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Sulpicius Severus (um 420) - Drei Dialoge (Dialogi; über den hl. Martinus)
1. Dialog

7.

Unter vielen Stellen, die von den Bischöfen aus seinen Schriften ausgehoben waren und verlesen wurden, weil sie offenbar gegen den katholischen Glauben verstießen, rief besonders jene Stelle den Argwohn wach, in der man lesen konnte, unser Herr Jesus sei für die Erlösung des Menschengeschlechtes im Fleische erschienen, habe die Kreuzesstrafe für das Heil der Menschen erduldet und um ihrer ewigen Seligkeit willen den Tod gekostet. Ganz in der gleichen Weise werde er auf demselben Leidenswege auch den Teufel erlösen; denn es entspreche seiner Güte und Liebe, daß er auch den gefallenen Engel befreie, wie er die irregegangenen Menschen auf den rechten Weg gebracht habe. Da die Bischöfe solches und anderes vorbrachten, entstanden Parteiungen, und schließlich kam es zum Aufruhr. Die Bischöfe vermochten diese Unruhe durch ihr eigenes Ansehen nicht zu unterdrücken, sie zogen deshalb, was sehr bedauerlich war1 , den Präfekten bei, um die Zucht in der Kirche wiederherzustellen. Aus Furcht vor diesem zerstreuten sich die Brüder und flüchteten die Mönche nach verschiedenen Gegenden; denn sie durften sich nach dem Erlasse nirgends niederlassen.

Es gab mir zu denken, daß jetzt ganz besonders Hieronymus, ein durch und durch katholischer und in der Hl. Schrift sehr bewanderter Mann, alle Schriften des Origenes verurteilte, während er doch anfänglich im Rufe stand, Anhänger des Origenes zu sein2 . Allein ich möchte mir über niemand ein Urteil erlauben, sollen doch hervorragende, gelehrte Männer in dieser Streitfrage verschiedener Ansicht sein. Übrigens mag ein Irrtum vorliegen, was meine Anschauung ist, oder eine wirkliche Häresie, was von andern angenommen wird; auf jeden Fall waren die zahlreichen scharfen Maßregeln der Bischöfe nicht geeignet, die Bewegung einzudämmen; sie hätte nicht so große Ausdehnung angenommen, hätte nicht der Zwist sie vergrößert.

Dieser Streit wogte nun auf und ab, als ich nach Alexandrien kam. Der Bischof dieser Stadt nahm mich zwar überaus gütig auf, besser als ich es erwartet hatte; er suchte mich bei sich zurückzuhalten, allein ich hatte keine Lust, da zu bleiben, wo eben noch blinder Haß gegen Brüder wütete. Macht es vielleicht auch den Eindruck, es sei Pflicht der Brüder gewesen, den Bischöfen Gehorsam zu leisten, so hätte doch nicht aus diesem Grund eine so zahlreiche Brüderschar, die im Bekenntnis Christi zusammenlebte, ins Elend gebracht werden sollen, zumal nicht von Bischöfen.

1: Ähnlich urteilte der heilige Martraus über das Vorgehen der weltlichen Gewalt gegen den Priszillianismus [Sulp. Sev., Chron. II, 50].
2: Erst von 393 an erklärte sieh Hieronymus gegen Origenes, als ein Antiorigenist in Palästina gegen Origenes Stimmung machte. 394 trat er dann offen auf die Seite des Bischofs Epiphanius.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger