen. Die Ungeduld ist es auch, die in der Kirche die Häretiker hervorbringt und sie, die ähnlich den Juden gegen den Frieden und die Liebe Christi sich empören, zu feindseligem und wütendem Hasse aufstachelt. Und — um mich nicht allzu lange mit der Anführung von Einzelheiten aufzuhalten — überhaupt all das, was die Geduld durch ihre Werke aufbaut zum Ruhme, das richtet die Ungeduld zugrunde.

1: Ebenso führt Tertullian [,De patientia'. Kap. 5] den Fall des Satans auf Ungeduld zurück. Vgl. auch die Schrift 'De zelo et livore', Kap. 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger