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Sulpicius Severus (um 420) - Drei Dialoge (Dialogi; über den hl. Martinus)
1. Dialog

24.

Ich entgegnete: "Postumianus, schon vorhin, da ich mit gespannter Aufmerksamkeit deiner Erzählung über die Wundertaten der Mönche lauschte, wandten sich meine Gedanken im stillen meinem Martinus zu. Ich sehe jetzt berechtigter Weise klar ein, daß er zweifellos all das zusammen allein vollbracht hat, was jene im einzelnen getan haben. Geht auch dein Bericht über das Gewöhnliche hinaus, so habe ich trotzdem — die heiligen Mönche mögen es mir nicht verübeln — gar nichts von dir vernommen, worin Martinus nachstehen müßte. Wenn ich jedoch offen heraussage, daß keines Mannes Tugend mit den Verdiensten des Martinus den Vergleich aushalten kann, so muß ich billigerweise noch darauf aufmerksam machen, daß der Vergleich mit dem Eremiten oder gar mit dem Einsiedler nicht auf gleicher Grundlage ruht. Diese sind nämlich frei von jedem Hindernis und haben nur den Himmel und die Engel zu Zeugen, wenn sie, wie man uns belehrt, wundersame Werke vollbringen. Martinus dagegen lebte mitten im Weltgedränge und im Umgange mit den Menschen, unter zwiespältigen Klerikern und fanatischen Bischöfen. Fast jeder Tag brachte unangenehme Dinge, bald von da, bald von dort; aber allen Schwierigkeiten zum Trotz stand er mit unerschütterlichem Mute fest hin und hat so Großes geleistet wie keiner von jenen, die, wie wir gehört haben, in der Wüste lebten oder noch leben. Selbst wenn diese die gleichen Taten vollbracht hätten, wer wollte in seinem Urteile so ungerecht sein, daß er dem Martinus nicht mit Fug und Recht die Palme zuerkannte? Wisse, wenn Martinus ein Soldat war, der auf ungünstigem Gelände kämpfte, aber doch den Sieg errang, so mußt du jene billigerweise auch mit Soldaten vergleichen, aber mit solchen, die auf günstigem Gelände oder sogar von der Höhe herab kämpfen. Was folgt daraus? Wohl sind alle Sieger, aber keineswegs kommt allen gleicher Ruhm zu. Du hast zwar herrliche Wundertaten erzählt, indes, von niemand konntest du berichten, daß er einen Toten erweckt habe. Ja, man muß uns zugeben, in diesem Punkt ist Martinus unerreicht.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger