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Cyprian von Karthago († 258) - Über die Haltung der Jungfrauen (De habitu virginum)
Einleitung

Kap. 2. Alle Christen ohne Unterschied, die sich die Segnungen der Taufe erhalten wollen, bedürfen zu diesem Zwecke der Zucht.

Wenn nun aber in den heiligen Schriften häufig und überall Zucht geboten wird und die ganze Grundlage der Religion und des Glaubens auf Gehorsam und Furcht beruht, was haben wir dann begieriger anzustreben, was eifriger zu wünschen und zu beobachten, als daß wir möglichst starke Wurzeln schlagen, unser Haus in festem Bau auf Felsen gründen und so den Stürmen und den Ungewittern der Welt unerschütterlich gegenüberstehen, damit wir durch die Erfüllung der göttlichen Gebote zu Gottes Gaben gelangen? Dabei wollen wir erwägen und uns zugleich bewußt bleiben, daß unsere durch die Heiligung des lebenspendenden Bades von allem Schmutz der alten Befleckung gereinigten Glieder Tempel Gottes sind, die man nicht verletzen oder beflecken darf, da jeder, der sie verletzt, gleichfalls verletzt wird1 . Für diese Tempel sind wir die Hüter und Vorsteher2 . Wollen wir ihm dienen, dem wir bereits begonnen haben anzugehören. Paulus sagt in seinen Briefen, in denen er uns für unseren Lebensweg durch göttliche Lehren angeleitet hat: „Ihr seid nicht euer eigen, denn ihr seid teuer erkauft. Verherrlichet und traget Gott in eurem Leibe!"3 Wollen wir Gott verherrlichen und tragen in einem reinen und unbefleckten Leibe und in immer besserem Gehorsam, und laßt uns, die wir durch Christi Blut erkauft sind, in allem als willfährige Diener dem Befehle des Erlösers gehorchen und uns Mühe geben, daß nichts Unreines und Unheiliges in den Tempel Gottes eindringe, damit er nicht beleidigt den Wohnsitz verläßt, den er innehat! Retten und lehren, heilen und zugleich mahnen will der Herr, wenn er sagt: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre!"4 Er gibt die Richtschnur5 für den Lebenswandel, er gibt das Gesetz der Unsträflichkeit, nachdem er Gesundheit verliehen hat, und erlaubt es nicht, nachher mit freien und losen Zügeln umherzuschweifen, sondern droht vielmehr jedem um so schwerere Strafe an, der sich gerade dem hingibt, wovon er geheilt war. Denn natürlich ist die Schuld geringer, wenn man vorher gesündigt hat, solange man die Zucht Gottes noch nicht kannte; wenn man aber weiter sündigt, nachdem man bereits Gott kennen gelernt hat, gibt es keine Verzeihung mehr. Und so mögen denn Männer wie Frauen, Knaben wie Mädchen, jedes Geschlecht und jedes Alter mit der Gewissenhaftigkeit und Treue, die man Gott schuldet, darauf achten und dafür sorgen, daß das, was man heilig und rein von des Herrn Gnade empfängt, in ebenso sorgsamer Furcht bewahrt werde.

1: Vgl. 1 Kor. 3, 16f.; 6, 19.
2: Vgl. oben die Schrift an Donatus, Kap. 15.
3: 1 Kor. 6, 19 1
4: Joh. 5, 14.
5: Statt ,timorem' lese ich hier ,tenorem' [oder ,morem']

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger