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Sulpicius Severus (um 420) - Leben des hl.Bekennerbischofs Martinus von Tours (Vita sancti Martini)

7.

Hilarius war aber schon weitergereist. Martinus folgte deshalb eilends1 seinen Spuren. Er wurde von ihm äußerst liebevoll aufgenommen und baute sich unfern der Stadt eine Zelle2 . Damals schloß sich ihm ein Katechumene an, der den Wunsch hatte, bei dem heiligen Manne die Schule der Vollkommenheit durchzumachen. Er erkrankte aber nach wenigen Tagen und wurde von heftigem Fieber gequält. Martinus war gerade nun nicht da. Drei Tage blieb er aus. Als er zurückkehrte, fand er ihn schon tot. Der Mann war ohne Taufe aus dem Leben geschieden, so unversehens war der Tod eingetreten. Die Leiche war aufgebahrt; die Brüder umstanden sie in trauernder Liebe. Da kam Martinus, weinend und seufzend. Er spürte in seinem Innersten das Wehen des Heiligen Geistes. Er gebot den andern, die Totenzelle zu verlassen und verriegelte die Türe. Dann legte er sich über die starren Glieder des Verstorbenen und betete eine Zeitlang voll Inbrunst. Jetzt fühlte er, wie der Geist des Herrn ihm die Wunderkraft zuströmen ließ; er richtete sich etwas auf, schaute dem Toten unverwandten Blickes ins Antlitz und harrte voll fester Zuversicht auf die Wirkung seines Gebetes und den Erweis der göttlichen Barmherzigkeit. Noch waren kaum ungefähr zwei Stunden verflossen, da sah er, wie nach und nach alle Glieder des Toten erzitterten, und die Augen zuckend sich dem Lichte wieder erschlossen. Der glückliche Mann wandte sich jetzt zu Gott, dankte mit lauter Stimme und erfüllte die Zelle mit seinen Freudenrufen. Da eilten die außenstehenden Brüder allsogleich herein. Welch' Wunder! Sie erblickten den am Leben, den sie als Leiche verlassen hatten. So dem Leben zurückgegeben, empfing dieser sofort die Taufe. Er lebte nachher noch mehrere Jahre; er war der erste bei uns, der die Wunderkraft des Martinus am eigenen Leibe erfahren hatte und zugleich auch selbst dafür Zeugnis geben konnte. Der gleiche Mann erzählte öfter, daß er nach seinem Hinscheiden vor den Richterstuhl Gottes geführt wurde; er habe da den niederschmetternden Urteilsspruch vernommen, er sei dem Ort der Finsternis und der Rotte der Verdammten verfallen. Da hätten zwei Engel den Richter darauf aufmerksam gemacht, er sei derjenige, für den Martinus bete. Deshalb sei der Befehl ergangen, daß er durch die gleichen Engel zurückgebracht, dem Martinus wiedergeschenkt und dem früheren Leben zurückgegeben werde. Von nun an begann der Name des Heiligen berühmt zu werden; denn galt er vordem allgemein schon als Heiliger, so kam er jetzt in den Ruf eines Wundertäters und wahrhaft apostolischen Mannes.

1: Lese mit Huber 1. c. 32/5 "citatis eum vestigiis" auf Grün 1 von Paulin von Periguoux und Venantius Fortun.
2: Das spätere Monasterium Locociacum, jetzt Ligugo bei Poitiers. Es war bis 1615 im Besitze der Benediktiner, 1615 bin 1858 von den Jesuiten, dann bis zur Aufhebung 1880 und 1901 von Benediktinern bewohnt [Longnon 566].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger