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Sulpicius Severus (um 420) - Leben des hl.Bekennerbischofs Martinus von Tours (Vita sancti Martini)

27.

Niemand hat ihn je zornig, aufgeregt, traurig, niemand lachen gesehen. Er blieb sich immer gleich; wie von himmlischer Freude strahlte sein Angesicht. Er machte den Eindruck einer übermenschlichen Erscheinung. In seinem Munde war nichts anderes als Christus, in seinem Herzen wohnte nur Güte, nur Frieden, nur Erbarmen1 . Häufig weinte er auch über die Sünden seiner offenkundigen Widersacher, die ihn, den weltentrückten, stillen Mann, mit giftiger Schlangenzunge verwundeten. Wir haben in der Tat manche kennen gelernt, die mit scheelem Auge sein Tugendleben betrachteten, die an ihm haßten, was sie an sich vermißten und nicht nachzuahmen vermochten. Ja, es ist traurig und beklagenswert: man nannte als seine Gegner — es waren deren freilich nur wenige — allgemein fast nur Bischöfe. Ich brauche keine Namen zu nennen, wenn auch viele mich angeifern. Es soll mir genug sein, wenn einer, der dies liest, zur Einsicht kommt und ihm dann die Schamröte ins Gesicht steigt. Denn braust er auf, dann zeigt er selbst, daß er sich getroffen fühlt, während ich vielleicht an andere dachte. Es schreckt mich aber nicht, wenn solche Leute vielleicht auch mich mit demselben Haß wie diesen Heiligen verfolgen. Das darf ich sicherlich mit Zuversicht erwarten, daß mein Büchlein allen gottgeweihten Mönchen2 eine willkommene Gabe ist. Wenn sonst einer beim Lesen ungläubig bleibt, so ist das seine eigene Schuld. Ich bin mir bewußt, daß die Glaubwürdigkeit der Tatsachen und die Liebe zu Jesus Christus mich zum Schreiben bewogen hat und daß ich nur Sicheres berichtet, nur Wahres mitgeteilt habe. Wenn Gott auch nicht für jeden Leser schlechthin einen Lohn bereit hält, so doch, wie ich fest vertraue, für jeden gläubigen Leser.

1: Diese Stelle kehrt bei Hilarius Arel., Vita Honorati 8, 37 wieder [Ml. 50, 1268].
2: Omnibus sanctis = nach damaligem Sprachgebrauch allen Mönchen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger