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Cyprian von Karthago († 258) - Über die Einheit der katholischen Kirche (De catholicae ecclesiae unitate)
Einleitung

Kap. 3. Die gefährlichste Tücke des Widersachers zeigt sich in den Ketzereien und Spaltungen, die er erfunden hat, um die Einheit der Kirche zu zerreißen.

Auf der Hut zu sein aber, [geliebteste Brüder,] gilt es nicht nur vor dem, was offen und klar zutage liegt, sondern auch vor allem, was durch die Schlauheit arglistigen Truges täuscht. Was gibt es aber Arglistigeres oder Schlaueres, als daß der durch Christi Ankunft entlarvte und niedergeworfene Feind, nachdem das Licht zu den Völkern gekommen und die Leuchte des Heils zur Errettung der Menschen aufgegangen war, so daß die Tauben die Verkündigung der Geistesgnade vernahmen, die Blinden ihre geöffneten Augen zum Herrn erhoben, die Kranken zu ewiger Gesundheit genasen, die Lahmen zur Kirche eilten, die Stummen in lauten Worten und Gebeten flehten, — als daß er gerade jetzt, wo er die Götzenbilder verlassen und wegen der übergroßen Menge der Gläubigen seine Stätten und Tempel verödet sah, einen neuen Betrug ersann, um gerade unter dem Deckmantel des christlichen Namens die Unvorsichtigen zu täuschen? Irrlehren und Spaltungen erfand er da, um durch sie den Glauben zu untergraben, die Wahrheit zu fälschen, die Einheit zu zerreißen. Diejenigen, die er in der Finsternis des alten Weges nicht festzuhalten vermag, die umgarnt und verleitet er auf einem neuen Irrpfad. Aus der Kirche selbst reißt er die Menschen los, und während sie sich einbilden, bereits dem Lichte nahe gekommen und dem Dunkel der Welt entronnen zu sein, hüllt er sie, ohne daß sie es merken, wieder in eine andere Finsternis. So nennen sie sich Christen, obwohl sie sich an das Evangelium Christi, an seine Beobachtung und an das Gesetz gar nicht halten, und sie glauben das Licht zu haben, obgleich sie in der Finsternis wandeln1 , indem der Widersacher sie berückt und irreführt, der nach dem Ausspruch des Apostels sich als einen Engel des Lichtes hinstellt und seine Diener als Diener der Gerechtigkeit erscheinen läßt2 . Und doch bieten sie nur die Nacht statt des Tages, das Verderben statt des Heils, hoffnungslose Verzweiflung unter dem Scheine der Hoffnung, Abfall und Unglauben unter dem Vorwande des Glaubens, den Antichrist unter dem Namen Christi, um so durch schlauen Trug die Wahrheit zu entstellen, indem sie mit ihren Lügen den Schein der Wahrheit erwecken. Dies kommt daher, geliebteste Brüder, daß man nicht auf den Ursprung der Wahrheit zurückgeht, daß man nicht die Quelle aufsucht und die Lehre der himmlischen Unterweisung nicht beachtet.

1: 1 Joh. 2, 9.
2: 2 Kor. 11, 141

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger