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Cyprian von Karthago († 258) - An Donatus (Ad Donatum)

Hauptteil III

Kap. 11. Ebenso traurig steht es bei näherer Betrachtung mit den vermeintlichen Gütern der Welt. Wie nichtig und eitel ist der Glanz der äußeren Ehren und Würden!

och es sieht vielleicht so aus, als ob wir nur besonders schlimme Beispiele auswählten und im Eifer der Kritik nur solche Szenen an deinen Augen vorüberziehen ließen, deren trauriges und widriges Bild Gesicht und Blick eines Menschen mit besserer Erkenntnis verletzen muß. Darum will ich dir nunmehr das zeigen, was die Unwissenheit der Welt für Güter hält. Auch da wirst du nur Dinge sehen, die man fliehen sollte. Was hältst du von den Ehrenstellen, was von den Faszen1 , was von dem Überfluß im Reichtum, was von der Feldherrngewalt im Lager, von dem Glanz des Purpurs bei den Beamten, von der unumschränkten Macht der Herrscher? Dies alles ist nur das verborgene Gift schmeichelnder Übel, und es trägt zwar nach außen den heiteren Schein lächelnder Leichtfertigkeit, aber in sich birgt es die verführerische Tücke versteckten Unheils, ähnlich einem Gifte, bei dem man den tödlichen Säften Süßstoffe zugesetzt und durch schlauen Trug den Geschmack verbessert hat, so daß man das Gemisch, das man zu sich nimmt, für ein harmloses Getränk hält; sobald aber der Becher geleert ist, zeigt sich die verderbliche Wirkung des Trankes. Du siehst doch den Mann dort, der durch sein prächtiges Gewand Aufsehen erregt und im Glanze des Purpurs sich gefällt? Durch welche Erniedrigungen aber hat er diesen Glanz erkauft, welch verächtliche Behandlung durch anmaßende Menschen mußte er sich zuvor gefallen lassen, welch stolze Pforten umlagerte er, um seinen Morgengruß darzubringen, wie oft ging er, unter die dichten Scharen der Klienten gedrängt, den hochmütig einherschreitenden, aufgeblasenen Gönnern voran, nur damit auch ihm später einmal ein prunkvolles Gefolge die Aufwartung mache und voranziehe, dessen Ergebenheit nicht seiner Person, sondern nur seiner Macht gilt! Denn nicht seiner sittlichen Tüchtigkeit, sondern lediglich den Faszen hat er diese Verehrung zu verdanken. Betrachte weiter das schmähliche Ende solcher Leute! Wenn der Schmeichler, der immer nur auf günstige Zeiten lauert, sich zurückgezogen hat, wenn nach seinem Rücktritt vom Amte seine Anhänger von seiner Seite weichen und ihn schnöde im Stiche lassen, dann fällt ihm der Zusammenbruch seines zerrütteten Hauses schwer aufs Gewissen, dann kommen die Verluste seines erschöpften Vermögens zum Vorschein, durch die er den Beifall der Menge erkaufen und die Gunst des Volkes in eitlem und nichtigem Streben gewinnen mußte. Ein törichtes und fruchtloses Opfer fürwahr, aus Freude an einem täuschenden Schauspiel sich etwas verschaffen zu wollen, was dem Volke keinen Gewinn, dem Bewerber um das Amt nur Schaden bringt.

1: Die Faszen [Rutenbündel, aus denen ein Beil hervorragte] waren eines der ältesten Abzeichen der hohen römischen Beamten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger