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Sulpicius Severus (um 420) - Leben des hl.Bekennerbischofs Martinus von Tours (Vita sancti Martini)

14.

Etwa um dieselbe Zeit erwies sich bei einer ähnlichen Gelegenheit die Wunderkraft des Martinus als nicht weniger staunenswert. Als er in einem Dorf an einen alten, hochberühmten Tempel Feuer gelegt hatte, trieb der Sturm ganze Feuergarben gegen das Nachbarhaus, das angebaut war. Sowie Martinus dies gewahr wurde, stieg er rasch auf das Dach jenes Hauses und stellte sich den heranzüngelnden Flammen entgegen. Da konnte man sehen, wie das Feuer wunderbarerweise ganz gegen die Windrichtung zurückschlug, so daß es den Anschein erweckte, als lägen die Elemente miteinander im Kampf. So wütete das Feuer durch die Wunderkraft des Martinus nur da, wo er es haben wollte.

Ein andermal wollte Martinus in einem Dorf, das Leprosum1 heißt, auch den Tempel zerstören, den abergläubische Verehrung überaus prächtig ausgestattet hatte. Eine Schar Heiden widersetzte sich ihm, mißhandelte und vertrieb ihn. Martinus zog sich in die Nähe zurück. Dort fastete er unter beständigem Gebet drei Tage lang in Sack und Asche. Er flehte zum Herrn, die Kraft Gottes möge diesen Tempel vernichten, weil ihn Menschenhand nicht zerstören könne. Da erschienen ihm auf einmal zwei Engel mit Schild und Lanze bewehrt wie himmlische Krieger. Sie sprachen, der Herr habe sie gesandt, die Rotte der Heiden zu verjagen und Martinus zu beschützen, damit niemand sich widersetze, während er den Tempel zerstöre. Er solle also zurückkehren und das begonnene Werk in frommem Eifer zu Ende führen. Martinus kehrte also zum Dorf zurück. Die Heidenschar verhielt sich ruhig; unter ihren Augen legte er den Götzentempel bis auf die Fundamente nieder und zermalmte alle Altäre und Götzenbilder zu Staub. Bei diesem Anblick kam es den Heiden zum Bewußtsein, daß eine höhere Macht sie gelähmt und in Schrecken gesetzt habe, damit sie sich dem Bischof nicht widersetzen könnten. Fast alle nahmen den Glauben an den Herrn Jesus an und bekannten unter lautem Rufen, den Gott des Martinus müsse man anbeten, die Götzenbilder seien zu verachten, da sie sich nicht einmal selbst schützen könnten.

1: Wahrscheinlich das heutige Levroux zwischen Chäteauroux und Valençay.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger