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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Über die Märtyrer in Palästina (De martyribus palaestinae).

VII.

Die Verfolgung dauerte bereits ins fünfte Jahr hinein1 . Da trat am zweiten Tag des Monats Xanthikus, das ist am vierten Tage vor den Nonen des April, gerade am Sonntag der Auferstehung unseres Erlösers2 , wiederum in Cäsarea eine Jungfrau, die von Tyrus gebürtig war, Theodosia, ein gläubiges und überaus reines Mädchen von noch nicht achtzehn Jahren, zu einigen Gefangenen, die ebenfalls ihren Glauben an das Reich Christi bekannten und eben vor dem Gerichtsgebäude saßen, hinzu, um ihnen zusammen ihre Teilnahme auszudrücken, und sie, wie es ja natürlich ist, zu bitten, ihrer zu gedenken, wenn sie zum Herrn kämen. Als sie das getan, ergriffen sie die Soldaten, als ob sie ein schweres Verbrechen begangen hätte, und führten sie zum Statthalter. Dieser ließ sie in einer Art von Wahnsinn und tierischer Wut durch furchtbare schreckliche Folterungen an Seiten und Brüsten bis auf die Knochen zerfleischen, und als sie kaum noch lebte, aber gleichwohl alles mit freudestrahlendem Antlitz ertrug, in die Fluten des Meeres werfen. Danach wandte er sich zu den übrigen Bekennern und sandte sie alle zur Zwangsarbeit in den Erzbergwerken in Phäno in Palästina3 . Außerdem verurteilte derselbe Statthalter am fünften Tage des Monats Dios — bei den Römern als Novembernonen bezeichnet4 — in der gleichen Stadt den Silvanus — er war damals, als er Bekenner wurde, noch Priester, erhielt aber bald darauf das Amt eines Bischofes und starb als Märtyrer — mit seinen Gefährten ob ihrer glänzenden Standhaftigkeit, die sie für ihren Glauben an den Tag gelegt, zur Arbeit im gleichen Erzbergwerk, nachdem er ihnen vorher durch Brenneisen die Fußgelenke hatte unbrauchbar machen lassen. Gleichzeitig mit dem Urteil über sie verhängte er den Feuertod über einen Mann, der schon bei zahllosen andern Gelegenheiten seinen Glauben bekannt hatte, Domninus war es, der wegen seines ungewöhnlichen Freimutes in ganz Palästina berühmt war. Geradezu ein furchtbarer Erfinder von Bosheit, griff dieser Richter zu neuen Mitteln zur Bekämpfung des Christentums und wußte Strafen in Anwendung zu bringen, wie sie bis jetzt gegen die Bekenner Gottes gar nicht erhört worden waren. Drei verurteilte er zum Faustkampfe, Auxentius, einen ehrwürdigen und heiligmäßigen Priester, ließ er den wilden Tieren zum Fraße vorwerfen, wieder andere, Männer in vollster Kraft, ließ er entmannen und verurteilte sie zur Arbeit in den Bergwerken5 , und wieder andere ließ er schrecklich foltern und sodann in das Gefängnis werfen. Unter den letzteren war auch Pamphilus, der mir teuerste aller meiner Freunde, ein Mann, der von allen Märtyrern unserer Tage derjenige war, der ob seiner vollendeten Tugendhaftigkeit die höchste Verehrung genoß. Ihn ließ Urbanus zuerst eine Probe seiner Beredsamkeit und seiner philosophischen Kenntnisse ablegen und suchte ihn sodann zum Opfern zu bestimmen. Als er aber sehen mußte, daß Pamphilus es ablehnte und auch seine Drohungen völlig unbeachtet ließ, faßte ihn zuletzt die Wut und er befahl, ihn mit noch grausameren Foltern zu quälen. Mehr Tier als Mensch sättigte er sich geradezu an langdauernden Zerfleischungen seiner Seiten mit scharfen Krallen, bedeckte sich freilich dabei nur selbst in den Augen aller mit Schmach; sodann ließ er ihn zu den andern Bekennern ins Gefängnis bringen. Die Strafe aber, die Urbanus für seine Grausamkeit gegen die Heiligen dereinst von der göttlichen Gerechtigkeit empfangen wird, er, der so sehr die Bekenner Christi mißhandelt, läßt sich leicht ermessen: denn sie hatte schon hienieden ein Vorspiel, indem die göttliche Gerechtigkeit ihn bald nach seinem frechen Vorgehen gegen Pamphilus noch zu der Zeit, da er Statthalter war, ereilte. Gestern noch hatte er vom hohen Richterstuhle aus Recht gesprochen, hatte eine militärische Bedeckung um sich gehabt, hatte über das ganze Volk Palästinas geherrscht, hatte mit dem Tyrannen selbst als sein bester Freund und Tischgenosse verkehrt, da nahm sie mit einem Schlage in einer Nacht ihm alles, entzog ihm seine hohen Würden, überhäufte ihn mit Schmach und Schande vor denen, die ihm dereinst als Statthalter gehuldigt und ließ ihn vor dem Volke, über das er geherrscht, als einen unmännlichen Feigling erscheinen, der wie ein Weib laut um Hilfe bettelte. Und in Maximin, von dem er sich dereinst gebrüstet, daß er ihn um seines Vorgehens gegen uns besonders schätze, bestimmte sie ihm in derselben Stadt Cäsarea einen unerbittlichen und höchst grausamen Richter: er verurteilte ihn zum Tode, nachdem noch viel Schande über ihn gekommen wegen der Verbrechen, deren er überführt ward. Doch sei das nur im Vorübergehen erwähnt; möge einmal Zeit und Gelegenheit kommen, da wir mit Muße ausführlich die letzten Schicksale und das Lebensende der Gottlosen schildern können, die so sehr gegen uns gekämpft, des Maximinus selbst und seiner Genossen6 .

1: Das Martyrium der Theodosia ist in der längeren Fassung in G 2 und S erhalten.
2: 2. April 307.
3: Ein Städtchen im südlichen Palästina. Die längere Fassung [S und G 2, dessen Bruchstück damit abbricht] fügt an, daß der Tag der Verurteilung ein Sonntag war. Das Martyrium des Silvanus fehlt an dieser Stelle in der längeren Fassung [S].
4: 5. November 307.
5: Nach der längeren Fassung [S] überlieferte er auch drei Mädchen der körperlichen Entehrung.
6: Die längere Fassung [S] bemerkt: Wir haben dies . . für die Gläubigen erzählt, von denen einige noch bis zu unserer Zeit leben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger