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Vinzenz v. Lerin († vor 450) - Commonitorium

31. Verhandlungen desselben allgemeinen Konzils zu Ephesus.

Nach all diesem haben wir auch eine Meinungsäußerung des seligen Cyrill beigefügt, die in den kirchliehen Akten selbst enthalten ist. Denn nach Verlesung eines Briefes des hl. Kapreolus, Bischof von Karthago, der nichts anderes beabsichtigte und wollte, als daß die Neuerung abgetan und das Altertum geschützt werde, ergriff der Bischof Cyrill das Wort und gab eine Erklärung ab, die auch hier einzuschalten mir angebracht scheint. Es heißt nämlich am Schluß der Akten: Auch dieser Brief des ehrwürdigen und tieffrommen Bischofs Kapreolus von Karthago, der vorgelesen worden ist, soll den wahrheitsgetreuen Akten beigelegt werden. Sein Sinn ist klar; er will nämlich, daß die alten Glaubenslehren bekräftigt, dagegen die neuen, überflüssig ersonnenen und gottlos unter das Volk gebrachten, verworfen und verdammt werden. Alle Bischöfe riefen: Das ist die Stimme aller, das sagen wir alle, das ist aller Wunsch1 . Was anders war denn die Stimme aller und der Ruf aller, als daß das Altüberlieferte festgehalten, das erst kürzlich Ersonnene verworfen werden solle?

Darnach haben wir unsere Verwunderung ausgesprochen und die große Demut und Heiligkeit jenes Konzils gerühmt, daß so viele Priester, größtenteils Metropoliten2 , von solcher Bildung und solcher Gelehrsamkeit, daß sie fast alle über Glaubenssätze Erörterungen anstellen konnten, denen überdies ihre Zusammenkunft an einem Orte das Vertrauen geben durfte, daß sie etwas wagen und beschließen konnten, daß sie, sage ich, dennoch nichts neuerten, nichts beanspruchten und sich durchaus nichts anmaßten, sondern auf alle Weise nur Vorsorge trafen, daß den Späteren nichts überliefert werde, was sie selbst nicht von den Vätern empfangen hatten, und nicht nur für die Gegenwart den Streit beilegten, sondern auch den Nachkommen ein Beispiel gaben, auch ihrerseits die Lehren des geheiligten Altertums festzuhalten und die Erfindungen gottloser Neuerung zu verdammen.

Wir wandten uns auch gegen die verruchte Anmaßung des Nestorius, daß er sich groß mache, als verstehe er zuerst und allein die Heilige Schrift und als hätten alle sie nicht verstanden, die vor ihm, mit dem Lehramte betraut, die göttlichen Aussprüche behandelten, nämlich alle Priester, alle Bekenner und Märtyrer, von denen die einen das Gesetz Gottes ausgelegt, die andern ihrer Auslegung zugestimmt und geglaubt hatten, daß er endlich behaupte, die ganze Kirche irre auch jetzt noch und habe immer geirrt, weil sie, wie er glaubte, unwissenden und irrenden Lehrern gefolgt war und noch folgte.

1: Kapreolus war in Karthago der Nachfolger des Bischofs Aurelius, des Freundes des hl. Augustinus. Da er wegen des Einfalles der Vandalen nicht persönlich in Ephesus erscheinen konnte, schickte er ein Schreiben, das den Glauben der afrikanischen Kirche in der Sache des Nestorius zum Ausdruck bringen sollte; dasselbe ist griechisch und lateinisch erhalten.
2: Durch das kaiserliche Berufungssohreiben wurde den Metropoliten befohlen, Pfingsten 431 zu Ephesus zusammenzukommen und so viele Suffraganbischöfe mitzubringen, als abkömmlich seien.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger