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Vinzenz v. Lerin († vor 450) - Commonitorium

9. Niemals war es gestattet, den katholischen Christen etwas gegen die Überlieferung zu predigen.

Aber vielleicht wurde jenes nur den Galatern befohlen? Dann wäre auch das den Galatern allein befohlen worden, was im Verlaufe desselben Briefes erwähnt wird, nämlich: Wenn wir im Geiste leben, lasset uns auch im Geiste wandeln; werden wir nicht nach eitlem Ruhme begierig, indem wir einander herausfordern, einander beneiden1 usw. Wenn das unmöglich ist und diese Gebote allen gleichmäßig gegeben sind, so bleibt nur übrig, daß, wie diese Sittengebote, so auch jene Glaubensvorschriften alle in gleicher Weise angehen, [14] und daß, wie es niemandem freisteht, andere herauszufordern und andere zu beneiden, es auch niemandem gestattet ist, etwas anderes anzunehmen, als was die katholische Kirche jederzeit als Evangelium verkündet. Oder wurde vielleicht damals befohlen, der solle verflucht sein, der etwas anderes predige, als was gepredigt worden war, und jetzt wird es nicht mehr befohlen? Dann wäre auch das, was er gleichfalls dort sagt: Ich sage aber: Wandelt im Geiste und vollbringt nicht das Gelüste des Fleisches!2 nur damals befohlen worden, und jetzt würde es nicht mehr befohlen. Wenn es nun gottlos und zugleich verderblich ist, so zu glauben, so folgt daraus, daß, wie das letztere zu allen Zeiten beobachtet werden muß, auch jenes, das in betreff der Unveränderlichkeit des Glaubens bestimmt wurde, für alle Zeiten geboten ist.

Also den katholischen Christen etwas zu predigen gegen das, was sie empfangen haben, war niemals gestattet, ist nirgendwo gestattet und wird nie gestattet sein; die aber zu verfluchen, die etwas anderes predigen, als einmal angenommen worden ist, war immer notwendig, ist überall notwendig und wird immer notwendig sein. Ist nun bei dieser Sachlage wohl jemand so verwegen, daß er etwas anderes predigt, als was in der Kirche gepredigt worden ist, oder so leichtsinnig, daß er etwas anderes annimmt, als was er von der Kirche empfangen hat? Er ruft und ruft wieder und ruft es allen und immerdar und überall in seinen Briefen zu, er, das auserwählte Gefäß3 , der Lehrer der Heiden4 , die Posaune der Apostel, der Herold der Erde, der Kenner des Himmels5 : wenn jemand eine neue Glaubenslehre verkünde, solle er verflucht sein. Und dagegen schreien einige Frösche, Bremsen und Eintagsfliegen6 , wie es die Pelagianer sind, und zwar sagen sie den Katholiken: Auf unsere Autorität hin, unter unserer Führung, nach unserer Auslegung verdammt, was ihr festhieltet, haltet fest, was ihr verdammtet, verwerfet den alten Glauben, die väterlichen Satzungen, den hinterlegten Schatz der Vorfahren, und nehmt an, nun was denn? Ich sage es mit Schaudern; denn es sind so hochmütige Zumutungen, daß nicht nur ihre Behauptung, sondern sogar ihre Zurückweisung ohne irgendeine Sünde nicht möglich scheint.

1: Ebd. 5, 25 f.
2: Gal. 5, 16.
3: Apg. 9, 15.
4: 1 Tim. 2, 7.
5: 2 Kor. 12, 4.
6: Man denke an die Plagen Ägyptens.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger