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Vinzenz v. Lerin († vor 450) - Commonitorium

33. Schluß.

Wer nun immer diesen apostolischen und katholischen Beschlüssen widerstrebt, der muß zu allererst das Andenken des hl. Cälestin schänden, da dieser entschied, die Neuerung solle aufhören, das Altertum anzugreifen; der muß ferner die Bestimmungen des hl. Sixtus verhöhnen, der erklärte, fürderhin solle der Neuerung kein Spielraum mehr gewährt werden, weil man dem Altertum nichts beifügen dürfe; er muß aber auch die Satzungen des seligen Cyrill verachten, der den Eifer des ehrwürdigen Kapreolus gar sehr lobte, weil dieser verlangte, daß die alten Glaubenssätze bestätigt, die neuerfundenen aber verdammt werden sollten. Auch die ephesinische Synode, d. h. die Beschlüsse der heiligen Bischöfe fast des ganzen Orients, tritt er mit Füßen, weil es ihnen nach Gottes Eingebung gefiel, nichts anderes den Nachkommen zum Glauben vorzuschreiben, als was das geheiligte und mit sich selbst in Christus übereinstimmende Altertum der heiligen Väter festgehalten hätte, und weil sie auch laut und feierlich bezeugten, es sei die Stimme aller, der Wunsch aller, die Meinung aller, daß, wie fast alle Häretiker vor Nestorius, die das Alte verachteten und Neues vorbrachten, verurteilt worden seien, so auch Nestorius selbst als Urheber einer Neuerung und Bekämpfer des Altertums verurteilt werde. Wenn nun ihre hochheilige und durch die Kraft der himmlischen Gnade gewirkte Übereinstimmung jemandem mißfällt, so heißt das nichts anderes als behaupten, die Ruchlosigkeit des Nestorius sei nicht mit Recht verdammt worden; ein solcher muß schließlich auch die ganze Kirche Christi und ihre Lehrer, die Apostel und Propheten, besonders aber den seligen Apostel Paulus als Auskehricht mißachten; die Kirche, weil sie von der gewissenhaften Pflege und Ausbildung des ihr einmal anvertrauten Glaubens niemals abgewichen ist; den hl. Paulus aber, weil er schrieb: O Timotheus, bewahre die Hinterlage, indem du die heillosen Wortneuerungen meidest1 , und ebenso: Wenn euch jemand etwas anderes verkündet, als was ihr empfangen habt, so sei er verflucht2 . Wenn nun weder die apostolischen Satzungen noch die kirchlichen Entscheidungen verletzt werden dürfen, durch welche nach der hochheiligen Übereinstimmung der Allgemeinheit und des Altertums immerfort alle Häretiker und zuletzt Pelagius, Cälestius und Nestorius mit Fug und Recht verurteilt worden sind, so müssen fürwahr in der Folgezeit alle Katholiken, die sich als echte Söhne der Mutter Kirche erweisen wollen, dem heiligen Glauben der heiligen Väter anhangen und bis zum letzten Atemzuge treu bleiben, die ruchlosen Neuerungen ruchloser Menschen aber verwünschen, verabscheuen, bekämpfen und verfolgen.

Das etwa ist es, was in den beiden Commonitorien weiter ausgeführt, hier aber viel kürzer wiederholt und zusammengezogen wurde, damit mein Gedächtnis, zu dessen Unterstützung das Werk verfaßt worden ist, durch beständige Erinnerung aufgefrischt, durch Überdruß an Weitschweifigkeit aber nicht niedergedrückt werde.

1: 1 Tim. 6, 20.
2: Gal. 1, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger