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Eusebius von Cäsarea († um 340)
Über die Märtyrer in Palästina
(De martyribus palaestinae).

Einleitung

Es1 war das neunzehnte Jahr der Regierung Diokletians, der Monat Xanthikus — April würde er bei den Römern heißen —, unter der Statthalterschaft des Flavian in Palästina, als gerade zu der Zeit, da das Fest des Leidens des Herrn herannahte, auf einmal allenthalben ein Edikt angeschlagen wurde des Inhalts, die Kirchen seien dem Erdboden gleichzumachen und die heiligen Schriften dem Feuer zu übergeben; ferner sollten diejenigen, die in Ämtern und Würden stünden, dieselben verlieren, die Bediensteten des kaiserlichen Hauses aber der Freiheit verlustig gehen, wenn sie beim Bekenntnisse des Christentums verharrten. Das war der Inhalt des ersten gegen uns gerichteten Ediktes2 . Bald darauf folgte ein zweites mit der Bestimmung, überall seien alle Vorsteher der Kirchen zunächst zu verhaften und danach mit allen Mitteln zum Opfern zu zwingen3 .

1: Die Einleitung der längeren Fassung, nur in S erhalten, lautet [nach Violet S. 1 ff. vgl. Einleitung und Literaturverzeichnis]: „Die heiligen Märtyrer Gottes! — sie liebten unsern Heiland und Herrn Jesus Christus und Gott, den Allmächtigen und Allkönig, mehr als sich selbst und ihr eigenes Leben; sie nahmen den Kampf um die Religion auf und wurden geschmückt mit dem Martyrium der Bekennerschaft; sie zogen grausigen Tod dem zeitlichen Leben vor, wurden durch lauter herrliche Siege gekrönt und brachten den Lobpreis für ihren erstaunlichen Sieg Gott, dem über alles Erhabenen, dar; denn sie standen im Verkehr mit dem Himmel und waren mit ihm vertraut, welcher ihrem Martyrium Sieg verlieh; sie bringen Preis, Ehre und Hoheit dar dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste; und die Seelen der Bekenner, welche des Himmelreiches würdig waren, empfangen Ehre in Gemeinschaft mit den Propheten und Aposteln. Wir aber, die wir der Unterstützung durch ihr Gebet bedürfen und denen auch durch der Apostel Schrift geboten ist, Anteil an dem Gedächtnisse der Heiligen zu nehmen, wollen uns mit ihnen beschäftigen und anfangen, ihre Kämpfe wider die Sünde zu beschreiben, welche allezeit durch den Mund aller Gläubigen, die sie kennen, gefeiert werden. Nicht auf steinernen Standbildern ist ihr Lob eingezeichnet, noch auf farbenreichen Darstellungen, nicht mit Farben und leblosen irdischen Abbildungen, sondern durch wahrhaftige Rede, vor Gott gesprochen: das bezeugt die augenfällige Wirklichkeit.
So wollen wir denn die offenbaren Abbilder und rühmlichen Erweisungen der göttlichen Lehre schildern, und schriftlich ein unvergeßliches Andenken errichten und ihre bewundernswerte Tugend uns als dauernden Anblick vor Augen stellen. Ich bewundere ihre alles ertragende Tapferkeit, auch ihre mannigfaltige Bekennerschaft und die kräftige Entschlossenheit ihrer Seele, ihren hohen Sinn, ihren freimütigen Glauben, ihre klare Überlegung, ihre Überzeugungstreue und ihre wahrhaftige Frömmigkeit: daß sie nicht kleinmütig wurden, daß ihre Augen nach oben schauten und daß sie von Furcht und Schrecken frei waren. Die Liebe zu Gott und seinem Gesalbten gab ihnen ja auch eine alles übertreffende Kraft, so daß sie ihre Feinde besiegten. Denn sie liebten Gott, den Allkönig, und hingen ihm alle nach ihrem Vormögen an; und der Lohn, welchen er ihnen für ihre Liebe zu ihm gab, bestand darin, daß er sie unterstützte. Von ihm wurden sie geliebt und gegen ihre Feinde gestärkt; und sie bedienten sich der Worte jenes Bekenners, welcher vor ihnen Zeugnis abgelegt hat, indem sie sprachen: „Was soll uns von Christus scheiden, Bedrängnis oder Trübsal oder Verfolgung oder Hunger oder Tod oder Schwert? Wie geschrieben steht: Um Deinetwillen sterben wir täglich, wir sind geachtet wie Schlachtschafe.“ Und indem jener Märtyrer Gottes weiter die Standhaftigkeit erhebt, welche sich von den Übeln nicht besiegen läßt, sagt er: „Bei alledem siegen wir für den, der uns geliebt hat.“ Vorher hat er verkündet, daß alle Übel durch Gottes Liebe besiegt werden; und daß sie alle Schrecknisse und Drangsale verachten, das predigt er und sagt: „Ich bin gewiß, daß weder Leben noch Tod, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Kräfte, weder Höhe noch Tiefe, noch eine andere Schöpfung uns trennen können von der Liebe Gottes in unserm Herrn Jesus Christus.“ Zu eben derselben Zeit nun, wie Paulus, welcher auf die Kraft seines Herrn stolz war, welcher persönlich mitten in der Kaiserstadt Rom mit dem Bekenntnissiege gekrönt wurde, da er dort in herrlichem Kampfe gestritten hatte, und mit eben dem Siege, welchen Christus den siegreichen Märtyrern gibt, wurde auch Simon, das Haupt und der Erste der Jünger, ebenfalls dort gekrönt und litt wie unser Herr. Auch andere Apostel noch fanden an andern Orten durch das Martyrium ihr Lebensende, und nicht den ersten allein wurde diese Gnade verliehen, sondern sie wurde unverkürzt auch unserm Geschlechte zuteil.
Die Kämpfe nun, welche an den einzelnen Orten rühmlich ausgefochten worden sind, haben diejenigen zu beschreiben, welche an denselben Orten lebten. Ich aber bete, daß ich fähig sein möge, über die zu sprechen, mit denen zusammen zu sein ich gewürdigt worden bin und die mit mir Verkehr pflogen, sie, deren sich die gesamte Bevölkerung von Palästina rühmt, da in unserem Lande auch wie eine den Durst stillende Quelle der Erlöser aller Menschen erstanden ist. Die Kämpfe jener ruhmvollen Fechter will ich zu Lehr und Frommen der Gesamtheit erzählen“.
2: Der Wortlaut des Ediktes vom 24. Februar 303 findet sich auch in der „Kirchengeschichte“ des Eusebius VIII, 2, 4. Wertvolle Ergänzungen bietet der Wortlaut bei Lactantius, ,,Von den Todesarten der Verfolger“ c. 13. Die Übersetzung des umstrittenen Ausdrucks touj de en oiketiaij mit: „Bedienstete des kaiserlichen Hauses“ rechtfertigt sich durch die Tendenz des Ediktes, das sich zunächst gegen christliche Beamte, Militärs und wohl auch gegen die Angehörigen des Hofes richtete.
3: Das zweite Edikt erging Ende April 303.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger