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Sulpicius Severus (um 420) - Drei Dialoge (Dialogi; über den hl. Martinus)
1. Dialog

2.

"Fürwahr", fiel ich da ein, "du hast Beweise genug erbracht für die vielvermögende Kraft treuer Liebe. Um meinetwillen hast du ja so viele Meere und Länder durcheilt und bist gleichsam vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergang gekommen. Wohlan denn, wir sind so ungestört beisammen, keine Pflicht drängt uns, und wir können deinem Bericht in aller Ruhe lauschen. Drum erzähle uns doch, bitte, die ganze Geschichte deiner Wanderfahrt, erzähle vom blühenden Glaubensleben der Christen im Oriente, vom Frieden der Gottgeweihten, von den Einrichtungen der Mönche, von den wunderkräftigen Zeichen, die Christus durch seine Diener wirkt. Gewiß, hierzulande bei unsern gegenwärtigen Verhältnissen wird uns sogar das Leben zum Ekel. Deshalb vernehmen wir gern aus deinem Munde, ob die Christen wenigstens in der Einsamkeit ruhig leben können. Darauf erwiderte Postumianus : "Ich will deinem Wunsche nachkommen. Doch zuerst möchte ich von dir erfahren, ob alle jene Bischöfe, die ich hier verlassen habe, auch jetzt noch die gleiche Gesinnung haben wie vor meiner Abreise"1 . Da antwortete ich: "Laß solche Fragen; du kannst dir die Antwort darauf selbst geben; wenn nicht, dann ist es besser, keine Antwort zu vernehmen. Das kann ich dir aber nicht vorenthalten: die, über welche du Auskunft erhalten willst, haben sich gegen früher um nichts gebessert, ja nicht bloß das, auch jener, der allein uns einst Liebe entgegenbrachte und bei der Anfeindung durch die andern uns tröstlich aufatmen ließ, ist unfreundlich gegen uns geworden, mehr als recht ist. Doch ich will mich nicht schonungslos gegen diesen äußern, weil ich ihn als Freund verehrte und auch dann noch liebte, da er als mein Feind galt. Während ich dies still bei mir überdenke, empfindet mein Herz tiefes Weh darüber, daß wir die Freundschaft dieses weisen und frommen Mannes fast ganz eingebüßt haben. Doch lassen wir solch kummervolle Dinge; wir wollen lieber dem, was du uns schon längst versprochen, lauschen". "Gut", entgegnete Postumianus. Daraufhin schwiegen wir alle eine kleine Weile. Dann rückte er den Teppich, auf dem er Platz genommen hatte, näher zu mir heran und begann also:

1: Vgl. Vita 27

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger